Problem für Arbeitslose

Hartz IV deckt nicht die Stromkosten

Im kommenden Jahr erhalten Hartz-IV-Bezieher ein paar Euro mehr, unterm Strich dürften sie am Monatsende trotzdem weniger Geld zur Verfügung haben.
Im kommenden Jahr erhalten Hartz-IV-Bezieher ein paar Euro mehr, unterm Strich dürften sie am Monatsende trotzdem weniger Geld zur Verfügung haben.
© imago/Bernhard Classen, imago stock&people

20. Oktober 2021 - 9:36 Uhr

Steigender Strompreis wird immer mehr zum Problem

Im kommenden Jahr erhalten Hartz-IV-Bezieher ein paar Euro mehr, unterm Strich dürften sie am Monatsende trotzdem weniger Geld zur Verfügung haben. Der Grund: Der steigende Strompreis. Wer auf die Unterstützung vom Staat angewiesen ist, muss mit einer Pauschale auskommen. Diese fällt regelmäßig zu gering aus.

Mehr Geld und doch weniger

Aktuell liegt der Hartz IV Regelsatz bei 446 Euro für eine alleinstehende Person ohne Kinder - 2022 liegt er dann bei 449 Euro. Bei zwei Partnern in der Bedarfsgemeinschaft werden jeweils 401 (404 Euro ab 2022) Euro gezahlt. Und auch Haushalte mit Kindern bekommen ein paar Euro mehr. Aber: In den kommenden Jahren werden die Strompreise für Privathaushalte deutlich steigen, das können die paar Euro kaum kompensieren!

Rechnung geht nicht mehr auf

Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox beläuft sich das Minus für Alleinlebende auf durchschnittlich 95 Euro pro Jahr. Haushalte, die in der Grundversorgung beliefert werden, müssen bis zu 196 Euro an anderer Stelle einsparen, um ihre Stromkosten zu begleichen. Rein rechnerisch sind 36,44 Euro für die Begleichung der Stromrechnung in den Hartz-IV-Leistungen vorgesehen. Im kommenden Jahr geht diese Rechnung aber nicht mehr auf!

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Große Unterschiede in der Versorgungslücke

Für einen Single-Haushalt mit einem Verbrauch von 1.500 Kilowattstunden schlagen dann monatlich durchschnittlich 44,33€ zu Buche. as entspricht einem Minus von 22 Prozent. Für Hartz-IV-Empfänger, die Strom aus der Grundversorgung beziehen, ist die Lücke noch deutlich größer. Hier übersteigen die tatsächlichen Stromkosten von 48,91 Euro monatlich den Regelsatz um durchschnittlich 34 Prozent.

Wie hoch die Versorgungslücke ausfällt unterscheidet sich regional stark. Während in Hamburg Hartz-IV-Empfänger durchschnittlich 45 Prozent zuzahlen müssen, sind es in Bremen nur 18Prozent. Der Betrag, der Hartz-IV-Empfängern in der Grundversorgung jährlich für Strom fehlt, steigt immer weiter. Waren es 2019 noch 101 Euro, mussten sie 2020 bereits eine Lücke von durchschnittlich 115 Euro in Kauf nehmen. Im kommenden Jahr wird sich der Fehlbetrag auf durchschnittlich 150 Euro in der Grundversorgung belaufen. Aber was kann man dagegen unternehmen?

Tarifwechsel funktioniert nicht immer

Mit einem Anbieter- oder Tarifwechsel könnten Hartz-IV-Empfänger ihre Kosten senken. Doch ein eigenständiger Wechsel in günstigere Tarife übersteigt in manchen Fällen die Planungskompetenzen der Betroffenen oder ist etwa mit nachteiligen Schufa-Einträgen nicht immer ohne Weiteres möglich. Denn viele Stromanbieter prüfen vor Vertragsabschluss die Bonität der Kunden und behalten sich vor, die Belieferung abzulehnen. Damit bliebe den ärmsten Verbrauchern ein zentraler Weg zu sinkenden Stromkosten versperrt. Sie müssten in der Grundversorgung verharren und zahlten dort die höchsten Strompreise. (ntv.de/xst)