Rassistische Wohnungsanzeige in Bremen

"Bitte keine Mieterinteressenten aus dem Afro-Bereich"

Mit so einem rassistischen Hinweis hat ein Makler in Bremen für eine Wohnung geworben.
Mit so einem rassistischen Hinweis hat ein Makler in Bremen für eine Wohnung geworben.
© RTL Nord

11. August 2021 - 11:32 Uhr

Was sagt der Makler aus Bremen zu den Rassismus-Vorwürfen?

Wohnung zu vermieten, aber nicht an Afrikaner - mit einem solchen rassistischen Hinweis hat in Bremen ein Makler für eine Wohnung geworben. Doch anstatt den Mann auf den fett-markierten Hinweis anzusprechen, leitet das Amt für soziale Dienste die Annonce sogar noch an von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in der Hansestadt weiter.

„Die Anzeige formuliert ganz offen und unverhohlen Rassismus."

Mit so einem rassistischen Hinweis hat ein Makler in Bremen für eine Wohnung geworben.
Ein Auszug aus dem Wohnungsangebot.
© RTL Nord

495 Euro kalt für 55 Quadratmeter mitten in der Bremer Altstadt - doch: "Bitte keine Mieterinteressenten aus dem Afro-Bereich !" - heißt es deutlich im Inserat. Tobias Helfst vom Bremer Erwerbslosenverband ist fassungslos: "Die Anzeige formuliert ganz offen und unverhohlen Rassismus. Hier ist ein Vermieter in Sorge um seine Wohnung und er will bestimmte Leute da nicht haben." Aufmerksam geworden auf die rassistische Annonce ist der Sozialrechtsberater durch eine Klientin, die das Wohnungsangebot ausgerechnet vom Amt für soziale Dienste weitergeleitet bekommen hat. Einer Behörde, die Menschen, die von Diskriminierung bei der Wohnungssuche betroffen sind, eigentlich helfen soll.

Amt für soziale Dienste in Bremen bedauere das Versehen, Makler zeigt keine Einsicht

"Die wichtigsten Kriterien sind natürlich für uns Lage, Größe, Preis. Aber solche Dinge, wenn sie in einer Anzeige stehen, führen in der Regel dazu, dass sie von uns nicht weitergeleitet werden. Dass es auch eine entsprechende Rückmeldung an den Anbieter gibt, ist an dieser Stelle nicht passiert. Das war ein Versehen, das wir sehr bedauern." sagt Wolf Krämer vom Amt für soziale Dienste in Bremen.

Doch was sagt der Makler zu den Vorwürfen, der das rassistische Inserat geschrieben hat? Unserer Reporterin erzählt er am Telefon, dass er mit Rassismus nichts zu tun habe: "Sein Auftraggeber habe ihm von mehreren Fällen berichtet, bei denen sich Mieter afrikanischer Herkunft einfach so abgesetzt hätten, so sagt er. Er habe Verständnis für die Entscheidung."

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Dem Vermieter könnten nach rassistischen Inseraten juristische Konsequenzen drohen

Dem Vermieter können jetzt juristische Konsequenzen drohen, sagt Anwältin Nicole Mutschke. "Wir alle haben sicher schon vom allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gehört, das ja eigentlich verbietet, dass man wegen Rasse oder Herkunft diskriminiert wird. Dann drohen tatsächlich Schadensersatz und Unterlassungsklagen."

Sozialrechtsberater Tobias Helfst hofft im Fall seiner Klientin nun, dass das Amt für soziale Dienste Konsequenzen aus der rassistischen Anzeige zieht: "Ein nicht mehr Zusammenarbeiten mit diesem Makler ist glaube ich das Minimum an dieser Stelle." Damit sich rassistische Wohnungsanzeigen wie im Fall seiner Klientin nicht wiederholen… (tja/kum)