Immer mehr Kinder leben dauerhaft von Hartz IV - was bedeutet das für die Betroffenen?

15. November 2017 - 11:33 Uhr

Kinderarmut in Deutschland: Woran liegt der Negativtrend?

Auf den ersten Blick klingen die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wie eine gute Nachricht. Die Zahl der Menschen, die dauerhaft von Hartz IV leben, ist im letzten Jahr um 4,2 Prozent gesunken. Doch für die Schwächsten der Gesellschaft gilt genau das Gegenteil: Die Zahl der Kinder, die dauerhaft von Hartz IV leben, ist im gleichen Zeitraum um 2,8 Prozent gestiegen. Hinter dieser Zahl stecken unzählige Einzelschicksale, zum Beispiel das von Debbie Cerny. Die heute 27-Jährige weiß genau, wie es ist, mit Hartz IV aufzuwachsen. Im Video erzählt sie, wie sie das geprägt hat und wie es ihr heute geht.

"Kinder haben ein Anrecht auf eine faire Chance"

Woran liegt es, dass immer mehr Kinder in Deutschland auf Hartz IV angewiesen sind? Laut der Bundesagentur für Arbeit sind besonders Alleinerziehende lange arbeitslos. Aus dieser Armutsfalle kommen viele nicht mehr heraus. "Kinderarmut ist in Deutschland ein Dauerzustand. Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus Armut befreien", erklärte auch Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Rund 526.000 Kinder unter 15 Jahren bezogen im letzten Jahr Sozialleistungen. Die Grundversorgung wird damit gedeckt, trotzdem sind diese Kinder in vielerlei Hinsicht benachteiligt. Armut bedeutet laut Bertelsmann-Stiftung vor allem Verzicht. Die Betroffenen sind im Prinzip vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten, denn Kinobesuche, Freunde einladen oder auch simple Dinge wie ein Computer mit Internetzugang sind diesen Kindern verwehrt.

"Die zukünftige Sozialpolitik muss die Vererbung von Armut durchbrechen. Kinder können sich nicht selbst aus der Armut befreien – sie haben deshalb ein Anrecht auf Existenzsicherung, die ihnen faire Chancen und gutes Aufwachsen ermöglicht", sagt Dräger.