Englischer Verband ändert Richtlinie

Nur noch zehn Kopfbälle pro Trainingswoche!

Antonio Rüdiger und Harry Kane im Kopfballduell.
Antonio Rüdiger und Harry Kane im Kopfballduell.
© picture alliance

28. Juli 2021 - 23:24 Uhr

Kopfbälle sollen reglementiert werden

Studien legen nahe, dass Kopfbälle schädliche Langzeitfolgen für das Gehirn haben könnten. Der englische Verband reagiert jetzt und ändert seine Richtlinien. Künftig soll die Anzahl der "harten" Kopfbälle im Trainingsbetrieb eingeschränkt werden.

"Zum Schutz der Spieler"

Der englische Fußball-Verband hat angesichts möglicher Langzeitfolgen für Fußballprofis durch Kopfbälle neue Leitlinien herausgegeben. So soll jeder Spieler pro Trainingswoche maximal zehn "Kopfbälle mit höherer Kraft" durchführen, etwa nach langen Pässen (mehr als 35 Meter) oder nach Flanken, Ecken und Freistößen.

"Diese Empfehlung dient dem Schutz des Spielerwohls und wird regelmäßig überprüft, wenn weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um mehr über die Auswirkungen des Kopfballs im Fußball zu erfahren", teilte die FA am Mittwoch mit.

Einschränkung gilt nur fürs Training

Die Empfehlungen gelten allerdings nicht für den normalen Spielbetrieb, da im "Training die überwiegende Mehrheit der Kopfbälle durchgeführt wird", wie die FA schrieb.

Die Vereine sollen zudem Spielerprofile erstellen, die Geschlecht, Alter, Spielposition, die Anzahl der Kopfbälle pro Spiel und die Art dieser Kopfbälle berücksichtigen. Diese Profile können verwendet werden, um sicherzustellen, dass alle Trainingseinheiten die Art und Anzahl der Kopfbälle widerspiegeln, die ein Spieler in einem Spiel erwarten könnte, hieß es.

Gelten sollen die neuen Leitlinien für die ersten vier Männer-Ligen und die Frauen Championship, aber auch im Amateur- und vor allem im Jugendbereich sollen zu hohe Belastungen im Kopfballbereich vermieden werden.

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Studie schockte England

Erst im vergangenen Jahr hatte der Verband das Kopfballtraining für Kinder im Grundschulalter verboten und für den gesamten Jugendbereich eine Empfehlung ausgesprochen, auf Kopfbälle so gut es geht zu verzichten. Der US-Fußballverband hat als erster weltweit sogar ein Kopfballverbot für Kinder unter elf Jahren eingeführt. Seit Jahrzehnten gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kopfbällen und Hirnschäden.

Besonders in England gibt es eine Debatte über die möglichen Langfristfolgen des Fußballs. Vergangenes Jahr machte die Frau von Sir Bobby Charlton öffentlich, dass ihr Mann an Demenz erkrankt sei - als bereits fünfter Weltmeister von 1966. Eine Studie der Universität Glasgow hatte 2019 ergeben, dass Ex-Profis ein erhöhtes Risiko haben, an Demenz oder Parkinson zu sterben. Auch wenn keine direkte Verbindung der Erkrankungen zu Kopfbällen erbracht werden konnte, entschieden sich die Verbände Englands, Schottlands und Nordirlands, Kopfbälle im Training von Kindern unter elf Jahren zu verbieten. (msc/dpa/sid)

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