Hartz IV 2022

Geplante Erhöhung um 3 Euro gleicht nicht einmal Rekordstrompreis aus

Viele Familien, die von Hartz IV leben, müssen den Gürtel deutlich enger schnallen.
Viele Familien, die von Hartz IV leben, müssen den Gürtel deutlich enger schnallen.
© picture alliance, Marcel Kusch

02. September 2021 - 10:28 Uhr

Wegen Rekord-Inflation bleibt noch weniger übrig

Hartz-IV-Bezieher sollen ab dem kommenden Jahr drei Euro mehr im Monat bekommen. Doch allein die steigenden Stromkosten fressen die Erhöhung komplett auf.

Sozialverband kritisiert Mini-Erhöhung

Für Alleinstehende plant die Regierung nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Erhöhung von 446 auf 449 Euro monatlich. Der Satz der Grundsicherung für Partnerinnen, Partner und Ehegatten soll um 3 auf 404 Euro steigen.

Für Kinder zwischen 14 und 17 Jahren soll es 376 Euro geben, ebenfalls 3 Euro mehr als bisher. Um jeweils zwei 2 Euro soll der Satz für 6- bis 13-Jährige und für 0- bis 5-Jährige steigen (311 und 285 Euro). Für 18- bis 24-Jährige im Elternhaus und Volljährige in Einrichtungen steigt der Satz den Plänen zufolge von 357 auf 360 Euro. Die Mehrkosten werden auf 190 Millionen Euro im kommenden Jahr taxiert.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) kritisierte die Erhöhung scharf: "Diese geringfügige Erhöhung ist blanker Hohn. Durch die gestiegenen Preise des täglichen Bedarfs, wird sie de facto zu einer Kürzung für alle Betroffenen führen", erklärte SoVD-Präsident Adolf Bauer.

Strompreispauschale reicht bereits jetzt nicht

Allein die Hartz-IV-Pauschale für Wohnen, Energie und Wohninstandhaltung beträgt aktuell monatlich 38,32 Euro. Laut Berechnungen von Check24 ergeben sich bei einem Jahresverbrauch von 1.500 kWh Strom in der Grundversorgung monatliche Kosten in Höhe von 48,92 Euro. Damit liegen die Stromkosten bereits jetzt 28 Prozent über dem Regelbedarf.

"Die Strompreise befinden sich seit Monaten auf Rekordniveau, darum ist die Lücke zwischen der Energiepauschale und den tatsächlichen Stromkosten für Hartz-IV-Empfänger*innen nochmals größer geworden", sagt Steffen Suttner, Geschäftsführer Energie bei Check24. "Eine Erhöhung um drei Euro monatlich deckt das nicht annähernd, selbst wenn sie komplett zur Begleichung der Energiekosten aufgewendet würde."

Check 24 weist darauf hin, dass durch einen Wechsel zu einem der zehn günstigsten Alternativtarife die monatlichen Kosten auf 41,33 Euro gesenkt werden können – und damit aber immer noch knapp über dem Regelbedarf liegen und die geplante Hartz-IV-Erhöhung komplett auffressen. (dpa/aze)

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