Nach Thomas-Cook-Pleite

Der Urlaub fällt ins Wasser – wie bringe ich das den Kindern bei?

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27. September 2019 - 20:19 Uhr

Wenn Ferienträume platzen wie Seifenblasen

In wenigen Tagen beginnen in vielen Bundesländern die Herbstferien. Doch für viele ist der Urlaubstraum geplatzt: Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat Insolvenz angemeldet, bereits gebuchte Pauschalreisen, Flüge und Hotelaufenthalte bis zum 31. Oktober wurden abgesagt. Schon für Erwachsene ist es enttäuschend, wenn der ersehnte Tapetenwechsel ins Wasser fällt. Wie bringen Eltern es aber ihren Kindern am besten bei, dass sie die Ferien zu Hause verbringen müssen? Wir haben mit Kinderpsychologin Sabine Werner-Kopsch gesprochen.

Enttäuschung zur Chance machen

Je länger die Reise schon geplant ist, desto mehr Zeit bleibt für Vorfreude. Sowohl Eltern als auch Kinder sehen sich in Gedanken schon am Strand, in der Natur oder am Pool. Wird dieser Plan dann in letzter Minute durchkreuzt, ist Enttäuschung eine natürliche Reaktion, die auf allen Seiten vorkommt, weiß Sabine Werner-Kopsch. "Die Reaktion der Kinder ist je nach Alter sehr nah bei den Eltern, je ausgeprägter die eigenen Vorstellungen zur Ferienzeit waren, umso größer die Traurigkeit, dass sich diese nun nicht erfüllen werden."

Doch genau darin sieht die Expertin eine Chance, zu wachsen: "Kinder können so ganz besonders gut lernen, dass es Träume gibt, die sich nicht erfüllen und das auch diese Träume es wert sind, geträumt zu werden. Jetzt ist der Moment für neue Pläne. Was wollen wir machen? Wo können wir die gemeinsame Zeit miteinander verbringen? Was macht an den neuen Möglichkeiten am meisten Spaß? Die Einstellung der Eltern ist dabei für die Kinder entscheidend."

Qualität lässt sich nicht kaufen

Dass Ferien für Kinder erfüllend sind, hat nicht unbedingt damit zu tun, wo sie stattfinden – sondern wie und mit wem. "Wer mit Kindern verreist ist, wundert sich oft im Nachhinein, welche Erlebnisse sich dabei eingeprägt haben und was alles in Vergessenheit geraten ist. Die Qualität der verbrachten Zeit ist entscheidend, und überhöhte Vorstellungen können das Erlebnis sogar schmälern. Ausschlaggebend ist der Entdeckergeist der Kinder", so Werner-Kopsch.

"Genau diese Qualität lässt sich nicht kaufen, sondern ist geprägt vom Zugang zum Augenblick. Das Kind, das mit seinen Eltern und Geschwistern am Lagerfeuer gesungen hat, am Fluss fischen war oder anderes entdeckte, wird sehr wahrscheinlich mit leuchtenden Augen davon erzählen und nicht mehr daran denken, dass es eigentlich mit seinem Smartphone an irgendeinem Pool hätte sitzen sollen." Das gelte auch für Kinder von Eltern, die sich von vorneherein keinen teuren Urlaub leisten können.

Tief durchatmen und neue Gedanken fassen

Betroffenen Eltern rät die Kinderpsychologin jetzt: "Tiefes Durchatmen, die alten Vorstellungen verabschieden, neue Gedanken fassen und damit auf die Kinder zuzugehen - das sind die wichtigsten Regeln. Reiseveranstalter können einem vieles nehmen, aber sicher nicht den Urlaub."