Nach DFB-Beben um Oliver Bierhoff

Kommentar: Jetzt muss auch Hansi Flick gehen!

DFB-Hammer: Bierhoff löst Vertrag auf Nach WM-Schock
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ein Kommentar von Jan Luhrenberg

Dieses Beben beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte es in sich. Am späten Montagabend, noch vor der DFB-Krisensitzung nach dem blamablen WM-Aus, schied DFB-Direktor Oliver Bierhoff aus seinem Amt aus. Dennoch ändert dieser Umstand nichts an einer Tatsache: Dieser Schritt darf nicht der einzige bleiben. Auch Bundestrainer Hansi Flick muss seinen Hut nehmen.

Flick ist voller Vorfreude auf die Heim-EM

Zunächst drängt sich jetzt – nach dem zweiten WM-Vorrundenaus in Folge – natürlich der Eindruck auf, dass Bierhoff alle Schuld alleine auf sich geladen hat. Das wäre Flick zu wünschen, der direkt nach dem Scheitern in Katar zum Ausdruck gebracht hat, dass er als Bundestrainer weitermachen möchte und voller Vorfreude auf die Heim-EM im Jahr 2024 blickt. Doch dass der 57-Jährige überhaupt noch so lange im Amt bleibt, ist mehr als fraglich. Zu Recht.

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Flick muss sich noch in dieser Woche DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke stellen – und wohl alleine Rede und Antwort stehen. „Sehr, sehr schnell“ werde er das WM-Scheitern aufarbeiten, hatte Flick angekündigt, er sei „immer einer, der sehr kritisch ist“. Wenn die Aufarbeitung schonungslos verläuft, dann darf am Ende nur eine Entscheidung stehen: sein Aus als Bundestrainer. Das hat mehrere gute Gründe.

Der ideale Nachfolger steht schon parat

Zunächst zu den Tatsachen: Die Forderungen nach einer Ablösung des früheren Bayern-Titelsammlers halten sich in Grenzen. In Anbetracht der Heim-EM in eineinhalb Jahren wird Flick der Neustart zugetraut. Doch wieso eigentlich? Der (Noch-)Bundestrainer ist alles andere als frei von Schuld an der WM-Blamage – das sehen auch die Fans der Nationalmannschaft so. Schlechte Taktik, schlechter Kader, ergo auch schlechter Trainer. Rumms! Flick hat es nicht geschafft, seine Mannschaft so aufzustellen und zu motivieren, dass es in einer Gruppe mit Japan, Costa Rica und Spanien zum Weiterkommen reicht. Klar, die Leistung war nicht immer schlecht, aber am Ende steht sie dann doch: die Blamage. Und sie ist auch auf den Trainer zurückzuführen.

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Das sehen auch einige Experten so. Didi Hamann zum Beispiel. Nach dem WM-Gau der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Katar war der nicht immer unumstrittene Experte einer der ersten, der aus der Deckung kam und laut einen Rauswurf von Flick forderte. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir mit dem Trainer weitermachen können nach diesem Debakel“, sagte der frühere Nationalspieler – und trifft es damit auf den Punkt. Ein klarer Schnitt ist nach dem Bierhoff-Aus genau das, was der DFB braucht. Deshalb sollte die Heim-EM 2024 auch mit einem neuen Trainer angegangen werden.

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Und es mangelt nicht an Alternativen. Einer steht zum Beispiel sicher schon bereit: Thomas Tuchel. Nach seinem unfreiwilligen Abschied vom FC Chelsea, mit dem er 2021 die Champions League gewann, ist er immer noch ohne neuen Job. Dass er sich den Posten als Bundestrainer zutrauen würde, ist längst ein offenes Geheimnis. So war der 49-Jährige auch schon beim englischen Verband im Gespräch. Dort liefert Three Lions-Trainer Gareth Southgate momentan aber gute Arbeit. Also warum nicht zum DFB?

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Was spricht aktuell noch für Flick? Nicht viel!

Soweit sind wird aber noch nicht. Zunächst gilt es, die WM-Schmach sachlich zu analysieren und nichts auszuschließen. Der Erfolg der Mannschaft sollte endlich über allem stehen. Für den DFB gilt es daher auch, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Nach dem blamablen Scheitern beim Turnier in Russland vor vier Jahren hat sich der Verband noch vehement dagegen gesträubt, Ex-Bundestrainer Jogi Löw zu entlassen. Argumente hatte dieser aber eigentlich nicht mehr auf seiner Seite.

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Und was spricht aktuell noch für Flick? Nicht viel! Er kennt zwar viele Spieler aus gemeinsamen Zeiten beim FC Bayern München und gilt als Menschenfänger, doch seine Bilanz seit der sehr erfolgreichen WM-Qualifikation liest sich nicht mehr gut. Zwölf Spiele, nur vier Siege – dazu die peinliche Pleite gegen Ungarn in der Nations League (0:1). Doch Flick könnte noch dazulernen: Mit 19 Länderspielen hat er bislang die wenigsten Partien aller Bundestrainer erlebt. Bei einem Rücktritt ginge er somit mit trauriger Bilanz in die DFB-Historie ein. Doch darf man auf so etwas Rücksicht nehmen? Nein!