Inzidenz top, Impfungen flop

Warum die Corona-Infektionszahlen im Osten so niedrig sind

In Deutschland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 82,7. Im Osten sind die Zahlen dagegen deutlich niedriger.
In Deutschland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 82,7. Im Osten sind die Zahlen dagegen deutlich niedriger.
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09. September 2021 - 8:44 Uhr

Nur Mecklenburg-Vorpommern über 60% Impfquote

Beim Thema Impfen sind die ostdeutschen Bundesländer die Sorgenkinder der Bundesrepublik. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern hat die 60-Prozent-Marke geknackt und liegt damit dennoch deutlich hinter Spitzenreiter Bremen (71,7%). Bei den Inzidenzen sieht das aber völlig anders aus. Da sind die Ost-Bundesländer mit niedrigen Werten derzeit Spitzenreiter. Dafür gibt es mehrere Erklärungen.

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"Ich kann Ihnen das noch nicht abschließend erklären"

Auf die Frage, warum die Impfquote in den ostdeutschen Bundesländern niedriger als im Westen sei, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn auf der Pressekonferenz des RKI keine wirkliche Antwort parat. "Wir haben eigentlich bei allen anderen Impfungen: Masern, Tetanus, Diphtherie im Osten eine signifikant höhere Impfquote als im Westen", sagte Spahn.

Das sei auch in Ländern in Osteuropa so und ließe sich mit der sozialistischen Geschichte erklären. In der DDR zum Beispiel gab es viele Pflichtimpfungen. Warum die Impfbereitschaft im Osten ausgerechnet bei Corona geringer ist? "Ich kann Ihnen das noch nicht abschließend erklären, ich würde es gerne erklären können, es beschäftigt mich auch", beantwortete Spahn die Frage unseres RTL-Reporters ohne konkret werden zu können. Präziser lässt sich dagegen die Frage beantworten, warum die Inzidenzen im Osten derzeit so niedrig sind.

Inzidenzen deutlich unter Bundesschnitt

In den östlichen Bundesländern liegen die Inzidenzen nämlich deutlich unter dem Durchschnittswert von 82,7:

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  • Brandenburg: 7-Tage-Inzidenz bei 37,5
  • Mecklenburg-Vorpommern: 7-Tage-Inzidenz bei 36,4
  • Sachsen: 7-Tage-Inzidenz bei 32,2
  • Thüringen: 7-Tage-Inzidenz bei 38,3
  • Sachsen-Anhalt: 7-Tage-Inzidenz bei 25,3

Die Erklärungen der Experten

Der erste Grund für die höheren Inzidenzen im Westen könnte darin liegen, dass es deutlich mehr Menschen mit Migrationshintergrund gibt, die aus ihren Heimatländern zurückreisen, sagte der Medizinstatistiker Bertram Häussler dem MDR. Immerhin ein Viertel der Neuinfektionen werden laut RKI-Bericht durch Reiserückkehrer verursacht. Außerdem sind internationale Reisen bei Menschen in Westdeutschland verbreiteter. "Sommerurlaub in Spanien, Frankreich oder Italien kommt hier öfter vor", sagte Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der "Berliner Morgenpost".

Der zweite Grund liegt offenbar in der demographischen Verteilung. "Im Westen des Landes leben viel mehr junge Menschen, unter denen die Inzidenzen wegen der schlechteren Impfquote deutlich erhöht sind", erklärt Lauterbach. Auch wenn in den westlichen Bundesländern die Impfquoten höher sind als im Osten, gilt das nicht zwingend auch für die jüngeren Semester. Das Erkrankungsalter sei seit dem letzten Jahr "massiv gesunken" und liege jetzt bei 30 Jahren, sagte Medizinstatistiker Häussler dem "Stern". Im vergangenen Jahr habe das Durchschnittalter noch bei 50 Jahren gelegen.

Ein dritter Grund für niedrige Inzidenzen im Osten könnte das späte Ende der Sommerferien sein. In den meisten Ost-Bundesländern (Ausnahme: Brandenburg) hat die Schule erst im September – also in der vergangenen Woche – wieder angefangen. Erste Auswirkungen könnten sich zu Beginn der nächsten Woche an den Inzidenz-Werten ablesen lassen. Experten erwarten, dass auch im Osten die Zahlen bald deutlich ansteigen dürften. (xst)