22-Jährige will Vorbild sein

Der harte Weg einer Transgender-Frau zur Profi-Fußballerin

06. Februar 2020 - 11:42 Uhr

Erste Transgender-Frau im argentinischen Profifußball

Es ist ein Novum in der ersten argentinischen Fußballliga der Frauen. Die 22-jährige Mara Gomez, die seit Anfang des Jahres beim Tabellenletzten Atlético Villa San Carlos unter Vertrag steht, darf als erste Frau, die als Mann geboren wurde, in der Profi-Liga auflaufen. Wie schwierig der Weg für die junge Frau war und wovon sie träumt, zeigen wir im Video.

Mit Gomez Verpflichtung geht aber auch eine jahrelange Diskussion um Frauen, die als Männer auf die Welt kamen und jetzt im Frauensport antreten, in die nächste Runde.

Der Fall "Caster Semenya"

Die Debatte um die körperlichen Vorteile von Transgender-Frauen im Frauen-Profisport lodert schon seit vielen Jahren, angefeuert von immer neuen Meldungen von Frauen, die im Körper eines Mannes auf die Welt kamen und jetzt in Frauen-Disziplinen an den Start gehen – und dabei womöglich von körperliche Vorteilen profitieren.

Besondere Bekanntheit erlangte der Fall der intersexuellen Läuferin Caster Semenya, die Merkmale beider Geschlechter hat. Die Südamerikanerin, die im Jahr 2009 die WM-Goldmedaille über 800 Meter gewann, stand im Verdacht, keine "echte Frau" zu sein. Mehrere ihrer Gegnerinnen hatten sich über den unnatürlich hohen Testosteronhaushalts Semenyas beschwert. Der Leichtathletikverband IAAF veranlasste daraufhin eine Prüfung, ob trans- oder intersexuelle Menschen einen unnatürlichen Vorteil gegenüber anderen Wettkampfteilnehmerinnen hätten.

Komplizierte Regelungen

Nach langem Hin und Her zwischen dem IAAF, dem Internationalen Sportgerichtshof CAS und Einzelpersonen kam es 2018 zu den Regeln, die auch heute noch aktuell sind. Demnach dürfen Frauen, die an internationalen Leichtathletik-Wettbewerben teilnehmen wollen, einen Grenzwert für körpereigenes Testosteron im Blut nicht überschreiten.

Das Problem: Der Leistungsvorteil von Athletinnen mit einem natürlich erhöhten Testosteronwert soll laut IAAF bei bis zu 4,5 Prozent liegen. Im Fall von Semenya wurde der Testosteronhaushalt zeitweise mit Medikamenten heruntergesetzt - anschließend lief sie deutlich schlechtere Zeiten.

Die Läuferin legte Berufung ein, doch der CAS gab dem IAAF recht. Auch wenn die Regelung klar diskriminierend sei, halte man sie "zugleich auch für notwendig, vernünftig und verhältnismäßig hinsichtlich der IAAF-Bemühungen, die Integrität der Frauen-Leichtathletik in bestimmten Disziplinen zu bewahren."

Mara Gomez lebt ihren Traum

Ungeachtet dieser Diskussion darf Mara Gomez sich freuen, nach einer so langen Zeit, geplagt von Diskriminierung und Vorverurteilungen, ihrer Leidenschaft nachgehen zu können. Darüber hinaus sind im Fußball Talent und Köpfchen ebenso entscheidend wie die reine Physis der Spielerinnen.