Pflanzenfarbstoffe vermindern Risiko von Krebs- und Herzerkrankungen

Forscher empfehlen Rauchern und Trinkern viele Äpfel und Tee

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20. August 2019 - 12:21 Uhr

Flavonoide schützen vor Erkrankung

"Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern": Das altbekannte Sprichwort sollten sich einer neuen Studie zufolge insbesondere Raucher und Trinker zu Herzen nehmen. Am besten wäre es demnach, wenn das Obst zusammen mit einer guten Tasse Tee genossen wird. Denn Äpfel und Tee enthalten reichlich Flavonoide. Deren Verzehr schütze vor Krebs- und Herzerkrankungen, schreiben Forscher nun im Fachblatt "Nature Communications". Flavonoide sind Pflanzenstoffe, die für die Farbgebung der Pflanzen verantwortlich sind. Sie schützen vor Umwelteinflüssen.

Weniger Krebs- und Herzkreislauf-Sterbefälle

Apfel und Tee
Nicht nur Äpfel und Tees enthalten viele Flavonoide. Trotzdem könnte ein regelmäßiger 16:00-Uhr-Tee kombiniert mit dem Verzehr eines Apfels über die Jahre eine gesundheitsfördernde Wirkung zeigen - vor allem bei Rauchern und Trinkern.
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Für die Studie werteten Wissenschaftler der Uniklinik Kopenhagen und der Edith-Cowan-University im australischen Perth die Daten von 56.000 Teilnehmern einer dänischen Ernährungsstudie im Alter von 52 bis 60 Jahren aus. Nach 23 Jahren haben sie nun die Sterbefälle innerhalb der Gruppe mit den Ernährungsgewohnheiten abgeglichen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die regelmäßig Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an Flavonoiden zu sich nahmen, weniger häufig an Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben. Und besonders auffällig war dieser Effekt bei Rauchern und Trinkern.

Nicola P. Bondonno, die Hauptautorin der Studie, empfiehlt Rauchern und Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, daher einen erhöhten Verzehr von Lebensmitteln mit Flavonoiden. Allerdings schränkt sie ein: "Deren Konsum wirkt nicht allen erhöhten Sterblichkeitsrisiken entgegen, die mit dem Rauchen und einem starken Alkoholkonsum einhergehen." Außerdem können bereits entstandene Schädigungen nicht durch sie rückgängig gemacht werden.

Die empfohlene Menge an Flavonoiden beträgt laut den Forschern circa 500 Milligramm am Tag. Ab diesem Wert sei das Krebs- und Herzerkrankungsrisiko am niedrigsten. 500 Milligramm Flavonoide nimmt ein Mensch zu sich, der zum Beispiel jeden Tag einen Apfel, eine Tasse Tee, eine Orange und 100 Gramm Brokkoli zu sich nimmt.

Kritiker halten Studie nur für bedingt aussagekräftig

Im österreichischen Wissenschaftsmagazin Science kritisiert Sabine Kulling vom Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel allerdings, dass diese Art von Studien keinen direkten Zusammenhang mit der Ernährung beweisen können. Nichtsdestotrotz lobt sie die Untersuchung: "Ernährung ist sehr komplex, und viele Faktoren beeinflussen Krankheitsrisiken. Umso wichtiger sind derartige Studien."

Welche Lebensmittel enthalten Flavonoide?

ARCHIV - 17.04.2015, Thüringen, Erfurt: Frisches Obst und Gemüse liegen in einer Küche bereit. (zu dpa-Korr "Warum Hitze im Urlaub angenehm ist und zu Hause nicht" vom 29.07.2018) Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Im Prinzip bestätigt die Studie die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Über den Tag verteilt sollten fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich genommen werden. Die Regel lautet: Gesund ist, was bunt ist!
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Im Prinzip gilt der Satz: Gesund ist, was bunt ist. Und zwar, weil Flavonoide für die Farbe von Lebensmittel verantwortlich sind. Meistens befindet sich die höchste Konzentration an Flavonoiden in den Randschichten der Pflanzen. Deswegen wird auch oft dazu geraten, Obst und Gemüse, wenn genießbar, mit Schale zu verzehren.

Aprikosen, Grapefruits, Zitronen, Paprika, Schnittlauch, Trauben, Kirschen, Beeren, Birnen und Pflaumen sind reich an Flavonoiden, aber auch Tees, Kakao und sogar Kaffee. Wichtig ist: Je frischer, desto höher der Gehalt an Flavonoiden. Auch bei stark verarbeiteten Lebensmitteln ist der Wirkstoff stark vermindert.