Ausgerechnet bei Kinderspielzeug ziehen die Preise an

Inflation im November überraschend bei 10 Prozent

Ein Ladenangestellter aus dem Spielzeugladen Top 1 Toys bei der Arbeit im Laden.
Die Preise für Kinderspielzeug ziehen stark an.
ANP | Koen van Weel, picture alliance

Die Inflation in Deutschland hat im November überraschend nachgelassen. Die Verbraucherpreise stiegen um durchschnittlich 10,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Oktober hatte die Teuerungsrate mit 10,4 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1951 gelegen.

Experten geben noch keine Entwarnung bei Inflation

„Ein Silberstreif am Horizont", kommentierte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, den Rückgang. „Mit Glück haben wir den Inflationsgipfel hinter uns." Besonders stark verteuerte sich Energie als Folge des russischen Krieges gegen die Ukraine: Sie kostete durchschnittlich 38,4 Prozent mehr als im November 2021, nachdem es im Oktober sogar plus 43,0 Prozent waren. Nahrungsmittel verteuerten sich um 21,0 Prozent, Dienstleistungen um 3,7 Prozent.

Experten geben aber noch keine Entwarnung. „Wir nähern uns dem Gipfel, aber für einen Sturm der Begeisterung ist es noch zu früh", kommentierte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski die Preisentwicklung. Der Rückgang bei der Inflation komme aktuell noch größtenteils von nicht mehr weiter steigenden Energiepreisen. „Da aber vor allem die Gas- und Elektrizitätspreise in den kommenden Monaten bei den Verbrauchern noch steigen werden und es auch - wie bei den Erzeugerpreisen zu sehen - noch viel Inflationsdruck gibt, schließe ich einen leichten weiteren Anstieg nicht aus“, sagte Brzeski. Erst ab dem ersten Quartal 2023 sollte der Höhepunkt bei der Teuerung definitiv erreicht werden.

Danach dürfte der Preisdruck aber erheblich abnehmen. In der erwarteten Winterrezession bliebe den Unternehmen kaum noch eine Chance, höhere Kosten auf ihre Kunden zu überwälzen. Ab März kommen dann sogenannte Basiseffekte dazu. "Dann vergleichen wir nicht mehr die aktuellen Preise für Energie- und Nahrungsmittel mit den geringeren Vorkriegspreisen, sondern mit den hohen Preisen seit Kriegsbeginn", sagte Schmieding. Im Frühjahr 2024 könnte die Inflationsrate dann sogar auf etwa zwei Prozent fallen.

Fast alle Spielwarenhändler wollen Preise erhöhen

Bei der Entwicklung der Preise zeichnet sich für die Zukunft eine gewisse Entspannung ab. Die vom Münchner Ifo-Institut erhobene Preiserwartung, die zeigt, ob Firmen Preise erhöhen oder reduzieren wollen, sank im November um 4,6 Punkte auf den niedrigsten Wert des Jahres. Mit 46,7 ist der Wert allerdings immer noch hoch. Er bedeutet, dass der Anteil der Firmen, die Preise erhöhen wollen, um 46,7 Prozentpunkte höher ist, als der Anteil der Firmen, die Preise senken wollen. In den Jahren vor der Corona-Krise lag er meistens um oder unter 20 Punkten.

Allerdings gilt der Rückgang nicht für alle Bereiche: So beträgt der Wert bei den Spielwarenhändlern 94,4 Prozent - fast alle wollen also die Preise erhöhen. Auch im Lebensmitteleinzelhandel (95,1), Schreibwarenhandel (96,1) und bei Drogerien (92,4) sind besonders oft Preiserhöhungen geplant. Gerade bei den Einzelhändlern dürften die oft zum Jahreswechsel anstehenden Preiserhöhungen bei Strom und Gas eine Rolle spielen, sagt Ifo-Experte Timo Wollmershäuser.

Für den Verbraucher sei noch nicht absehbar, wann die Inflation spürbar zurückgehe, sagte Wollmershäuser. Gerade im Bereich der Vorprodukte sehe man aber, dass die Werte niedriger geworden seien. Hier sei viel schon durchgereicht worden.

Und es gibt auch Branchen mit besonders hohen Rückgängen der Preiserwartungen: In der Gastronomie fiel der Wert beispielsweise von 80,5 auf 58,2, im Fahrradeinzelhandel von 81,9 auf 64,5. Und das Papiergewerbe weist inzwischen mit minus 10,7 sogar einen negativen Wert auf - hier werden also häufiger Preissenkungen als Preissteigerungen geplant. (dpa/rts/aze)

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