Aggression wegen Coronaschutzmaßnahmen

Lehrerverband schlägt Alarm: Kollegen kriegen Drohmails und werden mit Stühlen beworfen

In der Coronazeit nimmt die Gewalt gegen Lehrer zu. (Symbolbild)
In der Coronazeit nimmt die Gewalt gegen Lehrer zu. (Symbolbild)
© dpa, Oliver Berg, obe_cu_pag nur sja

08. Mai 2021 - 10:36 Uhr

700 Lehrer wurden allein in Sachsen zum Opfer

Fast ganz Deutschland befindet sich im Lockdown, Schüler werden per Videoschalte unterrichtet oder müssen sich in der Schule auf Corona testen lassen. Doch gerade die Corona-Schutzmaßnahmen scheinen Lehrer zur Zielscheibe von Gewalt zu machen, das geht aus einer Befragung des Sächsischen Lehrerverbands hervor. Mehr als 700 Lehrkräfte gaben an, schon Opfer geworden zu sein.

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Psychische Gewalt geht meist von Eltern aus

Befragt wurden insgesamt 1052 Lehrkräfte. Mehr als 700 Lehrer in Sachsen berichten davon, dass sie wegen der Corona-Schutzmaßnahmen zum Ziel von Hass- und Drohmails geworden sind. Außerdem käme es auch immer wieder zu Drohanrufen. Dahinter würden zu 75 Prozent Eltern stecken – Schüler seinen kaum involviert.

Im Zusammenhang mit Corona-Schutzmaßnahmen sollen 41 Prozent der 1.052 Befragungsteilnehmer von psychischer Gewalt berichtet haben. 28 Prozent von Mobbing über das Internet und von zehn Fällen körperlicher Gewalt.

Jens Weichelt, Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands ist erschrocken. Im Interview mit RT sagt er: "Eines der großen Themen war beispielsweise die Umsetzung der Testpflicht, die wir ja hier in Sachsen haben."

Jens Weichelt ist Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands.
Jens Weichelt ist Vorsitzender des Sächsischen Lehrerverbands.
© RTL

Beliebte Lehrer werden plötzlich zum Feind

"Ich habe mit einer Grundschullehrerin telefoniert", sagt der Leiter des Verbands. Sie habe über Jahrzehnte ein gutes Verhältnis zu ihren Schülern und deren Eltern gehabt. Dann sei plötzlich ein Brief bei ihr angekommen. Darin stand: "Sehr geehrte Frau Sowieso, Sie foltern mein Kind. Sie verletzten Menschenrechte. Wenn Sie das nicht unterlassen, drohen wir mit Strafanzeige." Dabei habe die Frau nichts anderes gewollt, als ihren Unterricht durchzuführen.

Kleiner Lichtblick: Es habe auch hilfsbereite Eltern gegeben, die die betroffenen Lehrer unterstützt hätten. Als es um Mobbing gegangen sei, seien auch die Schulaufsichtsbehörden aktiv geworden, so Weichelt.

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Angriffe im Klassenzimmer

Gut 250 der befragten Lehrer sollen außerdem angegeben haben, schon körperlich attackiert worden zu sein. "Das geht vom Schlagen und Treten bis hin zum Stühle durch das Klassenzimmer werfen", erzählt Weichelt. "Solche Vorfälle gingen zu 94 Prozent von den Schülern aus." In Grundschule sei das Problem größer, als an weiterführenden Schulen.

Viele Schüler werden vor Ort getestet, um eine Ansteckung im Klassenzimmer zu vermeiden. (Symbolbild)
Viele Schüler werden vor Ort getestet, um eine Ansteckung im Klassenzimmer zu vermeiden. (Symbolbild)
© imago images/Eibner, Fleig / Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Eine Entschuldigung ist ein guter Anfang

Doch besonders an die Eltern, die in der Coronazeit psychischen Druck auf Lehrer und Schulleiter ausüben, appelliert Jens Weichert: "Ich denke, dass das Thema noch stärker ins Bewusstsein gerufen werden muss", sagt er, "dass jeder, der glaubt, im Internet anonym tätig werden zu müssen und einfach mal so andere Menschen anzugreifen – dass er sich bewusst ist, dass er eine Grenze überschreitet."

Manchmal müsse man nur miteinander reden, dann wende sich alles zum Guten. Kollegen hätten ihm von erfolgreichen Gesprächen erzählt, an deren Ende sogar eine Entschuldigung der Eltern gestanden habe. Das sei ein guter Anfang…

DKY/ RTL.de

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