Jugendamt stellt saftige Rechnung

Ehepaar gibt adoptiertes Mädchen nach vier Wochen „zurück“

© Symbolbild/iStock

30. Oktober 2019 - 9:21 Uhr

Saftige Rechnung nach gescheiterter Adoption aus Thailand

Dass man Kinder nicht einfach "zurückgeben" kann, muss ein Ehepaar aus dem Raum Köln jetzt auf die harte Tour lernen. Nach der gescheiterten Adoption eines fünfjährigen Mädchens aus Thailand fordert das Jugendamt mehrere Tausend Euro von den Eheleuten. Deswegen hat das Ehepaar das Amt und die Stadt jetzt verklagt.

Nach vier Wochen wollen die Adoptiveltern nicht mehr

Sein größter Wunsch ist ein Kind. Also beschließt ein Kölner Ehepaar, ein Mädchen aus Thailand zu adoptieren. Dazu bittet das Paar auch das Jugendamt um Hilfe - schließlich bedeutet eine Auslandsadoption viel Aufwand. Das Paar lernt das Mädchen persönlich kennen, besucht es in einem Kinderheim in Thailand. Die Kleine soll in ein neues Leben starten, weit weg von ihrem Geburtsort. Das Paar holt die Fünfjährige schließlich zu sich nach Deutschland.

Nach zwei Wochen der Schock: Die Adoptiveltern wollen nicht mehr. Nach nur einem Monat ist der Traum von der neuen Familie in Deutschland für das kleine Mädchen geplatzt. Sie teilen dem Jugendamt mit, sich nicht in der Lage zu sehen, das Kind weiter zu pflegen. Es kommt zurück zum Amt, lebt jetzt in einer Wohneinrichtung. Der Grund laut Adoptiveltern: Die Fünfjährige habe Angst vor Fremden und Wutanfälle gehabt. Bei der Adoptionsbewerbung hatten die Eltern angegeben, dass sie sich einem Kind mit starken psychischen Problemen bzw. Missbrauchs-Erfahrung nicht gewachsen sähen

Das Jugendamt fordert sechs Jahre lang 100 Euro pro Tag - insgesamt 219.000 Euro

Das Jugendamt präsentiert den Adoptiveltern nach der "Rückgabe" des Mädchens eine saftige Rechnung: Das Ehepaar soll für die Unterbringung aufkommen – und zwar noch sechs Jahre lang. 100 Euro pro Tag. Insgesamt macht das 219.000 Euro. So viel will das Paar nicht zahlen und verklagt das Jugendamt und die Stadt. Das Kind hätte ihnen nicht vermittelt werden dürfen, behaupten die Eheleute, außerdem sei man nicht ausreichend über die Kosten aufgeklärt worden.

Voraussetzungen, Rechte & Co.: Alle Infos zur Adoption können Sie auch hier nachlesen.

Klage der Adoptiveltern bereits zweimal gescheitert

Oberlandesgericht Köln
Das Paar ist jetzt auch in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht in Köln gescheitert.
© deutsche presse agentur

Doch die Klage ist bereits in zweiter Instanz gescheitert. Nach dem Landgericht Köln hat auch das Oberlandesgericht die Klage jetzt abgewiesen. Denn die Adoptiveltern hätten nach Ansicht der Gerichte wissen müssen, worauf sie sich einlassen. Zwar habe sich aus dem Adoptionsbericht ergeben, dass der Vater des Kindes drogenabhängig gewesen sei. Insgesamt sei aber die soziale und emotionale Entwicklung des Kindes als positiv dargestellt worden. Von psychischen Problemen könne bei Angst einer Fünfjährigen vor Fremden keine Rede sein. Das Paar habe das Mädchen in Thailand kennengelernt und sich selbst ein Bild machen können. Dass das Kind bei Wutanfällen spucke, trete, beiße und schreie, habe das Paar sogar selbst dem Jugendamt berichtet.

Fall wird jetzt vom Bundesgerichtshof geprüft

Und auch von den Kosten soll das Ehepaar vorher gewusst haben. Denn laut Jugendamt gab es vor der Adoption eine "Bereiterklärung zur Adoption" ab. Daraus gehe deutlich hervor, dass die Adoptiveltern die Kosten für den Lebensunterhalt zu tragen haben – und zwar mindestens sechs Jahre lang. Die Adoptiveltern behaupten jedoch, die Eingewöhnungszeit ("Adoptionspflegezeit") als Probezeit verstanden zu haben. In dieser Zeit, je nach Bundesland unterschiedlich lang ausfällt, ist das Kind noch nicht vollständig adoptiert, sondern erst mal zur Pflege in einer Familie. Es soll festgestellt werden, ob die Familie zum Wohl des Kindes beiträgt und ob sich ein Eltern-Kind-Verhältnis aufbaut. Meist beträgt diese Zeit jedoch mindestens ein Jahr. Die Adoptiveltern im Fall aus Köln seien von einer Kostenübernahme für maximal sechs Monate ausgegangen.

Doch Kinder kann man nicht einfach "zurückgeben". Das Mädchen nach Thailand zurückzubringen ist laut Gericht das letzte Mittel. Der Fall soll jetzt vom Bundesgerichtshof geprüft werden.