Tipps fürs nachhaltige Gärtnern

So gestalten Sie Ihren Garten klimafreundlich

Immer mehr Menschen entdecken ihre Lust aufs Gärtnern.
Immer mehr Menschen entdecken ihre Lust aufs Gärtnern.
© Getty Images, AleksandarNakic

09. Oktober 2021 - 9:28 Uhr

Klimaschutz im Garten: Klimafreundliches Pflanzen wird wichtiger

Gemüse und Obst selbst anbauen, ein eigenes Blumenbeet anpflanzen oder einfach die natürliche Idylle genießen. Immer mehr Menschen entdecken ihre Lust aufs Gärtnern. Doch da spielt nicht nur die eigene Entfaltung im Beet eine Rolle, sondern auch das klimafreundliche Pflanzen wird wichtiger. Wie das erfolgreich auf dem eigenen Balkon oder im Garten funktionieren und was Hobbygärtner:innen dabei beachten sollten, erklären Naturschutz- und Gartenexperten.

Heimische Pflanzen reagieren besser auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen

Der bewusste Umgang mit Wasser und dem Boden spielt beim klimafreundlichen Gärtnern eine besonders wichtige Rolle.
Der bewusste Umgang mit Wasser und Boden ist beim klimafreundlichen Gärtnern wichtig.
© Franz Peter Rudolf - Fotolia, Franz Peter Rudolf

Ob Sommer, die immer heißer werden, oder Wintermonate, die von ihren Temperaturschwankungen immer unberechenbarer werden – die Folgen des Klimawandels sind nicht nur in der Natur erkennbar, sondern auch an den Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon. Wer also jetzt damit starten will, seinen Grünen Daumen klimafreundlich zu betätigen, der solle beim Gärtnern auf den bewussten Umgang mit Wasser, Boden und der Vielfalt an Pflanzen und Tieren achten, erklärt Eva Foos vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

"Klimafreundliches Gärtnern beinhaltet zwei Aspekte, und zwar sich auf die klimatischen Veränderungen einzustellen und den Klimaschutz im Blick zu behalten." Angefangen bei der Bodenpflege sei es da besonders wichtig, den Boden ganzjährig bedeckt zu halten, "sei es durch Bepflanzung oder Mulch, und ihn so vor Wasser- und Winderosion zu schützen. Der Aufbau einer stabilen Bodenstruktur hilft, Wasser gut speichern zu können", sagt Foos.

Natürlich düngen mit Kompost

Kompost
Wer Kompost in seinem Garten angelegt hat, sollte diesen zum Jahreswechsel umheben. Foto: Nestor Bachmann
© deutsche presse agentur

Klimafreundlich bedeute auch Treibhausgase zu reduzieren, erzählt Foos. "Hier spielt vor allem der Verzicht auf torfhaltige Gartenerde eine große Bedeutung. Setzen Sie stattdessen auf Komposterde. Grundsätzlich ist die Herstellung weitgehend geschlossener Stoffkreisläufe (Kompostierung, Mulchen) ressourcenschonend und somit klimafreundlich." Auch ein Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel (Mineraldünger) sowie Pflanzenschutzmittel trage zum Klimaschutz bei.

Optimal sei Kompost. Hier schließe sich der Kreislauf im Garten und die entnommenen Nährstoffe würden dem Garten wieder zugefügt. Zudem müsse kein Dünger gekauft werden. Auch Jauchen und Brühen könnten als Dünger eingesetzt werden, so Marja Rottleb vom Naturschutzbund Deutschland im RTL-Interview. Auch Hornspäne, Gesteinsmehl oder Kräuterextrakte im Garten seien oft besser geeignet als sogenannte Kunstdünger.

RTL NEWS empfiehlt

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Heimische Pflanzen besser an Standort angepasst

Nachhaltig Gärtnern ist gut für die Umwelt.
Geben Sie einheimische Pflanzen den Vorzug.
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Schon beim Kauf der Pflanzen für den Garten ist auf Standort und Klima zu achten, erklären die Gartenexperten. "Pflanzenarten reagieren unterschiedlich auf Klimaveränderungen. Heimische Arten sind besser an den Standort angepasst und reagieren so gelassener auf Veränderungen wie Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Werden die Pflanzen gepflanzt, wenn sie noch klein sind, passen sie sich optimal an den Standort an", erklärt Marja Rottleb. Neben der Widerstandsfähigkeit regionaler Pflanzen spielen auch die geringeren Transportwege eine Rolle in der Ökobilanz des eigenen Gartens, so der Naturschutzbund.

