Mutter: „Ich werde sie nicht aufgeben“

Soll Pippa (5) am Leben erhalten werden oder sterben? Gericht in London muss entscheiden

Die Ärzte haben Pippa aufgegeben und wollen die Fünfjährige sterben lassen.
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18. Dezember 2020 - 10:21 Uhr

Ärzte in London haben schwerkranke Pippa (5) aufgegeben

Soll Pippa (5) weiter am Leben erhalten werden oder sterben? In Großbritannien ist ein Gerichtsstreit um ein schwerkrankes Mädchen ausgebrochen. Die Ärzte haben die Hoffnung aufgegeben und wollen die lebenserhaltenden Maßnahmen bei dem Kind abschalten. Pippas alleinerziehende Mutter ist dagegen und möchte, dass ihre Tochter weiterleben darf. Nun muss ein Gericht entscheiden.

Fünfjährige Pippa aus London liegt im Wachkoma

Die Fünfjährige wird seit fast zwei Jahren im Evelina Children's Hospital in London behandelt. Aussicht auf Besserung gibt es für Pippa laut ihrer Ärzte nicht mehr. Eine Grippeerkrankung löste bei dem Mädchen schwere Hirnschäden aus. Seitdem leidet das Kind an einer sogenannten akuten nekrotisierenden Enzephalopathie. Das bedeutet: Pippa liegt in einer Art Wachkoma und muss künstlich beatmet werden.

Die Ärzte sind sich sicher, dass die schweren Hirnschäden bleiben werden und es sinnlos wäre, das Kind weiter künstlich am Leben zu erhalten. Der Anwalt des Krankenhauses erklärte bei der Anhörung vor dem Familiengericht in London, dass Pippa unfähig sei, Vergnügen zu spüren. Darum gebe es für das Kind keinen Nutzen, länger zu leben. Er betonte, der Fall sei tragisch, aber die Entscheidung der Ärzte richtig.

Pippas Mutter Paula Parfitt
Pippas Mutter Paula Parfitt kämpft vor Gericht um das Leben ihrer Tochter
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Pippas Mutter will nicht, dass bei ihrer Tochter die Geräte abgestellt werden

Pippas Mutter will die Entscheidung nicht akzeptieren und zog deshalb vor Gericht. 2017 starb bereits Pippas Vater. Seitdem muss sich die Mutter allein um das Mädchen kümmern. Die 41-Jährige will jetzt nicht auch noch ihre Tochter verlieren.

Sie möchte, dass das Mädchen wieder zu ihr nach Hause kann. Dafür sei ein Luftröhrenschnitt und ein mobiles Beatmungsgerät notwendig. "Ich werde sie nicht aufgeben", erklärte die alleinerziehende Mutter vor Gericht. "Wenn es eine Möglichkeit für sie gibt, nach Hause zu kommen, dann ist es das, was Gott wollen würde." Sie hofft, dass ihrer Tochter durch neue medizinische Erkenntnisse in der Zukunft vielleicht doch noch geholfen werden könnte.

In Großbritannien entscheiden die Ärzte, ob kranke Kinder weiter behandelt werden

Der Fall erinnert an den des kleinen Alfie Evans. Der Junge, der im April 2018 im Alter von nur 23 Monaten gestorben war, hatte eine schwere neurologische Krankheit, die noch nicht klar diagnostiziert ist. Die Ärzte hielten weitere lebenserhaltende Maßnahmen für sinnlos, weil die Krankheit das Gehirn des Kindes fast vollständig zerstört habe, und wollten Alfie weiteres Leiden ersparen. Die Eltern dagegen wollten, dass ihr Sohn solange wie möglich lebt.

In Großbritannien entscheiden in der Regel die Ärzte, ob Todkranke weiter behandelt werden - in Deutschland hingegen sind es die Eltern. Kritiker vermuten, dass hinter der harten britischen Haltung auch die Furcht vor einer Kostenlawine für das nationale Gesundheitssystem NHS aus ähnlichen Fällen steckt.

Quelle: RTL.de, dpa