Es geht um mehr als eine Million Euro

Geld war eigentlich für Missbrauchsopfer: Katholische Kirche zahlt Spielschulden von Priester

Und schon wieder fällt der Name von Kardinal Woelki.
Und schon wieder fällt der Name von Kardinal Woelki.
© dpa, Henning Kaiser, hka tba tag wst

16. April 2022 - 13:40 Uhr

Grundgütiger Gott! Die katholische Kirche in Köln hat Geld aus einem Fonds für Missbrauchsopfer genommen – und damit die Spielschulden eines Priesters bezahlt! Am Ende blechte die Kirche mehr als eine Million (!) Euro. Der nächste Skandal im Kölner Erzbistum von Kardinal Woelki.

Kirche begleicht die Schulden und vergisst einen ganz wichtigen Teil

14.04.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" protestiert mit Bannern und Plakaten vor dem Kölner Dom gegen die Rückkehr des Kardinals Woelki. Foto: Thomas Banneyer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Reformbewegung protestiert vor dem Kölner Dom: Demonstranten fordern den Rücktritt von Kardinal Woelki.
© dpa, Thomas Banneyer, tb exa

Der Priester habe knapp 500.000 Euro Schulden gehabt, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Erzbistums. Die Schulden habe das Erzbistum in mehreren Tranchen beglichen, um dem Geistlichen in seiner akuten Notlage zu helfen, so der Sprecher. Doch dann kam noch mal mehr als das Doppelte drauf!

Nach intensiven steuerrechtlichen Überprüfungen sei man nämlich zu der Erkenntnis gekommen, dass die Zuwendungen an den Priester steuerpflichtig seien. Die nachträgliche Versteuerung samt Zinsen habe das Erzbistum dann nochmal knapp 650.000 Euro gekostet – also insgesamt 1,15 Millionen Euro.

Die Mittel seien zum Teil aus einem Sondervermögen entnommen worden, aus dem auch die Zahlungen an Opfer von sexuellem Missbrauch geleistet werden. Die Lohnsteuerbegleichung plus Zinsen sei hingegen aus dem Personalkostenbudget des Erzbistums bezahlt worden, sagte der Sprecher.

"Erschreckende Unkenntnis"

In die Verwendung der Mittel aus dem Sondervermögen waren die Aufsichts- und Kontrollgremien des Erzbistums nicht eingebunden. Dies sei aber auch nicht nötig gewesen, betonte der Sprecher. Das Erzbistum habe darüber in diesem Fall selbst verfügen können.

Dem widerspricht der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. "Die Auskunft des Erzbistums zeigt eine erschreckende Unkenntnis oder Ignoranz der einschlägigen vermögensrechtlichen Bestimmungen", sagte Schüller dem "Kölner Stadt-Anzeiger". (dpa /kwa/ rsa)