World Mosquito Program

Hier werden extra Moskitos ausgesetzt - um Dengue-Fieber und Zika-Virus zu bekämpfen

15. April 2019 - 20:24 Uhr

Im Video: Darum setzen Menschen weltweit Moskitos aus

von Katharina Meyer

Nanu, was machen die denn da? In immer mehr Regionen auf der ganzen Welt streifen Freiwillige durch die Stadt und lassen Moskitos frei. Extra. Damit diese fröhlich Menschen stechen und sich vermehren. Dahinter steckt aber ein guter Grund, der Infektionskrankheiten wie Dengue-FieberChikungunya und das Zika-Virus für immer ausrotten könnte.

Ist DAS das Ende von moskitoübertragenen Infektionskrankheiten?

Mücken sind nicht nur lästig, sondern in vielen Ländern ein riesiges Gesundheitsproblem. In mehreren Regionen der Welt übertragen Moskitos gefährliche Infektionskrankheiten, indem sie Malaria-, Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren verbreiten. Gegen die letzten drei Krankheiten will das "World Mosquito Program" mit einer erstaunlichen Maßnahme vorgehen. Welche das ist, erklären wir auch im Video.

Forscher nutzen einen echten Überlebenskünstler für ihre Zwecke

Seit 2011 arbeitet das "World Mosquito Program" (WMP) an einer Methode, um von Mücken übertragene Virenerkrankungen auszurotten. Dazu werden Moskito-Eier im Labor mit den ungefährlichen und natürlich vorkommenden Wolbachia-Bakterien infiziert. Mücken, die das Bakterium in sich tragen, können Dengue-, Chikungunya und Zika-Viren nicht mehr übertragen.

Das Geniale: Die Wissenschaftler machen sich dabei die einzigartige Überlebensstrategie der Wolbachia-Bakterien zunutze. Diese manipulieren nämlich die Fortpflanzung ihres Wirtes zu ihrem eigenen Vorteil, indem das Bakterium auch bei der Paarung mit nicht-infizierten Moskitos übertragen wird. Werden in einer Region also Moskitos mit Wolbachia freigesetzt, paaren diese sich mit den einheimischen Mücken und bereits nach kurzer Zeit, tragen so gut wie alle Moskitos in der Region Bakterien in sich, die die Verbreitung der Virenarten verhindern.   

Mückenstiche sind nur ein kleiner Preis für die Ausrottung schlimmer Krankheiten!

Bereits in zwölf Ländern (darunter Australien, Brasilien, Kolumbien, Indonesien, Indien und Mexiko) setzen nun also lokale Gemeinden mit Wolbachia infizierte Mücken der Gattung Aedes aegypti - besser bekannt als Gelbfiebermücke oder Ägyptische Tigermücke - aus. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen zur Bekämfung der von dieser Mücke übertragenen Krankheiten gefährdet die Methode des WMP nicht das Ökosystem - wie es ein gezieltes Ausrotten der Mückenart nach sich ziehen könnte. Die Langzeitauswertungen des Projekts zeigen, dass das Bakterium auch nach sieben Jahren noch in einem großen Teil der Moskito-Populationen vorhanden ist. Einen Dengue-Fieber-Ausbruch gab es in den Gebieten seitdem nicht.

Der einzige Nachteil der Methode: Um sich fortzupflanzen stechen weibliche Moskitos Mensch und Tier. Aber was sind ein paar Extra-Mückenstiche schon im Vergleich zu den Gefahren durch eine Vireninfektion?