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Kaiserschnitt-Baby erleidet 10 Knochenbrüche bei Geburt - Eltern wollen klagen

"Ich will Gerechtigkeit für mein Kind!"

Nach Kaiserschnitt: Baby hat 10 (!) Knochenbrüche - Eltern wollen klagen

Melanie Horvath mit Töchterchen Magdalena
Melanie Horvath mit Töchterchen Magdalena
Melanie Horvath

Dramatische Geburt mit Folgen

von Petra Schaffarzik und Kyrill Ring

Es war ein komplizierter Kaiserschnitt, den das Ärzteteam im österreichischen Klinikum Korneuburg bei Wien durchführen musste. Die kleine Magdalena erlitt dabei wohl multiple Knochenbrüche. Ihre Eltern sind erschüttert. Nicht nur von den Verletzungen ihrer kleinen Tochter – auch vom Umgang der Klinik mit den schwerwiegenden Folgen dieser dramatischen Geburt.

Vorzeitiger Blasensprung

Geplant war die Kaiserschnitt-Geburt der kleinen Magdalena für den 10. November 2020. Mutter Melanie hatte bereits zwei ihrer jetzt fünf Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Doch dieses Mal sollte es für die leidenschaftliche Mutter viel schwieriger werden als bei den anderen Kindern.

Bereits in der Nacht vom 8. auf den 9. November hatte Melanie einen Blasensprung. Ihr Mann Djordje brachte sie ins Klinikum Korneuburg. Dort ließ man die Hochschwangere zunächst stundenlang warten, wollte wohl, wie geplant, erst am 10. November den Kaiserschnitt durchführen. Um 8 Uhr am Morgen des 9. November wurde dann doch mit dem Kaiserschnitt begonnen. Dabei kam es zu folgenschweren Komplikationen, wie die Ärzte und ein später erstelltes Gutachten einräumen.

"Traumatische Erfahrung"

„Ärzte sind auch nur Menschen“ sagt Mama Melanie im RTL-Interview. Doch wie die Klinik im Nachhinein mit der schwierigen Geburt und den Eltern umgegangen ist, war eine „traumatische Erfahrung“. Melanie macht der Klinik schwere Vorwürfe. Denn ihr Baby kam mit zehn (!) Knochenbrüchen zur Welt. Brüche, die wohl erst durch den Kaiserschnitt entstanden sind.

Melanies Schwangerschaft war eine Risikoschwangerschaft. Sie hat wegen der früheren Geburten Verwachsungen in der Gebärmutter und litt unter Schwangerschaftsdiabetes. Dass es während einer Geburt zu Komplikationen kommen kann, wusste sie.

Der Kaiserschnitt am Morgen des 09. Novembers wurde dann, wie erwartet, ein erschwerter Eingriff. Das besagt ein Gutachten von der Geburt. Melanie berichtet, dass die Ärzte ihr währenddessen stark auf den Bauch drückten. Gleichzeitig soll heftig am Säugling gezogen worden sein. Die Ärzte wiederum geben laut Gutachten an, dass aufgrund einer Verengung des Geburtskanals ein stärkeres Drücken notwendig gewesen sei.

Fest steht: Nach der Geburt wurde der Säugling untersucht. Die Ärzte ertasteten dabei einen Bruch an Magdalenas linkem Arm. Es wurden jedoch keine Röntgenbilder erstellt. Melanie wurde auch nicht – wie eigentlich geplant – in ein Krankenhaus verlegt, wo man eben diese Röntgenbilder hätte machen können.

Doch nur so wären Magdalenas weitere Verletzungen viel früher erkannt worden. Eltern und Kind wäre vermutlich das nun folgende Leid erspart geblieben.

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Röntgenbilder zeigen Schockierendes

Melanie Horvath
Melanie Horvath und ihre Familie wollen Gerechtigkeit.
Melanie Horvath

Knochenbrüche bei Säuglingen heilen relativ rasch und gut. In dem Glauben, ihr Kind hätte „nur“ eine Verletzung an der Hand, entließ sich Melanie zwei Tage nach dem Kaiserschnitt selbst aus dem Krankenhaus, um wieder bei ihrem Mann und den Kindern zu sein. Wegen der Corona-Regeln durften sie ihre Mutter und das neugeborene Schwesterchen nicht besuchen.

In den kommenden Tagen merkte Melanie beim Wickeln, Anziehen und Stillen, dass etwas mit dem Baby nicht stimmt. Magdalena weinte viel, hatte offenbar Schmerzen. Ihre Kinderärztin überwies sie in das AKH Wien, wo das kleine Mädchen endlich geröntgt wurde. Die Bilder zeigten Schockierendes: Magdalena hatte insgesamt zehn Knochenbrüche. Außer dem linken Arm waren auch das rechte Schlüsselbein und acht Rippen gebrochen!

Behandelt wie Kriminelle Familie Horvath will Gerechtigkeit

Nach dieser Diagnose begann der Horror für die entsetzten Eltern erst richtig: Magdalena wurde auf Anzeichen von Kindesmisshandlung untersucht: Augenhintergrund, Ultraschall von Hirn und Bauch.

Melanie und ihr Mann waren am Ende. Die junge Mutter sagt: „Das Schlimmste für mich wäre, wenn sie mir die Kinder nehmen würden.“ Im Krankenhaus „wurden sie behandelt wie Verbrecher“, ergänzt Rechtsanwalt Dr. Alfred Boran auf RTL-Anfrage. Er berät Magdalenas Eltern pro bono, also unentgeltlich. Denn: Djorje hat durch Corona seinen Job in der Gastronomie verloren, die gelernte Friseurin Melanie ist in Elternzeit. Daher kann das Paar unmöglich die Kosten für einen Anwalt aufbringen.

Doch gut für die Eltern: All diese Untersuchungen bestätigen, dass Magdalena nicht misshandelt wurde. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass ihre Verletzungen am Tag der Geburt entstanden sind.

Eltern wollen nun klagen

Da ein Strafverfahren gegen die Klinik aufgrund des Gutachtens eingestellt wurde, wollen die Eltern nun mithilfe ihres Anwalts Zivilklage wegen „erlittener Traumata im Ablauf der Spitalbehandlung“ einreichen, um zumindest eine Entschuldigung der an dem Drama während der Geburt beteiligten Ärzte zu erhalten. „Mir geht es nicht ums Geld, ich will Gerechtigkeit für uns und für unsere Magdalena.“

Auf RTL-Anfrage schreibt die Klinik in einer Stellungnahme: „Der angesprochene Fall ist dem Landesklinikum Korneuburg-Stockerau bekannt und wurde unsererseits auch mehrmals geprüft. Die Staatsanwaltschaft hat aufgrund der Anzeige einen Gutachter beauftragt. Auf Basis dieses Gutachtens wurde die Anzeige jedoch nicht weiterverfolgt. Gerne steht der Ombudsmann aber für ein Gespräch mit der Familie zur Verfügung.“

Heute, ein Jahr nach all den Strapazen geht es Magdalena einigermaßen gut. Ihre Brüche sind verheilt. Allerdings ist sie sehr ängstlich, weint viel. Anfangs wollte sie nur zur Mama, niemand anderes durfte sie in den Arm nehmen. Und was ist, wenn doch noch Folgeschäden auftreten und wer soll dafür haften?

Fragen, die Mama Melanie nun erst mal versucht, auszublenden. Denn an Weihnachten soll die Familie im Mittelpunkt stehen. Denn die Hauptsache ist, dass Magdalena nun in Ruhe aufwächst und vor allem wieder ganz gesund wird.