Kaiserschnittnarbe gerissen

Mutter und ungeborenes Baby schweben in Lebensgefahr 

07. September 2020 - 10:26 Uhr

Diagnose: Kaiserschnittnarbe gerissen

Anne McNally (36) hat Angst um das Leben ihres ungeborenen Babys. Mitten in ihrer Schwangerschaft stellten die Ärzte fest, dass sich die innere Narbe von dem Notfallkaiserschnitt ihrer vier Jahre alten Zwillinge geöffnet hat. Besonders tragisch: Reißt die Narbe weiter auf, ringt nicht nur das ungeborene Baby um sein Leben, sondern auch sie selbst.

Aus Freude wurde Kummer

Als Anne aus Liverpool (England) im Februar von ihrer fünften Schwangerschaft erfuhr, war die Freude riesig. Doch nur wenige Monate später endete die Freude in großer Sorge. Wir haben mit ihr ein ein exklusives Interview geführt und erfahren, wie es ihr nach dieser Diagnose erging: "Es war ein riesiger Schock. Ich hatte auch nicht geplant gehabt noch einmal Schwanger zu werden. Ich hatte schon 3 Kaiserschnitte und dann soll man eh keinen mehr haben. In der 5. Woche dann hatte ich Blutungen, deshalb bin ich eigentlich zum Arzt gegangen. Beim Ultraschall fanden sie dann heraus, dass die Narbe gerissen ist."

Baby kann in den Magen rutschen

Laut Annes Ärzten steht fest: Sie wird bei einem Kaiserschnitt sehr stark bluten und deshalb stehen dann auch direkt Bluttranfusionen für sie bereit. Das Schlimmste, was laut ihren Ärzten passieren könnte, wäre, wenn die Narbe ganz aufgeht und dann das Baby in ihren Magen rutscht. Das würde weder sie, noch ihr ungeborenes Kind überleben. Prof. Dr. Wolfgang Henrich hält diese Aussage für vollkommenen Unsinn. Das Kind kann laut Henrich lediglich in die Bauchhöhle geraten, wenn eine Gebärmutter vollständig aufreisst.

Prof. Dr. Henrich: "Ich würde solch eine Risikopatientin stationär überwachen"

Obwohl sich die 36-Jährige und ihr ungeborenes Baby Tag für Tag in Lebensgefahr befinden, wurden die beiden nicht stationär im Krankenhaus aufgenommen. Die Ärzte sagen zu ihr, sie soll die Füße still halten. Der Leiter der Geburtsklinik Charité, Prof. Dr. Wolfgang Henrich ist skeptisch: "Damit die Narbe nicht weiter aufgeht, soll Anne jetzt zu Hause so wenig wie möglich machen und sich so viel wie möglich schonen. Doch sich schonen ist schwierig, denn sie hat ja vier Kinder zu Hause." Prof. Dr. Henrich würde die 36-Jährige sofort stationär überwachen: "Ich persönlich würde, in Berlin, in der Charité, eine derartige Risikopatientin stationär und nicht ambulant führen." Er fügt hinzu, dass jederzeit Fruchtwasser in die Bauchhöhle austreten könnte und das wäre dann für beide sehr kritisch bis lebensgefährlich.

Anne McNally: Seltener Fall

Prof. Dr. Henrich beobachtet sehr häufig Narben, welche manchmal nur 1-2 mm dünn sind. Dieser Bereich kann unter Belastung, zum Beispiel während einer Geburt mit kräftigen Wehen, aufreißen. Aber das Risiko, dass das passiert, liegt nur bei 0,5 % – 1 %. Dass sich aber während der Schwangerschaft schon die Narbe öffnet, ist auch für Prof. Dr. Henrich eine Rarität. Somit sagt der Experte, das was Anne McNally erlebt, passiert extrem selten. In 75% ist es möglich, ein Baby zu bekommen wenn man schon einen Kaiserschnitt hatte.

Lösung: Erneuter Kaiserschnitt

Laut Henrich, gibt es nur eine Lösung – und das ist ein erneuter Kaiserschnitt: "Um das Problem zu beheben, muss man erneut einen Kaiserschnitt machen, da gibt es gar keine Frage. Die Kunst ist es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, ohne die Mutter zu gefährden und dabei auch noch ein Kind zur Welt zu bringen, was möglichst reif ist und keine Frühgeburt mehr ist, also nach 37 vollendeten Schwangerschaftswochen. Wenn bis dahin alles ruhig ist, wird man das Problem dann per Kaiserschnitt lösen."

Probleme bei einer Folgeschwangerschaft

Bei einem gewöhnlichen Kaiserschnitt öffnet sich der Muskel der Gebärmutter, um die Kinder auf die Welt zu bekommen. In diesem Bereich, wo die Gebärmutter eröffnet wird, wird aus dem ursprünglichen Muskelgewebe zum Teil Narbengewebe. Dieses Narbengewebe ist empfindlicher bei Folge-Schwangerschaften und kann somit dann zu Problemen führen. Laut Prof. Dr. Henrich gibt es zwei Hauptprobleme einer Folgeschwangerschaft:

  1. "Das erste Problem ist, dass sich ausgerechnet in diesem Narbenbereich der nächste Mutterkuchen einpflanzt, sogenannte Narbenschwangerschaften entstehen. Das ist relativ selten, aber sehr bedrohlich."
  2. "Das zweite Problem von diesen Narben ist, dass wenn die Frau nach einem Kaiserschnitt bei einer Folgeschwangerschaft das Kind auf natürlichen Wege gebären will, dass dieser Narbenbereich sich aufdehnen kann, eine Lücke auftreten kann oder im ungünstigsten Fall sogar unter der Geburt aufreißen kann."

Kann man etwas zur Vorbeugung machen, damit sowas nicht passiert?

Allgemein kann man als Schwangere nicht viel machen. Die Hautnarbe kann zwar gepflegt werden aber das hat nichts mit dem Risiko zu tun, dass die Gebärmutternarbe reißen kann, da die Narbe in der Tiefe des Bauches liegt und die Frau dorthin hat keinen Zugang hat. Die Qualität der Narbe hängt insgesamt von der Wundheilung ab und diese wird laut Prof. Dr. Henrich durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Hierzu gehören eine gute Nahttechnik des Operateurs und das Vorbeugen vor Infektionen, z.B. durch eine Antibiotikagabe während des Kaiserschnitts. Der Experte empfiehlt der operierten Mutter: Vor allen Dingen Nicht Rauchen und eine gute Zuckereinstellung, falls ein Diabetes besteht.