100-Millionen-Klage gegen Schach-Weltmeister

Hans Niemann: Jetzt geht der Großmeister zum Gegenangriff über

Sport Bilder des Tages Chess Grandmaster Hans Niemann 19 waits for his competition Chess Grandmaster Dariusz Swiercz to return to the table during Round seven of the U.S. Championship 2022 at the St. Louis Chess Club in St. Louis on Wednesday, Octobe
Hans Niemann verklagt Weltmeister Magnus Carlsen.
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Jetzt geht Hans Niemann in den Gegenangriff über: Der junge Amerikaner verklagt das Schach-Genie Magnus Carlsen sowie dessen Firma Play Magnus und die US-Spieler Danny Rensch und Hikaru Nakamura auf 102 Millionen Euro! Grund dafür: Die heftigen Betrugsvorwürfe des Norwegers gegen den 19-Jährigen. Niemann wirft Carlsen und Co. Verleumdung, üble Nachrede sowie geheime Absprachen vor, um seinen Ruf und seine Existenz zu zerstören.

Niemann bot sogar an, nackt zu spielen

Der bizarre Schach-Thriller zwischen Magnus Carlsen und Hans Niemann ist längst auch zu einem Boulevard-Spektakel geworden. Das sonst für manche Beobachter angestaubt wirkende Spiel der Könige gewinnt immer mehr an Hollywood-Format. Es geht um zwei gegensätzliche Großmeister, neue Betrugsvorwürfe, viel Empörung - und sogar Spekulationen über vibrierendes Sexspielzeug.

Im Mittelpunkt stehen zwei geniale Spieler. Auf der einen Seite Carlsen (31), Norweger, so was wie ein Popstar am Brett. Auf der anderen Seite Niemann (19), US-Amerikaner, so was wie ein Querkopf am Brett. Carlsen wirft Niemann Betrug vor.

Lese-Tipp: Wurde der Schach-Weltmeister auf arschige Art betrogen?

Niemann hatte unter dem Druck der Vorwürfe zugegeben, bei Online-Schachturnieren zwei Mal betrogen zu haben - einmal im Alter von zwölf und einmal im Alter von 16 Jahren. Niemann versicherte aber, dass er niemals bei einem Präsenz-Turnier betrogen habe. Er bot sogar an, nackt zu spielen, damit Betrügereien ausgeschlossen werden könnten.

Carlsen wirft Niemann Betrug vor - ohne Beweise

Carlsen wirft Niemann Betrug vor - ohne Beweise Schachskandal geht weiter
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Schachskandal geht weiter
Carlsen wirft Niemann Betrug vor - ohne Beweise

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Niemann spricht von "verheerendem Schaden"

Was war passiert? Anfang September war es zum ersten Vorfall zwischen beiden Großmeistern gekommen. Beim Sinquefield Cup verlor der Superstar überraschend gegen Niemann und zog sich erstmals in seiner Karriere von einem Turnier zurück. Gründe nannte der Norweger damals nicht.

Lese-Tipp: Nach Analkugel-Vorwurf: Jetzt drohen krasse Konsequenzen

Die Schachszene deutete Carlsens Ausstieg als Betrugsvorwurf gegen Niemann. Aber wie soll das der Aufsteiger der Szene angestellt haben? Hier übernahm auch das Internet mit seinem Potenzial für fantasievolle Spekulationen. Es wäre ja möglich, durch Analkugeln Signale, also vibrierender Art, zu empfangen. So könne man die weiteren Züge planen. Wenige Wochen später brach Carlsen ein Online-Duell nach nur einem Zug ab. Ein nächster Skandal. Ein Statement des Norwegers, dass er gegen „Betrüger“ nicht spielen wolle.

Lese-Tipp: Schach-Skandal explodiert: Betrug wohl in über 100 Partien

In seiner Klage wirft Niemann seinem Kontrahenten Carlsen, Rensch und Nakamura nun vor, seinem Ruf und seiner Karriere "verheerenden Schaden" zugefügt zu haben. Nach seinem (also Niemanns) Erfolg habe sich der Norweger "bösartig" revanchiert, "indem er Niemann ohne Beweise fälschlicherweise beschuldigte, während ihres Präsenzspiels irgendwie betrogen zu haben", heißt es in der Klage. (tno mit dpa)