Von wegen Unkraut!

Heilende Heidekräuter: Diese Pflanze kann sogar Schmerzmittel ersetzen

Die Besenheide ist ein echter Alleskönner in der Naturmedizin.
Die Besenheide ist ein echter Alleskönner in der Naturmedizin.
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23. September 2021 - 14:59 Uhr

Grüne Schätze der Natur

Die Pflanzenwelt in der Lüneburger Heide hat jede Menge Tricks auf Lager. Im Laufe der Zeit hat die Wissenschaft der Medizin das altüberlieferte Wissen über die Heilpflanzen verdrängt – doch heute sind die grünen Schätze der Natur längst wieder da. Bei einem Spaziergang über die Wiese lässt sich ruckzuck eine kleine Naturapotheke zusammenstellen.

Gut für Magen, Kopf und Lunge: Die Besenheide

Wenn im August die Heide in voller Blüte steht, lockt sie viele Touristen in den Nordosten Niedersachsens. Doch die kleinen lila Sträucher bieten weit mehr als einen hübschen Farbteppich für Fotomotive. Für die Heidebauern war die Besenheide eines der wichtigsten Kräuter überhaupt. "Sie hat letztendlich gegen jedes Zipperlein geholfen", erklärt Kräuterexpertin Marion Putensen aus Ehrhorn. "Ob das jetzt Magen und Darm ist, Migräne, Erkältungskrankheiten, allgemeines Unwohlsein, die Haut zu desinfizieren oder das Immunsystem zu stärken."

Alltagszipperlein lassen sich mit dem Heidekraut ganz einfach ohne Chemie in den Griff bekommen. "Kleines Beispiel: Migräne – man braucht keine Paracetamol oder Aspirin verwenden, sondern man macht entweder einen Umschlag mit den Heideblüten oder trinkt sie als Tee." Der Heideblütentee hilft außerdem bei Erkältungs- oder Magen- und Darmkrankheiten. Und selbst nach dem Aufguss kann der Erkrankte die Kräuter noch weiterverwenden."Du nimmst eine Schüssel, legst die Kräuter darüber und gießt heißes Wasser drauf", erklärt die Kräuterexpertin. Der Duft des Heidekrauts befreit die Atemwege und macht bei Erkältung und Asthma das Atmen leichter.

Heidekräuter helfen auch bei Depressionen

Der Anblick der Heidelandschaft soll die Stimmung heben.
Der Anblick der Heidelandschaft soll die Stimmung heben.
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Schon der bloße Anblick der blühenden Heidelandschaften soll eine große Wirkung haben – vor allem auf die Seele. "In der heutigen Zeit findet die Besenheide hauptsächlich ihren Einsatz bei Burnout-Krankheiten oder Depressionen in der sogenannten Farbtherapie. Wenn man sich zwei bis drei mal im Monat einfach nur in einer Heidefläche aufhält, dann wirkt das wirklich stimmungsaufhellend", sagt Marion Putensen.

Die heilende Wirkung der Heidekräuter ist kein bloßer Aberglaube, sondern wissenschaftlich belegt, sagt die Kräuterexpertin. "Es gibt Studien, beispielsweise von der Charité, wo diese Sachen erwiesen sind."

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Entzündungshemmend und lecker: Die Brennessel

Doch die Pflanzenwelt in der Lüneburger Heide hat noch deutlich mehr zu bieten – zum Beispiel die Brennessel. Die Blätter der Heilpflanze wirken leicht harntreibend, schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie können als Tee zubereitet werden, "oder aber auch als Wildgemüse", erklärt Marion Putensen. " Also einfach in der Pfanne mit Zwiebel und Knoblauch andünsten und dann wie Spinat zubereiten."

Aber Vorsicht: Wenn die Haut mit den Brennhaaren auf Stiel und Blättern der Pflanze in Berührung kommt, beginnt sie zu brennen, sich zu röten oder bildet kribbelnde Quaddeln.

Pflaster für Wunden oder Stiche: Der Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist auch als "Wiesenpflaster" bekannt.
Der Spitzwegerich wird auch "Wiesenpflaster" genannt.
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Bei kleinen Wunden, Hautabschürfungen oder Stichen wirkt der Spitzwegerich wahre Wunder. "Du kerbst den ein bisschen mit deinen Fingernägel ein, dass der Pflanzensaft rauskommt. Und dann reibst du das auf die Wunde. Das desinfiziert und kühlt ein bisschen", erklärt die Kräuterexpertin. Wer sich beim Spaziergang in der Natur leicht verletzt und kein Pflaster dabeihat, kann den Spitzwegerich außerdem um die betroffene Hautstelle wickeln – daher ist er auch bekannt als "Wiesenpflaster".

Buchweizen bringt müde Beine in Schwung

Buchweizen hilft gegen Wadenkrämpfe.
Buchweizen hilft gegen Wadenkrämpfe.
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Der Buchweizen, auch bekannt als "Korn der Heide", sorgt als Pseudogetreide nicht nur in Torten oder Salaten für ein nussiges Aroma. Von den Heidebauern wurde er gemahlen und als Brei gegessen, aber auch als Heilpflanze eingesetzt. "Er ist gut gegen Wadenkrämpfe, lockert die Beine und fördert die Durchblutung", erklärt Pat Bülk vom Museumsdorf Wilsede.

Schäfer als Heide-Heiler

Besonders gut kannten sich in der Heide übrigens die Schäfer mit der Pflanzenheilkunde aus. Sie waren oft als Heiler bekannt, sammelten Kräuter vom Wegesrand und behandelten damit Mensch und Tier. Heute gibt es für alle Beschwerden natürlich chemisch hergestellte Medizin. Aber auch heilende Kräuter sind inzwischen wieder voll im Trend. (lzi)