2018 M12 20 - 8:57 Uhr

Löst diese App das Kita-Problem?

Endlich! Die erlösende Nachricht im Briefkasten: Glückwunsch, ihr Kind hat einen Kita-Platz. Doch dann die Ernüchterung: leider ist der einige Kilometer von Zuhause entfernt. Nach monate- oder sogar jahrelanger Wartezeit bedeutet das für Eltern oft: in den sauren Apfel zu beißen und das Kind jeden Tag hin und zurückzubringen.

So geht es auch Anna Schröder aus Berlin, die jeden Morgen eine halbe Stunde hin und wieder zurück radelt, um ihre kleine Tochter in die Kita zu bringen. Und nachmittags dann nochmal, um ihr Kind abzuholen. Eines Tages kommt ihr auf dem Weg die Idee: Wie wäre es, wenn es eine deutschlandweite Kita-Tausch-App gäbe? Toll wäre das. Und deswegen sucht Anna jetzt Menschen, die ihre Idee finanziell unterstützen.

Warum nicht einfach den Kita-Platz tauschen?

Anna Schröder mit ihrer kleinen Tochter.
Die Kita-Tausch-App ist für Anna Schröder aus der Not geboren: Sie ist jeden Tag insgesamt zwei Stunden unterwegs, um ihre Tochter in die Kita zu bringen.
© Anna Schröder

Jeden Morgen fährt App-Erfinderin Anna eine halbe Stunde bei Wind und Wetter durch Berlin - hinten auf dem Fahrrad im Kindersitz ihre kleine Tochter. Irgendwann wundert sie sich über eine andere Mutter. Die kommt ihr jeden Tag entgegen, bei Regen oder Sonne. Die fremde Frau ist mit ihrem Kind offensichtlich immer genau in die andere Richtung unterwegs.

Was wäre, wenn die Kita ihres Kindes viel näher läge? Und unsere für sie viel praktischer wäre? Diese Fragen sind der Startschuss für Annas Idee: Eine Kita-Tausch-App, die deutschlandweit funktioniert und die es Eltern erlauben würde, näher gelegene Plätze für ihre Kinder zu finden.

Eltern bekommen meist nur in Glücksfällen einen Platz in der Nähe ihres Zuhauses zugewiesen. Allen anderen bleibt nur eine lange Anfahrt mit Fahrrad, Bus oder Auto.

Wie soll die App funktionieren?

Die Kita-Tausch-App funktioniert ganz einfach: Familien geben den Standort ihres Kita-Platzes an und können dann mit anderen Familien in Kontakt treten, die einen Platz haben, der näher an ihrem Zuhause liegt. Das erklärt Anna auch noch mal im Video.

Datenschutz wird übrigens groß geschrieben: In der App werden nur der Familienname und die Adresse der Kindertagesstätte erscheinen. Weitere private Daten werden für den Algorithmus zwar abgefragt, aber nicht angezeigt.

Viele Eltern seien zunächst einmal besorgt, erzählt Anna, ob sie ihren langersehnten Platz mit einer Tausch-Anfrage aufs Spiel setzen sollen. Denn natürlich müssten die Kindergärten einem Tausch zustimmen. "Das Tauschen liegt immer im Ermessen der Kita", sagt die App-Entwicklerin. "Aber die Kitas sind ja auch an glücklichen Eltern interessiert und bisher ist die Rückmeldung sehr positiv."

Ex-Familienministerin Kristina Schröder ist Schirmherrin

Die Situation auf dem Kita-Markt ist angespannt. Trotz mehr Geld vom Staat mangelt es an allen Ecken: Bundesweit fehlen 200.000 Erzieher und auch die Zahl der Einrichtungen ist vor allem in Ballungsgebieten lange nicht ausreichend.

Das ist für gestresste Erzieher, verzweifelte Eltern und nicht zuletzt unterversorgte Kinder ein riesiges Problem. Annas App würde zumindest viele Eltern deutlich glücklicher machen. Und sie betont: "Die App ist nur ein Angebot für Eltern. Sie vermittelt, aber den Schritt den Platz tatsächlich zu tauschen, müssen die Familien selbst gehen."

Der Berliner Kita-Träger "Kleiner Fratz GmbH" mit seinen 19 Standorten hat als Unterstützer bereits grünes Licht signalisiert. Auch die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder steht als Schirmherrin zur Seite, weil sie das Potenzial der Idee sieht.

So geht es weiter - Annas Idee braucht Unterstützer

Bislang gibt es die App nur auf dem Papier. Die etwa 65.000 Euro, die für die Programmierung der App nötig sind, sollen zunächst durch eine Crowdfunding-Kampagne zusammenkommen.

Sobald die Finanzierung steht, wird es etwa sechs Monate dauern, bis das fertige Produkt auf dem Markt ist. Dann müssten Eltern vielleicht nicht mehr wie irre hin und her hetzen. Bei Wind und Wetter. Bei Sonne und Regen. Die App könnte eine echte Entlastung für Eltern werden.