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Letzte Ausfahrt Tinder?! Plötzlich steckte mir der „Gnom“ seine Zunge in meinen Mund

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17. Mai 2019 - 7:38 Uhr

von Tina Tinderina

Es war mal wieder so ein Tag: Draußen regnete es und ich lag auf meinem Sofa und schaute Schnulzen. Ich heulte Rotz und Wasser. Meine Augen waren mittlerweile schon blutrot und geschwollen. Da schrieb er mich auf Tinder an. Sentimental wie ich nach meinen vier Liebesfilmen war, schrieb ich sofort säuselnd zurück.

Er war ein echter Film-Freak

Ich erzählte ihm, in welcher Verfassung ich dank Netflix war. Er stellte sich daraufhin als echter Film-Freak raus. Und so verabredeten wir uns zum Kino-Date. Kino? Wirklich? Da kann man sich doch gar nicht unterhalten. Aber das wurde mir erst am nächsten Tag, als ich die Schnulzen verdaut hatte, klar. Daher schlug ich vor, uns vor dem Kino wenigstens noch auf ein paar Bier zu treffen. So machten wir es dann auch.

Und schwups, stand der Gnom vor mir

Ich war viel zu früh dran und wartete am Chlodwigplatz auf ihn. Er schrieb mir, dass er sich um wenige Minuten verspäten würde. Das fing ja gut an. Dann sah ich plötzlich jemanden an mir vorbeilaufen, der dem Tinder-Typen sehr ähnlich sah. Aber das konnte er nicht sein. Er war nämlich zwergengroß beziehungsweise -klein. Doch dann dämmerte es mir plötzlich… Ich hatte gar nicht gefragt, wie groß er war. Was für ein Anfänger-Fehler! Wie konnte mir das bloß passieren?! Und schwups, stand der Gnom vor mir und lächelte mich an. Jap, er war es also wirklich! Beinahe hätte ich gefragt: Na, wie ist die Luft da unten?! Aber ich riss mich zusammen.

„Was ist gelogen?"

Wir gingen in eine Kneipe und ich trank Kölsch am Fließband. Leider wurde er dadurch nicht größer. Aber immerhin sympathischer. Bis er plötzlich eine ganz tolle Idee hatte und das Spiel "Was ist gelogen?" vorschlug. Ich sollte mir drei kleine Anekdoten über mich ausdenken und er musste die eine erraten, die ich erfunden hatte. Machte er das immer bei seinen Tinder-Dates? Merkwürdig! Aber ok. Ich präsentierte stolz meine drei Geschichten. Eine davon war, dass ich schon mal von der Polizei festgenommen wurde. Woraufhin er sofort sagte: "Das trifft auf jeden Fall auf dich zu. Jetzt muss ich nur noch die Lüge rausfinden." What? Sehe ich etwa so kriminell aus? Das war übrigens meine erfundene Story… Der Vollständigkeit halber möchte ich euch seine drei Geschichten nicht vorenthalten.

  • a) Er hat eine Woche lang unwissentlich für einen Swinger-Club gearbeitet.
  • b) Er hat früher mal Breakdance gemacht.
  • c) Er kennt den Nachbarn von Osama bin Laden. Na, worauf hättet ihr getippt?

Auflösung: Antwort a) war gelogen. Er hat mit seiner Körpergröße also wirklich mal Hip-Hop-Moves ausgeübt? Dass er den Nachbarn von einem der größten Terroristen kennt, erschien mir plötzlich völlig nebensächlich.

Ich glaube, er hat gemerkt, dass ich mich etwas unwohl fühlte

Im Kino angekommen, saßen wir artig nebeneinander. Ich schlürfte mittlerweile mein siebtes Bier. Weil der Film nicht sonderlich spannend war und ich die ganze Woche über Frühdienst hatte, schlief ich gelegentlich immer wieder ein. Das schien er mitbekommen zu haben. Um mich vom erneuten Einnicken abzuhalten, hatte er eine grandiose Idee – bereits die zweite an diesem Abend.

Er steckte mir einfach völlig unverhofft seine Zunge in den Mund. Ich fühlte mich wie 16, als man mit seinem Schwarm extra zum Knutschen ins Kino fuhr. Was mussten die Leute hinter uns bloß denken? Gott, wie peinlich! Schnell zuckte ich zurück und fand den Film plötzlich sehr spannend. Dummerweise hatte der Streifen auch noch Überlänge und zog sich wie Kaugummi. Beim Abspann rannte ich wie von der Tarantel gestochen aus dem Kinosaal.

Draußen angekommen, rief ich mir sofort ein Taxi – und verabschiedete mich in gekrümmter Haltung mit einer Umarmung von ihm. Ich glaube, er hat gemerkt, dass ich mich etwas unwohl fühlte. Danach haben wir nämlich nie wieder voneinander gehört… Next!