"Mulch muss nicht zugekauft werden. Man verwendet einfach die anfallenden Materialien aus dem Garten, wie Häcksel und Grasschnitt (nur dünn auftragen). Das spart Ressourcen und Geld", rät der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

Wasser speichern und Bäume pflanzen

Dachwasser zu speichern, kann bei der klimaneutralen Bewässerung des Gartens helfen.
Pflanzen sollten nicht jeden Tag ein bisschen, sondern lieber alle paar Tage mit viel Wasser gegossen werden.
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Zur klimafreundlichen Gestaltung des Gartens rät der Naturschutzbund Deutschland zum bewussten Einsatz von Wasser und zur klimagerechten Ausrichtung des Gartens:

  • Ein etwas hügelig modellierter Gartenboden hält Feuchtigkeit besser und trocknet somit nicht so schnell aus.
  • In Senken sammelt sich Wasser und so können dort Pflanzen mit höheren Feuchtigkeitsbedarf besser überleben.
  • Eine Hecke an der nordöstlichen Seite des Gartens hält Wind ab und die Pflanzen trocknen nicht so schnell aus. Zudem ist diese für Vögel sehr gut.
  • Wer möchte, kann einen Teich anlegen. Viele Tiere brauchen im Sommer Wasser. Zudem wirkt Wasser ausgleichend auf die Umgebungstemperatur - im Winter, aber auch im Sommer und es erhöht die Luftfeuchte.
  • Regenwasser sammeln oder direkt im Garten versickern lassen. So spart man Wasser und Geld.
  • Pflanzen nicht jeden Tag ein bisschen, sondern lieber alle paar Tage mit viel Wasser gießen, so "erzieht" man sie, selbst auf die Suche nach Wasser zu gehen und die Wurzel wachsen tiefer in den Boden.
  • Wer im Garten auch sonst mal eine Ecke wachsen lässt, schafft dort Rückzugsräume für Tier und Mensch.
  • Schattenspender Nummer eins sind Bäume. Diese sollten in keinem Garten fehlen.

„Nichts, was im Garten an organischem Material anfällt ist Müll"

Recycling und eine klimafreundliche Gestaltung des Gartens sind wichtige Aspekte beim Gärtnern.
Gerade mit Blick auf den Klimawandel und die klimafreundliche Gestaltung des Gartens ist es wichtig Recycling im Blick zu haben.
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Auch bei der Pflege sei weniger mehr, vor allem im Sommer, erklärt Marja Rottleb vom Naturschutzbund. "Je mehr stehen bleiben darf, desto weniger kann die Sonne die darunter liegenden Pflanzen und den Boden austrocknen und verbrennen." Auch beim Gießen sollte mit Augenmaß gehandelt werden. Laut der Gartenexpertin geschehe das am besten abends und zielgerichtet. "Bewässerungssysteme können auch helfen Wasser zu sparen. Beim Gießen sollten Prioritäten gesetzt werden, nicht alle Pflanzen werden auf Dauer die Trockenheit überleben können und müssten wahrscheinlich irgendwann durch hitzetolerante Arten ersetzt werden."

Gerade mit Blick auf den Klimawandel und die klimafreundliche Gestaltung des Gartens sei es wichtig in Kreisläufen zu denken und Recycling im Blick zu haben, rät Eva Foos vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. "Nichts, was im Garten an organischem Material anfällt ist Müll. Sie können aus Ästen Totholzhecken anlegen, Häcksel und Grasschnitt können als Mulch dienen, manch hohler Halm in einem Insektenhotel zur Bienenkinderstube werden."

In diesem Sinne kann jede und jeder seine Grünfläche oder auch den Balkon klimafreundlich umrüsten, ohne dabei viel auszugeben, aber einen Mehrwert auch fürs Klima zu leisten. (lmwe)