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Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas will Betriebsratswahl verhindern: Arbeitsgericht lehnt Antrag ab

Arbeitsgericht lehnt Antrag ab

Lebensmittel-Lieferdienst Gorillas will Betriebsratswahl verhindern

 Mitarbeiter des Gorillas-Lieferdiestes an der Haustür bei der Auslieferung von Waren in Berlin. / Gorilla delivery service employees at the front door delivering goods in Berlin. Gorillas-Lieferdienst *** Gorillas delivery service employees at the f
Mitarbeiter des Gorillas-Lieferdienstes an der Haustür bei der Auslieferung von Waren in Berlin
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Zoff beim Lebensmittel-Lieferdienst

In der Hauptstadt brodelt es: Es gibt Ärger um ausbleibende Gehälter, Streiks, Kündigungen und eine Betriebsratswahl – und das alles im Jahr 2021. Im Zentrum steht das Berliner Start-up Gorillas, ein Lieferdienst für Lebensmittel. Das Unternehmen gibt sich modern, scheint aber offenbar ein Problem mit Arbeitnehmerrechten zu haben. Per Gerichtsurteil wollte es Betriebsratswahlen verhindern – und ist mit dem Antrag gescheitert.

Gorillas-Beschäftigte dürfen Betriebsrat wählen

Das Berliner Start-up Gorillas wollte die vom 22. bis 27. November geplante Wahl mit sofortiger Wirkung stoppen. Es hatte unter anderen argumentiert, dass der Wahlvorstand angesichts von erst kürzlich erfolgten Umstrukturierungen nicht zuständig sei für die Beschäftigten, die zur Wahl aufgerufen seien.

Das Arbeitsgericht sieht zunächst keinen Anlass, die Betriebsratswahl zu unterbrechen. Zwar habe es möglicherweise Fehler bei dem Wahlverfahren gegeben, diese reichten aber nicht aus für eine Unterbrechung der Wahl, erklärte das Gericht. Wenn es Anfechtungsgründe gebe, müsse der Lieferdienst Gorillas die Betriebsratswahl später anfechten, so Richter Michael Ernst. Damit kann die Betriebsratswahl wie geplant in der kommenden Woche erfolgen. Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig. (Az.: 3 BVGa 10332/21).

Bei dem Lieferdienst gibt es seit Monaten Streit um die Arbeitsbedingungen. Am Arbeitsgericht Berlin sind nach Angaben einer Sprecherin Dutzende Verfahren anhängig. Erst Anfang Oktober hatte das Unternehmen zahlreiche Beschäftigte in Berlin und Leipzig entlassen. Es seien die Arbeitsverhältnisse derjenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beendet worden, die sich in den vergangenen Tagen an sogenannten „wilden Streiks“ und Blockaden von Warenhäusern beteiligt hätten, teilte ein Gorillas-Sprecher mit.

Streit über die Arbeitsbedingungen tobt seit Monaten

Zur genauen Zahl der Entlassungen machte Gorillas zunächst keine Angaben. Das „Gorillas Workers Collective“ (GWC), ein Zusammenschluss von Mitarbeitern für bessere Arbeitsbedingungen, sprach auf Twitter von „Massenkündigungen“, die per Brief oder telefonisch ausgesprochen worden seien. Gekündigt worden sei auch solchen Beschäftigten, die nicht an den Aktionen teilgenommen hätten.

„Den Beschäftigten wird ihre Existenzgrundlage entzogen, weil sie für ihre Interessen eingestanden sind“, erklärte Maren Ulbrich vom Bundesfachbereich Handel der Gewerkschaft Verdi. Seit Monaten tobt in dem jungen Berliner Start-up ein Streit über die Arbeitsbedingungen. Das GWC kritisiert unter anderem befristete Verträge, mangelnde Ausrüstung für Fahrer sowie eine schlechte Dienstplanung.

RTL hat mit gekündigten Gorillas-Mitarbeiter gesprochen. Im Video erzählt ein ehemaliger Gorillas-Kurier, warum er gestreikt hat und welche Folgen das für ihn hatte.

Gorillas betont stets, die Kritik ernstzunehmen und viele Punkte bereits verbessert zu haben. So gebe es inzwischen ein Bonussystem, das den Fahrerinnen und Fahrern einen festen Stundenlohn garantiere. Das Schicht-Planungs-System sei verbessert und zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt worden. Fragt sich nur, warum das Unternehmen mit allen Mitteln versucht, eine Arbeitnehmervertretung zu verhindern. (dpa/aze)

Gorillas-Beschäftige verlangen bessere Arbeitsbedingungen Demonstration in Berlin
01:45 min
Demonstration in Berlin
Gorillas-Beschäftige verlangen bessere Arbeitsbedingungen

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