„Es gibt keine Kinderlebensmittel!“

Kinderärzte warnen vor Süßigkeiten-Werbung

© This image is Copyright of Dean Hindmarch (This image is Copyright of Dean Hindmarch (Photographer) - [None], Dean Hindmarch

30. Oktober 2019 - 15:14 Uhr

Werbung fördert Fettleibigkeit und Krankheiten

Nur weil Kekse und Schokolade in süße Tierformen gepresst sind, heißt das noch nicht, dass sie geeignet für Kinder sind. Gleichzeitig werden Kinder immer fettleibiger. "Es gibt keine Kinderlebensmittel", sagt Thomas Fischbach des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und will Eltern und die Politik aufrütteln, Kindern aus der Fett-Falle zu helfen. Dabei soll ein umfangreiches Werbeverbot der "verantwortungslosen" Lebensmittel.

Kinder brauchen keine speziellen Lebensmittel

Bereits nach dem ersten Lebensjahr können Kinder so gut wie alles essen, was auch bei Erwachsenen täglich auf dem Speiseplan steht. "Trotzdem erwecken Lebensmittelkonzerne mit Dinosaurier-Bildern oder strahlenden Jungen und Mädchen auf der Verpackung den Eindruck, es gäbe Lebensmittel für Kinder. Als wären Milchschnitte oder Kinderschokolade gesund und ein sinnvoller Bestandteil des Nahrungsmittelkataloges. Das ist verantwortungslos und muss gestoppt werden!", sagte Fischbach der "NOZ".

Indem Lebensmittel in süße Tierformen gepresst werden, schafft die Industrie einen speziellen Anreiz für Eltern, diese Produkte zu kaufen. Form und Inhalt haben oft aber wenig miteinander zu tun. Und nur weil Kinder die Zielgruppe der Werbung sind, heißt das nicht, dass sie die oft stark gezuckert Produkte auch essen sollten.

So hat auch Ökotest fast alle untersuchten Produkte in einem Test über Babykekse durchfallen lassen, da kaum eins der Produkte ohne zugesetzten Zucker auskam.

Falsche Ernährung legt Grundstein für spätere Krankheiten

Bereits kleine Kinder sollten laut des BVKJ-Präsidenten an einen gesunden Lebensstil herangeführt werden. Denn wer im Kindesalter fettleibig ist, ebnet den Weg für zahlreiche Krankheiten und gesundheitliche Probleme im Erwachsenenalter. Die "grassierende Fettsucht" habe laut Fischbach "dramatische" Folgen für die Betroffenen und auch das Gesundheitssystem.

"Ein Eingreifen ist umso wichtiger, als dass Geschmacksvorlieben im frühkindlichen Alter geprägt werden", erklärte er. Die Strategie der Bundesregierung für zucker- und fettreduzierte Rezepturen in Fertigprodukten für Kinder, als auch für Erwachsene, sei "viel zu schwach", sagte Fischbach: "Die Folge der politischen Verzagtheit sind immer mehr übergewichtige und kranke junge und ältere Menschen."

Auch die Stiftung Warentest hat alle untersuchten Produkte in einem Test über Babykekse durchfallen lassen, da keines der Produkte ohne zugesetzten Zucker auskam.