Club-Boss nimmt klar Stellung

Hertha feuert Torwarttrainer nach diskriminierenden Aussagen

Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry
Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry
© Imago Sportfotodienst

06. April 2021 - 14:14 Uhr

Herthas Torwarttrainer kritisiert Leipzigs Gulacsi für gesellschaftliches Engagement

Torwarttrainer Zsolt Petry von Bundesliga-Club Hertha BSC hat mit fragwürdigen Aussagen zu den Themen Homosexualität und Zuwanderung für Irritationen gesorgt. Der Hauptstadtverein hat umgehend reagiert und den Coach gefeuert. Petry kritisierte in einem Interview mit der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung "Magyar Nemzet" den Einsatz des ungarischen Keepers Peter Gulacsi von RB Leipzig für einen Verein, der unter anderem die Homo-Ehe unterstützt.

Update: Hertha trennt sich vom Torwarttrainer

Der Club gab am Dienstagmittag das Aus von Petry bei der Hertha bekannt, "mit sofortiger Wirkung" sei er freigestellt worden. Der Verein wusste nichts von dem Interview, das den Keeper-Trainer nun so in Schwierigkeiten brachte.

Petry bittet um Entschuldigung

"Die Arbeit von Zsolt Petry wurde in seinen Jahren bei Hertha BSC immer sehr geschätzt. Ebenso erlebte man ihn stets offen, tolerant und hilfsbereit. Er hat zu keiner Zeit homophob oder fremdenfeindlich agiert", sagt Herthas CEO Carsten Schmidt. "Auch unter Würdigung von Übersetzungsfeinheiten und der Tatsache, dass einige Aussagen von Zsolt im Interview ohne Rücksprache vor der Veröffentlichung weggelassen wurden, mussten wir letztlich feststellen, dass die getätigten Äußerungen insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen. Wir danken Zsolt Petry für die geleistete Arbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute", heißt es seitens Hertha BSC.

Petry äußert sich wie folgt: "Ich möchte betonen, dass ich weder homophob noch fremdenfeindlich bin. Meine Aussage zur Einwanderungspolitik bedaure ich sehr und möchte all die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen und die ich damit beleidigt habe, um Entschuldigung bitten. Ich war sehr gerne für Hertha BSC tätig und respektiere diese Entscheidung. Ich wünsche allen bei Hertha BSC viel Erfolg für die Zukunft."

Torwarttrainer unterstützt ungarische Regierung

Zuvor kritisierte Petry RB-Leipzigs Torhüter Peter Gulacsi. Er verstehe nicht, was seinen Landsmann Gulacsi dazu bewogen habe, "sich für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität einzusetzen", sagte Petry. Gulacsi hatte sich jüngst klar gegen Homophobie positioniert. Der 30-Jährige kritisierte dabei das Ende Dezember verabschiedete Gesetz, nach dem homosexuelle Paare keine Kinder adoptieren dürfen. "Jeder Mensch hat das Recht auf Gleichberechtigung", schrieb der Keeper: "So hat auch jedes Kind das Recht, in einer glücklichen Familie aufzuwachsen - ganz egal, aus wie vielen Menschen sie besteht, welche Hautfarbe man hat, wen man liebt oder an was man glaubt."

Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban steht seit längerem in der Kritik, nicht nur wegen ihrer LGBTQ-feindlichen (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) Politik.

Hertha-Fans fordern Aufklärung

Der 54-jährige Petry, der mit Unterbrechungen seit 2015 bei den Berlinern arbeitet, vertrete selbst eine konservative Linie. Auch beim Thema Migration. "Ich verstehe gar nicht, wie Europa moralisch so tief sinken konnte, wie jetzt. (...) Europa ist ein christlicher Kontinent, ich sehe den moralischen Niedergang nicht gerne, der den Kontinent niederfegt", sagte Petry: "Die Liberalen blasen die Gegenmeinungen auf: Wenn du die Migration nicht gut findest, denn schrecklich viele Kriminelle haben Europa überlaufen - dann werfen sie dir sofort vor, dass du ein Rassist bist."

Petry selbst spielte als Profi neben seiner Heimat Ungarn auch in Belgien, der Türkei, den Niederlanden, Finnland und Deutschland.

In den sozialen Medien gab es viel Kritik für die Aussagen Petrys. Fans forderten auch Hertha und Sportdirektor Arne Friedrich zu einer Reaktion auf das Interview auf. Diese gab es zunächst noch nicht. Hertha werde das Thema "zunächst einmal intern zeitnah mit Zsolt Petry besprechen", hieß es auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

RTL.de/ntv.de

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