Sie wurde als Säugling ausgesetzt

Frau erfährt, dass ihr Papa jahrelang in ihrer Nähe wohnte - jetzt ist er tot

Leah und ihre Adoptivcousine Carla (links).
Leah und ihre Adoptivcousine Carla (links).
© twitter/C4rlaW

14. Oktober 2021 - 11:05 Uhr

Manchester: Leah (26) auf der Suche nach leiblichen Eltern

Die Geschichte von Leah (26), einer jungen Frau aus Manchester, beginnt bereits im Jahr 1994. Sie machte damals ungewollt Schlagzeilen – als Neugeborenes wird sie in einer Krankenhaustoilette ausgesetzt. Jetzt ist sie entschlossen, mit Hilfe ihrer Adoptivcousine, einer Filmemacherin beim britischen TV-Sender "BBC", nach Antworten zu suchen. Mit tragischem Ausgang: Denn Leahs Vater lebt ihr ganzes Leben lang in ihrer Nachbarschaft – bis er 2014 stirbt.

DNA-Datenbank bringt Klarheit

26 Jahre ist es her, dass Leah im Alter von nur wenigen Stunden auf einem Toilettenspülkasten gefunden wird. Niemand weiß damals, wie sie dorthin gekommen ist. Trotz umfangreicher polizeilicher Ermittlungen kann ihre leibliche Mutter nie ausfindig gemacht werden.

Heute ist Leah selbst Mutter und entschlossener denn je, herauszufinden, was passiert ist. Sie wird dabei von ihrer Adoptivcousine Carla begleitet, die Leahs Suche für die Dokumentation "Finding My Family" des britischen Senders "BBC" filmt. Carla glaubt, dass Online-DNA-Datenbanken Hinweise liefern könnten, also macht Leah einen Test.

Leahs leibliche Familie lebt in Manchester Vorort

Nach einigen Fehlversuchen können die beiden Robert, einen Cousin ersten Grades, ausfindig machen. Mit seiner Hilfe kann Leah einen Stammbaum zusammensetzen und erfährt, dass ihre Eltern aus einer großen katholischen Familie in Wythenshawe, einem Stadtteil von Manchester, stammen müssen. Laut dem Ergebnis des DNA-Tests könnte eine von Roberts sieben Tanten und Onkeln Leahs mütterlicher Part ihrer Großeltern sein.

Die 26-Jährige beschließt, zunächst die Familie von Roberts jüngster Tante Christine genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihre Söhne sind zum Zeitpunkt von Leahs Geburt junge Erwachsene. Sie könnten also ein Kind gezeugt haben. Roberts Tante Christine ist zudem bereit, einen DNA-Test zu machen. Und tatsächlich erfährt Leah einige Wochen später, dass Christine ihre leibliche Großmutter ist. Leah ist ihrem Lebensziel, endlich ihre leiblichen Eltern zu finden, plötzlich so nah wie noch nie. "Du hast eine Menge Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel. Du wirst einen Schock bekommen, wenn du sie siehst", witzelt Oma Christine, als Leah ihr das erste Mal von den DNA-Ergebnissen am Telefon erzählt.

Das Ergebnis bedeutet also, dass einer von Christines vier Söhnen aus zwei verschiedenen Beziehungen der Vater von Leah ist. Weitere Tests ergeben, dass ihr Vater Lee heißt. Durch Christine erfährt die 26-Jährige außerdem, dass er ihr gesamtes Leben im Umkreis von wenigen Kilometern lebte. Doch das Ergebnis enthüllt auch, dass Leahs leiblicher Vater Lee kurz vor seinem 40. Geburtstag vor sieben Jahren verstorben war. "Soll ich um jemanden traurig sein, den ich nicht kenne?", fragt Leah, als sie das Grab ihres Vaters besucht. "Ist es normal, dass man sich fühlt, als würde man um jemanden trauern? Ich habe ihn nicht gekannt. Irgendetwas tut mir weh, aber ich weiß nicht, was mir weh tut oder warum."

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Jetzt möchte Leah auch ihre leibliche Mutter finden

"Ich hatte ein sehr liebevolles Leben", sagt Leah in der BBC-Doku, "Ich habe nie etwas vermisst. Mama und Papa haben mich geliebt. Ich war Teil einer Familie, ich habe mich nie ausgegrenzt oder ausgeschlossen gefühlt. Aber es gibt immer etwas, das nicht ganz da ist." Leah, die mittlerweile selbst Mutter zweier Kinder ist, wollte ihre eigene Biografie, ihre eigene Vergangenheit in Ordnung bringen. Sie wollte unbedingt wissen, warum sie verlassen wurde, denn eines steht fest: ihre eigenen Kinder könnte Leah nie im Stich lassen.

Doch Leah hat auch neue Familienmitglieder dazu gewonnen und ihre Kinder können endlich ihre leibliche Großmutter kennenlernen. Als die beiden gemeinsam alte Fotos ansehen, stellt Leah fest: "Er sieht mir eigentlich ziemlich ähnlich. Jemandem ähnlich zu sein, das ist dieses kleine Gefühl, irgendwo dazuzugehören, aber das ist es, was ich nie von ihm erfahren werde... Bin ich das, was er sich von einer Tochter erhoffen würde? Ist er stolz auf mich? Und dann die offensichtlichen Fragen: Wer ist meine Mutter?"

"Du bist wie Lee", sagte Christine. Er war sehr geschickt in seiner Arbeit und seine Zeichnungen waren fantastisch. Leah erzählt, dass auch sie eine künstlerische Ader hätte und selbst viel zeichne.

Und Leah? Die ist noch lange nicht am Ende ihrer Suche. "Ich muss immer noch meine Mutter finden, ich muss immer noch wissen, warum? Wir haben bereits das Unmögliche geschafft, indem wir meinen Vater gefunden haben, also ist es jetzt nicht mehr so unmöglich, meine Mutter zu finden." (kra)