Weil Jasmina Kuhnke gegen Rassismus kämpft

Rassisten veröffentlichen ihre Adresse: Comedy-Autorin flieht mit ihren Kindern aus Wohnung

Jasmina Kuhnke kämpft gegen Rassismus und Morddrohungen.
Jasmina Kuhnke kämpft gegen Rassismus und Morddrohungen.
© betterplace.org

12. April 2021 - 11:48 Uhr

Stand-Upperin zog "fluchtartig" um

Sie wollte ein Zeichen gegen Rassismus setzten und erntete dafür Hass. Comedy-Autorin und Kolumnistin Jasmina Kuhnke setzt sich für ein friedliches Miteinander, unabhängig der Herkunft der Menschen ein. Doch das scheint manchen nicht zu passen. Die junge Frau bekommt mittlerweile Morddrohungen, musste "fluchtartig umziehen" und für die Schutzmaßnahmen auch noch 50.000 Euro zahlen.

Jasmina Kuhnkes Wohnort in Köln wurde veröffentlicht

Eigentlich engagiert sich Stand-Upperin Jasmina Kuhnke für eine gute Sache: Gegen Rassismus, für mehr Respekt. Die 39-Jährige ist laut der Homepage ihrer Agentur "serbokroatische Afrodeutsche" und kommt aus Hagen. Die Künstlerin hat vier Kinder und tritt deshalb unter dem Namen "Quattromilf" auf. Bisher lebte sie mit ihrer Familie in Köln.

Doch laut der Fundraising-Seite "betterplace.org" ist das unbeschwerte Leben offenbar vorbei. Die Amadeu Antonio Stiftung ruft auf der Plattform nämlich zum Spenden für die Aktivistin auf. Der Hintergrund: Jasmina Kuhnke wurde offenbar Opfer rassistischer Angriffe und verlor infolgedessen 50.000 Euro.

Panik, dass Rassisten vor der Tür stehen...

"Ein Netzwerk aus Rassist*innen hat meine Adresse veröffentlicht und dazu aufgerufen, 'Jasmina zu massakrieren'", schreibt die Künstlerin auf der Fundraising-Seite. In einem Beitrag des WDR-Magazins "Monitor" beschreibt sie den schrecklichen Nachmittag genauer. Alles ging offenbar los, als ein Unbekannter ein Video im Internet veröffentlichte, das dazu aufrief, Jasmina zu töten. Dann sei ihre Adresse eingeblendet worden. Am Abend habe der Terror dann begonnen.

Es habe etliche Pizzalieferungen gegeben, die Kuhnke nie bestellt habe. Sie und ihre Kinder seien in Panik gewesen, dass gewaltbereite Rassisten vor der Tür stehen könnten. "Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft es an der Tür geklingelt hat", sagt sie. "Wir haben die Rollläden runtergelassen, haben versucht, irgendwie ruhig zu bleiben, Hilfe zu bekommen." Angeblich habe die Polizei aber nicht reagiert. Auf "Monitor"-Anfrage soll die Polizei gesagt haben, sie wolle sich nicht zu dem Vorfall äußern. Ermittlungen zu dem Video seien eingeleitet worden.

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Doppelte Mietkosten, Kaution und Anwälte

Die vierfache Mutter nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und zieht um. In dem offenen Brief der Amadeu Antonio Stiftung schreibt Jasmina Kuhnke: "Um meine sechsköpfige Familie vor den angekündigten Attentaten zu schützen, mussten wir unser Zuhause fluchtartig verlassen. Freundeskreise und liebgewonnene Menschen blieben zurück."

Sie und ihre Familie hätten übergangsweise in einem Hotel wohnen müssen, heißt es. Außerdem habe sie doppelte Mietkosten tragen, Kaution zahlen und eine neue Küche kaufen müssen. Auch die Kosten für ihre Sicherheit haben sie tragen müssen. "Wir sind nach all dem an unseren organisatorischen und finanziellen Grenzen", schreibt Kuhnke. Auch die Anwälte, die sich darum kümmern würden, Polizeischutz für sie zu erstreiten, müsse sie bezahlen. Insgesamt seien so 50.000 Euro zusammen gekommen.

Fundraising-Ziel für Jasmina wurde erreicht

Die gute Nachricht: Laut der Stiftung soll das Fundraising-Ziel für Jasmina Kuhnke erreicht worden sein. Bedeutet: Die Mutter bleibt wohl nicht auf den horrenden Ausgaben für ihre Sicherheit sitzen. Außerdem wolle die Amadeu Antonia Stiftung ihren so genannten "Shero Fund" auch weiterhin bestehen lassen, um andere Frauen in Schwierigkeiten zu unterstützen.