Er kannte das Kind seit der Grundschule

Mann (49) soll 14-Jährige bedrängt und gestalkt haben

Göttin Justitia mit Waage und Schwert
Göttin Justitia mit Waage und Schwert
© picture-alliance/ dpa, Wolfram Steinberg

17. September 2021 - 19:01 Uhr

Mutter: "Er hat meine Tochter von mir entfremdet"

Prozessauftakt gegen einen 49-Jährigen vor dem Amtsgericht Freiberg in Sachsen. Lange wurde an diesem Freitag nicht verhandelt, denn der Anwalt des Angeklagten hatte etwas dagegen, berichtet RTL-Reporter Frank Vacik. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Der Fall ist bedrückend, es geht um Stalking eines heute 14-jährigen Mädchens (Name der Redaktion bekannt), um Manipulation, um eine verzweifelte Mutter, die sagt: "Er hat meine Tochter von mir entfremdet."

Er setzte sich sogar zu ihr in den Schulbus

Laut Anklage muss sich der Mann (49) wegen Nachstellung verantworten. Ihm wird vorgeworfen, zwischen Februar 2021 bis Mai 2021 gegen das ihm auferlegte Kontaktverbot zu dem damals 14-jährigen Opfer verstoßen zu haben. Bereits im September 2020 soll der Mann von der Polizei eine "Gefährderansprache" erhalten haben, im Dezember schließlich verfügte das Gericht ein Kontaktverbot. Offenbar ohne die gewünschte Wirkung.

Mehrfach soll der 49-Jährige mit dem Auto im Schritttempo neben ihr hergefahren sein. Wiederholt sei er nachts auf das Grundstück ihres Elternhauses gekommen, mit einer Leiter, um zu ihrem Fenster heraufklettern zu können. Zudem sei er mehrmals mit dem Schulbus mitgefahren, habe öfter an der Bushaltestelle mit dem Auto auf sie gewartet.

Angeklagter soll seinen Sohn als Boten benutzt haben

Außerdem sei er in die Nachbarschaft gezogen, so die Mutter im Gespräch mit unserem Reporter. Von seiner Wohnung aus könne er aus dem Dachfenster das Zimmer des Kindes sehen, erzählt sie. Er soll sie von dort auf dem Schulweg und in der Freizeit beobachtet haben. "Dadurch soll die Geschädigte erheblich in ihrer Lebensführung eingeschränkt worden sein", heißt es laut Anklage.

Die Mutter des Mädchens erhebt im Gespräch mit unserem Reporter weitere Vorwürfe. Ihre Tochter sei wegen der Vorfälle inzwischen völlig traumatisiert, sie befinde sich in psychiatrischer Behandlung. Laut ihrer Darstellung hat er einen Sohn, der im gleichen Alter wie ihre Tochter sei. Die Kinder seien gemeinsam zur Grundschule gegangen. Schon damals habe der Angeklagte ihrer Tochter nachgestellt, Kontakt zu ihr gesucht. Seinen Sohn soll er dabei als Boten benutzt haben, um dem Mädchen Briefe und Geschenke zukommen zu lassen.

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"Bitte sorg dafür, dass deine Mutter oder deine Schwester nie diesen Brief finden oder lesen"

Die Mutter zeigt Briefe, die der Angeklagte ihrer Tochter geschrieben haben soll. Was darin zu lesen ist, ist unfassbar. Der 49-jährige Angeklagte macht dem Mädchen Komplimente, spricht von Liebe. Empört bezeichnet sie die Briefe als "abartig."

In einem anderen Brief, den die Mutter uns zeigt, wird auf abstoßende Art und Weise der Körper eines Mädchens beschrieben und dass der Schreiber sich Sex mit diesem Mädchen vorstellt. Zuvor schreibt er: "Bitte sorg dafür, dass deine Mutter der deine Schwester nie (unterstrichen) diesen Brief finden oder lesen. Bitte, bitte, bitte." Inhalt und Tonfall dieser Briefe sind zum Teil verstörend und nicht geeignet, daraus zu zitieren. Ob diese Briefe von Angeklagten an das Opfer gerichtet sind, lässt sich von der Redaktion nicht überprüfen.

Briefe und Chats mit verstörendem Inhalt

Neben den Briefen hat die Mutter auch Chatverläufe dokumentiert, die sie uns zeigt. Darin geht es darum, dass jemand, ihrer Aussage nach der Angeklagte, ihre Tochter zu überreden versucht, sich mit dem Mädchen trotz Verbot zu treffen. Obwohl das Kind ablehnt, wird es bedrängt, sich auf einen Videoanruf einzulassen.

Wer diese Briefe und Nachrichten verfasst hat, ob sie vom Angeklagten stammen, hat das Gericht zu klären. Nach der Verlesung der Anklageschrift stellt stellte der Verteidiger des 49-Jährigen den Antrag, die Öffentlichkeit komplett von dem Verfahren auszuschließen. Dem folgte das Gericht nicht in allen Punkten, so unser Reporter Frank Vacik. Als Reaktion darauf habe der Anwalt eine zuvor angekündigte Aussage seines Mandanten zurückgezogen. Das Gericht vertagte den Prozess anschließend auf unbestimmte Zeit. (uvo)