21. März 2019 - 16:45 Uhr

von Tina Tinderina

Tinder? Ich? Niemals! Nach der Trennung von meinem Freund – mit dem ich immerhin siebeneinhalb Jahre zusammen war (und der mittlerweile verheiratet ist und demnächst Papa wird… Schöne Grüße an dieser Stelle!) – habe ich mich vehement gegen diese in meinen Augen bescheuerte Dating-App gesträubt. "Da sind doch nur Männer, die schnellen und unkomplizierten Sex haben wollen", habe ich immer geantwortet, sobald mir mal wieder eine meiner Freundinnen den Tinder-Tipp gab. Doch als ich dann von Hamburg nach Köln gezogen bin und kaum Leute in der Domstadt kannte, gab ich mir einen Ruck und installierte die App. 

Dating per App: Ist das nicht viel zu oberflächlich?

Plötzlich saß ich da und Tinder präsentierte mir einen Kerl nach dem anderen. Männer am Fließband. Wow, willkommen im Paradies! Und es war so einfach: Man muss nur nach rechts (wenn einem der Typ gefällt) oder nach links (wenn er eher nicht so dolle ist) swipen. Glatze? Nein! Segelohren? Weg damit! Duckface? Ganz ehrlich Jungs, nein! Fuß-Foto? What the hell! Klar, das Prinzip ist oberflächlich. Aber im Club spricht man schließlich auch nur die hübschen Kerle an, und nicht die mit dem Bierbauch und den Geheimratsecken. Da waren schon ein paar schnieke Exemplare dabei. Blöd nur, dass ich dem Kerl auch gefallen muss. Noch blöder, dass ich auf schmierige Typen stehe – also den Typ von Mann, der gegelte Haare hat, ein strahlendweißes Lächeln und dank seines Aussehens locker mit einem Topmodel wie Heidi Klum zusammen sein könnte. Wobei die ja gerade auf den Dirty-Look bei Männern steht, wie man an Tom Kaulitz sieht.

„Hallo, du siehst aber freundlich aus!" Freundlich?

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte. Da saß ich also auf meinem Sofa, gab den Schönlingen ein Like und wischte die Fraktion Teddybär weg. Und tatsächlich, nach nur wenigen Minuten hatte ich bereits ein Match. Aber sollte ich ihn jetzt anschreiben? Oder warten, bis er den ersten Schritt macht? Alice Schwarzer hätte über diese Frage wahrscheinlich noch nicht mal nachgedacht und laut "Selbst ist die Frau" geschrien. Nun gut, ich bin aber keine Feministin. Daher wartete ich… und wartete. Dann, plötzlich, eine Nachricht: "Hallo, du siehst aber freundlich aus!" Freundlich? Ernsthaft? Naja, besser als "nett" – die kleine Schwester von ihr wisst schon wem. So schrieben wir uns also hin und her. Jeder ratterte seinen Lebenslauf runter, erzählte einen Schwank aus seinem Leben und so ging das wochenlang. Heute, mit einer gewissen Tinder-Erfahrung, weiß ich, dass das ein grober Fehler war. Man ist ja nicht dort, um einen Brieffreund zu finden.

Das Ende vom Lied:

Wir trafen uns nie und ließen den Kontakt irgendwann und irgendwie im Sande verlaufen. Was aber kein Problem war, schließlich hatte ich in der Zwischenzeit noch dutzende weitere Matches hinzubekommen. Keine Panik, ich habe nicht mit allen gleichzeitig geschrieben. Nicht, dass ihr denkt, ich wäre eine Schreib-Schlampe und hätte meine Brieffreunde betrogen. Wie es schließlich zu meinem ersten Tinder-Date kam und was ich dort erlebte, erfahrt ihr in meiner nächsten Kolumne…