Ein Leichnam zu viel in Mechernich

Rätsel um Friedhofsleiche: Baggerfahrer findet beim Grabausheben unbekannten Toten

Der Friedhof von Mechernich: An dieser Stelle stieß der Baggerfahrer auf die unbekannte Leiche.
Der Friedhof von Mechernich: An dieser Stelle stieß der Baggerfahrer auf die unbekannte Leiche.
© Tom Steinicke

19. Mai 2021 - 13:31 Uhr

Staatsanwaltschaft leitet Todesermittlungsverfahren ein

Wer auf dem Friedhof arbeitet, sieht in seinem Leben viele Leichen. Und weiß in der Regel, mit welchem Toten er es zu tun hat. Ein Baggerfahrer aus Mechernich (Nordrhein-Westfalen) hat jetzt eine ganz andere Erfahrung gemacht: Als er am Montag ein neues Grab ausheben wollte, stieß er auf eine Leiche, die dort gar nicht hingehörte. Die Art und Weise, wie der Leichnam unter der Erde lag, gibt Rätsel auf – und bietet reichlich Futter für Spekulationen. Die Staatsanwaltschaft hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.

Teil des Friedhofs Mechernich wurde vor zehn Jahren eingeebnet

Der Bereich des Friedhofs, in dem der unbekannte Tote gefunden wurde, war vor zehn Jahren eingeebnet worden. Seit einigen Jahren würden dort auch Menschen muslimischen Glaubens beerdigt, sagt Franz Küpper von der Kreispolizeibehörde Euskirchen zu RTL. "Für Dienstag war dort eine ordnungsbehördliche Bestattung geplant", erklärt der Sprecher. "Das bedeutet: Ein Mensch stirbt, und es gibt keinen Menschen, der die Beerdigung bezahlt."

Gefundener Leichnam lag nicht im Sarg

Nachdem der Baggerfahrer die Leiche entdeckt hatte, informierte er das Ordnungsamt, das die Polizei rief. Ob der Tote schon vor Jahrzehnten dort beerdigt wurde oder eine Straftat vorliegt, ist unklar. "Die Leiche lag definitiv in keinem Sarg", betont Silvia Jambor von der Stadt Mechernich im RTL-Interview. Früher habe es an der Stelle Reihengräber gegeben. "Die Beerdigungen in diesem Teil des Friedhofes waren alle im Jahr 1974", erklärt Jambor, die als Fachbereichsleiterin für Ordnungswesen und Bürgerservice bei der Stadt arbeitet.

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Friedhof Mechernich
Muslimische Verstorbene werden so beerdigt, dass die Liegerichtung nach Mekka zeigt
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Nach 30 Jahren war die Liegefrist zu Ende; die Angehörigen wurden aufgerufen, das Grab zu räumen. "Anschließend wurde dieser Teil des Friedhofes eingeebnet und eingesät", erläutert die Stadtmitarbeiterin. Inzwischen gebe es mindestens vier muslimische Gräber, eine weitere Bestattung sei für Dienstag vorgesehen gewesen. "Die Leichen werden so beerdigt, dass die Liegerichtung nach Mekka zeigt", erklärt Jambor.

Stadt Mechernich: Liegerichtung der Leiche ist höchst ungewöhnlich

Auch die Leichen der Beerdigungen im Jahr 1974 hätten "in einer bestimmten Richtung" gelegen, nur: Der nun gefundene Leichnam passe in keine "Liegerichtung" – weder in die von 1974 noch in die Richtung Mekka, erzählt Silvia Jambor. Und es gibt weitere Anhaltspunkte, die aufhorchen lassen. Zum einen habe die Leiche in einer Tiefe von etwa 1,20 Meter gelegen – bei Beerdigungen seien 1,60 Meter üblich, berichtet die Stadtmitarbeiterin. Außerdem passe der Zustand des Toten nicht zu einer Leiche, die angeblich schon Jahrzehnte dort liegt.

Offenbar war die Leiche dafür zu gut erhalten. "Darauf hat der Friedhofsgärtner hingewiesen, der den Job schon viele Jahre macht", sagt Jambor. "Für uns, die wir täglich mit dem Thema zu tun haben, sah die Leiche nicht aus wie eine, die 1974 beerdigt wurde."

Keine Kleidungsreste bei Leichnam gefunden

Eine rechtsmedizinische Untersuchung soll Licht ins Dunkel bringen – dann will die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen entscheiden. Für Oberstaatsanwalt Robin Faßbender gibt es zwei mögliche Szenarien. "Liegt die Leiche dort seit Jahrzehnten, spricht nahezu nichts für ein Gewaltverbrechen." Dann sei dieser Leichnam beim Einebnen des Friedhofs wohl schlicht übersehen worden, sagte er zu RTL. "Liegt die Leiche aber erst zwei oder drei Jahre dort, ist sie wohl eingebuddelt worden." Das könne auf ein Verbrechen hindeuten.

Geschlecht des unbekannten Toten noch unklar

Reste von Material wie Holz oder Metall seien im Bereich der Leiche nicht gefunden worden, erklärt Faßbender. Der Leichnam habe Kleidungsreste beziehungsweise Kleidungsrückstände aufgewiesen.

In der Rechtsmedizin soll jetzt auch untersucht werden, ob es sich um den Leichnam eines Mannes oder einer Frau handelt – selbst das ist noch nicht bekannt. (bst)