Bilanz nach dem ersten Monat

Mehr als 1,5 Millionen 9-Euro-Tickets im Norden verkauft

06.06.2022, Hamburg: Reisende gehen über einen Bahnsteig am  Hamburger Hauptbahnhof (Wischeffekt durch Langzeitbelichtung). Reger Reiseverkehr hat am Pfingstmontag erneut für volle Züge in Schleswig-Holstein und Hamburg gesorgt. Besonders von den Ins
Der Andrang an den Bahnhöfen im Norden ist groß (Symbolbild).
gew sab, dpa, Georg Wendt

Trotz des 9-Euro-Ticket-Ärgers auf Sylt zieht der Norden nach vier Wochen eine positive Bilanz: In Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen wurden insgesamt mehr als 1,5 Millionen Tickets verkauft. Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann fordert sogar die dauerhafte Einführung eines deutschlandweiten ÖPNV-Tickets.

Hamburg verkauft die meisten Tickets

Nach vier Wochen ist klar: Das 9-Euro-Ticket ist ein großer Erfolg. Spitzenreiter mit 935.000 verkauften Tickets ist Hamburg. „Gleichzeitig sind die Fahrgastzahlen im hvv spürbar angestiegen, sie haben fast wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht“, sagte ein Sprecher. Im Ferienmonat Juli werde das Interesse am 9-Euro-Ticket voraussichtlich weiter groß sein, dazu trage nicht zuletzt die bundesweite Gültigkeit des Angebots bei.

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Niedersachsens Verkehrsminister fordert dauerhafte Lösung

Bernd Althusmann
Bernd Althusmann fordert die dauerhafte Einführung eines deutschlandweiten ÖPNV-Tickets
deutsche presse agentur

In Niedersachsen hat der Verkehrsverbund GVH der Region Hannover für Juni rund 243.000 der Tickets verkauft - zusätzlich zu rund 140.000 Abonnenten, die im Aktionszeitraum automatisch von dem günstigeren Tarif profitieren. Auch für Juli (knapp 37 000) und August (knapp 23 000) hat der GVH schon viele 9-Euro-Tickets verkauft.

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann hat sich für die dauerhafte Einführung eines bundesweit gültigen Nahverkehrstickets ausgesprochen. Der Bund solle die Länder in die Lage versetzen, „auch nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets ein kostengünstiges, deutschlandweites ÖPNV-Ticket anzubieten“, sagte der CDU-Politiker. Das 9-Euro-Monatsticket wird bisher nur bis Ende August angeboten.

Althusmann betonte, die Mobilitätswende gelinge nur, wenn die mit dem 9-Euro-Ticket gewonnenen Neukunden langfristig an den Nahverkehr gebunden würden. Der ÖPNV müsse daher nachhaltig gestärkt werden, damit das Ticket nicht „ein Strohfeuer ohne Perspektive“ bleibe. Die bisherigen Absatz- und Fahrgastzahlen zeigten, dass das günstige Monatsticket gut angenommen werde. Allerdings werde auch deutlich, dass die Infrastruktur an ihre Grenzen stoße. Der Bund sei daher gefragt, die richtigen Schlüsse zu ziehen und etwa die Mittel zu erhöhen, mit denen die Länder Verkehrsleistungen bestellen können.

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230.000 verkaufte Tickets in Schleswig-Holstein

05.06.2022, Schleswig-Holstein, Westerland/Sylt: Besucher der Insel Sylt gehen über die Strandpromenade. Durch die Einführung des 9-Euro-Tickets haben sich die traditionell hohen Touristenzahlen an Pfingsten noch einmal erhöht. Foto: Axel Heimken/dpa
Nicht nur Punks, sondern auch Nordsee-Urlauber reisen mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt.
alf, dpa, Axel Heimken

Auch der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) ist mit der bisherigen Resonanz auf das 9-Euro-Ticket zufrieden. Mit Stand 21.Juni seien in Schleswig-Holstein bislang rund 230.000 Tickets verkauft worden, sagte Sprecher Dennis Fiedel. Die über die Deutsche Bahn verkauften 9-Euro-Tickets seien in diesen Zahlen nicht enthalten, da sie direkt an den Deutschlandtarifverbund gemeldet würden. „Für Juli und August rechnen wir mit einer ähnlichen Nachfrage“, so Fiedel.

Besonders groß war der Andrang den Angaben zufolge an den Wochenenden auf den Strecken an die Küsten sowie rund um die Kieler Woche. „Da waren einige Züge so voll, dass Fahrräder und teilweise auch Reisende nicht mehr mitgenommen werden konnten“, sagte Fiedel. „Insgesamt aber haben die Verkehrsunternehmen den Andrang ganz gut gemeistert.“

Für die nächsten Wochen rechnet er an den Wochenenden vor allem auf den Strecken zu den Stränden weiterhin mit teilweise sehr vollen Zügen. „Die Bahnunternehmen haben alle verfügbaren Fahrzeuge und Mitarbeiter im Einsatz. Trotzdem ist es absehbar, dass das beispielsweise bei einigen Verbindungen an die Lübecker Bucht oder nach Sylt nicht ausreichen wird.“ Er fordert: „Mittelfristig werden die Weichen politisch so zu stellen sein, dass der Nahverkehr deutlich ausgebaut werden kann.“

Bremen: Schon mehr als 10 000 Tickets für Juli und August verkauft

Die Bremer Straßenbahn AG verkaufte für Juni fast 129.000 Monatstickets. Auch für Juli und August lägen die Zahlen bereits zwischen 10.000 und 25.000, teilte ein Sprecher mit. Die Nordwestbahn erklärte, alle ihre Züge seien in diesem Monat „in allen Netzen und auf allen Linien stärker frequentiert“ als zuletzt. Das gelte besonders für die Wochenenden. Wegen der Ferien- und Sommerzeit mache sich der Trend aber auch unter der Woche bemerkbar. (dpa/sis)