Ticken unsere Uhren richtig?Neuer Rekord: Erde dreht sich immer schneller

Wir sind daran gewöhnt, dass unsere Tage 24 Stunden haben – die Erde also 24 Stunden braucht, um sich einmal um sich selbst zu drehen. Wissenschaftler haben jetzt aber festgestellt, dass das zumindest an einzelnen Tagen nicht mehr der Fall ist. Schon häufiger hat sich unser Planet schneller bewegt. Doch wie ist das möglich? Und welche Konsequenzen kann das für uns haben?

Neuer Rekord der Erdrotation am 29. Juni 2022

Leuchtturmdenkmal Obereversand an der Wurster Nordseeküste. Der Startrail-Effekt entstand durch Langzeit- und Mehrfachbelichtung und zeigt die Sternenspuren duch die Erdrotation. Dorum-Neufeld, 31.05.2020
Die 28 kürzesten Tage fanden alle im Jahr 2020 statt - bisher.
R4179 Ulrich Stamm/Geisler-Fotopress, Foto: Geisler-Fotopress/Stamm

Die Geschwindigkeit der Erdumdrehung wird seit 1960 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mittels Atomuhren gemessen. Am 29. Juni 2022 haben sie dabei festgestellt: Der Tag hatte keine vollen 24 Stunden, beziehungsweise 86.400 Sekunden. Die Erde hat sich 1.59 Millisekunden schneller gedreht, als üblich (eine Millisekunde entspricht dabei 0.001 Sekunden).

Schon früher haben Forscher die Beobachtung gemacht, dass sich die Erde schneller dreht. Laut der Website timeanddate gab es die zuvor 28 kürzesten Tage alle im Jahr 2020. Der kürzeste Tag damals war der 26. Juli. An dem Sonntag drehte sich die Erdkugel 1,50 Millisekunden schneller.

Wieso dreht sich die Erde schneller?

Mehrere Faktoren könnten die Geschwindigkeit der Erdumdrehung beeinflussen. Dazu zählen die Gezeiten. Diese verformen die Erde und sind einer der Hauptgründe, weshalb sich die Erdrotation verändert. Weitere Faktoren für eine unterschiedliche Tageslänge können seismische Aktivität, Gletscherbildung, das Wetter, die Ozeane und das Erdmagnetfeld sein. Ob die Auswirkungen des Klimawandels ebenfalls einen Einfluss haben, ist noch unklar.

sich schnell drehender Globus | globe
Im Normalfall braucht die Erde 86.400 Sekunden, um sich einmal um ihre Achse zu drehen.
McPHOTOs, © INSADCO / Bilderbox
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Eine Sekunde weniger pro Tag

Wenn die Erde sich auch weiterhin schneller dreht, müsste bald eine erste negative Schaltsekunde eingeführt werden. Dann würden die Uhren eine Sekunde überspringen. Das wiederum könnte zu Problemen in der IT führen. Unsere Smartphones, Computer und GPS-Systeme sind auf äußerst genaue Zeitsysteme angewiesen.

Sorgen muss sich wegen der fehlenden Millisekunde aber zunächst niemand machen. Wissenschaftler Leonid Zotov vermutet zu 70 Prozent, dass wir am Minimum der möglichen Geschwindigkeit sind. Das würde bedeuten, dass sich die Erde nicht noch langsamer drehen wird. Dementsprechend bräuchten wir keine negative Schaltsekunde.

Seit 1972 gab es 27 Schaltsekunden

People take a photo of a digital clock displaying a leap second at a train station in the western Tokyo suburb of Koganei, eastern Japan, Wednesday, July 1, 2015. About 200 people waited for the moment when the clock displayed "8:59:60" (eight hours, 59 minutes, 60 seconds) to indicate the insertion of a leap second. The clock turned from "8:59:59" to "8:59:60" and then "9:00:00."
Der 1. Juli 2015 war eine Sekunde länger als 24 Stunden.
Yasushi Arishima, picture alliance

In den vergangenen Jahrhunderten hat sich die durchschnittliche Tageslänge etwa alle hundert Jahre verlängert. Die Erde hat für eine Drehung als länger gebraucht als 24 Stunden. 27 Mal wurde deswegen seit 1972 eine Schaltsekunde einführt. Die letzte Schaltsekunde gab es am 31.12.2016. Die Uhr sprang von 23:59:59 erst auf 23:59:60, bevor sie auf 00:00:00 umgesprungen ist.

Damals konnten sich die Internetserver eines großen Dienstleisters nicht mehr erreichen und Dienste und Webseiten fielen aus. Auch in der Nacht zum 1. Juli 2012 gab es Ausfälle bei Mozilla und Reddit, die Webseite war 30 bis 40 Minuten nicht erreichbar.

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(zre)