Kann man das Knie gesund spritzen?

Knieschmerzen: Spritzen und Spiegelungen sind oft wirkungslos!

20. Mai 2020 - 12:31 Uhr

Knieschmerzen: Nutzen der Behandlung nur gering

Schmerzen im Knie sind weit verbreitet: Vor allem Menschen ab 60 leiden häufig an Knie-Problemen. Arthrose (Gelenkverschleiß) nennt sich der Befund. Wer mit Knieschmerzen zum Arzt geht, erhofft sich rasche Heilung oder zumindest Linderung. Für die Ärzte ist das ein gutes Geschäft, denn viele beliebte Behandlungsformen sind teuer. Oft müssen sie sogar vom Patienten selbst bezahlt werden. Ob die Spritzen und Eingriffe ihren Preis wert sind und welche Alternativen es gibt, zeigen wir im Video.

Knie-Spritzen: Wirkung oft von kurzer Dauer

Eine Studie offenbart: Knie-OPs sind nicht immer wirksam.
Chronische Knieschmerzen beeinträchtigen viele Deutsche über 60. Spritzen und Spiegelungen schaden da mehr als sie nützen
© praisaeng - Fotolia, Praisaeng

Für die Patienten sind teure Knie-Behandlungen oft ein Minusgeschäft, denn viele Eingriffe helfen nicht. Im Gegenteil: Sie verschlimmern die Probleme. Das hat eine wissenschaftliche Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung ergeben. "Spritzen und Spiegelungen sind auf längere Sicht häufig wirkungslos. … die damit verbundenen Risiken (werden) ausgeblendet", so fasst Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Zentrums, das die Studie durchführte, die Ergebnisse zusammen.

Insbesondere die beliebten Hyaluron- oder Kortikoid-Injektionen helfen nicht immer, und wenn, dann nur kurz: Nach vier Wochen sind die Wirkungen verpufft, so das Studien-Ergebnis. Ausgeblendet bleiben oft die möglichen Nebenwirkungen. Schwellungen und Gelenkentzündungen als Folge der Injektionen können die Schmerzen im Knie sogar deutlich verschlimmern. Für Kortikoid-Injektionen besteht sogar der Verdacht, dass sie Gelenkknorpel abbauen könnten.

Schmerzen am Knie: Teure Behandlungen verschlimmern das Problem

Auch die Gelenkspiegelung (Arthroskopie) bringt nichts: "Viele Patienten können im Vergleich zu Nicht-Operierten weder besser gehen, noch haben ihre Schmerzen nachgelassen", führt die Bertelsmann-Studie aus. Untersuchungen ergaben, dass genauso viele Arthroskopie-Patienten über eine subjektive Besserung der Beschwerden berichteten wie Patienten, die nur eine Placebo-Operation erhalten hatten. Bei letzterer Gruppe machten Ärzte nur einen oberflächlichen Hautschnitt, ließen die Patienten aber im Glauben, sie hätten eine Arthroskopie gehabt.

Bei einem Funktionstest zwei Jahre nach dem Eingriff, in dem es darum ging, möglichst schnell 30 Meter plus ein paar Treppenstufen hinauf und herunter zu gehen, war die Gruppe der Placebo-Patienten sogar deutlich besser als die Gruppe der Arthroskopie-Operierten.

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Spritzen gegen Knieschmerzen: Notwendig oder nur teuer?

Schockierend sind auch die Ergebnisse, die die Forscher erhielten, indem sie die Arthroskopie-Behandlungen nach Landkreisen aufschlüsselten: In der armen Stadt Brandenburg gab es altersbereinigt pro 100.000 Einwohner im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2011 genau 14 Arthroskopien, im reichen Peine waren es 894: Ein Unterschied um den Faktor 60! Das macht deutlich, dass die Arthroskopie weniger ein medizinischer Eingriff, als ein Griff in die Geldbörse ist.

Knieschmerzen behandeln: Welche Alternativen gibt es zu Spritzen?

Was Knie-Patienten statt Spritzen und Spiegelungen tun sollten, benennt die Studie ebenfalls: Vor allem sollte das Gewicht reduziert werden, das die Knie tragen müssen. Die Patienten müssen abnehmen. Außerdem raten die Wissenschaftler zu Physio-, Ergo- und physikalischer Therapie. Diese Übungen vom Profi können beispielsweise bei Schulter- und Knieschmerzen helfen. Alles rund um die Wirkung von Spritzen bei Knieschmerzen und wie Sie die Belastung des Knies reduzieren können, erfahren Sie oben im Video.