Staatsanwaltschaft ermittelt gegen "Maulwurf"

Wurde Attila Hildmann von der Berliner Justiz gewarnt?

Attila Hildmann im Lustgarten
Attila Hildmann im Lustgarten
© dpa, Jörg Carstensen, car abl

18. Mai 2021 - 15:10 Uhr

Attila Hildmann gab Nachricht von Haftbefehl gegen ihn schon früh auf Telegram bekannt

An einem Wochenende Mitte Februar veröffentlichte der Verschwörungsideologe Attila Hildmann auf Telegram die Nachricht: Gegen ihn liege ein Haftbefehl vor und er müsse nun "dringend untertauchen." Das Brisante: Erst am darauffolgenden Montag erfuhr die Berliner Staatsanwaltschaft von dem Haftbefehl. Jemand muss Hildmann also gewarnt haben. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft laut Recherchen von WDR und SZ ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gegenüber RTL bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner: "Wir ermitteln wegen des Verdachts der Verletzung von Dienstgeheimnissen."

Wer ist der "Maulwurf"? Nur kleine Gruppe wusste vom Haftbefehl gegen Hildmann

Am Freitagnachmittag des 19. Februar, offenbar kurz vor Feierabend, erließ eine Richterin des Amtsgerichtes Berlin Tiergarten einen Haftbefehl gegen den 40-Jährigen. Das berichten der WDR und die Süddeutsche Zeitung. Hildmann wird Volksverhetzung, die öffentliche Aufforderung zu Straftaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Doch Hildmann tauchte unter. Zu diesem Zeitpunkt soll nur eine kleine Gruppe von dem Haftbefehl gewusst haben, darunter die Haftrichterin, deren Mitarbeiter, eine Sekretärin der Geschäftsstelle und ein Sicherheitsmann, der die Akte transportierte. Hildmann selbst behauptete später, Polizisten hätten an dem besagten Wochenende seine Mutter besucht und gesagt, dass gegen ihn ein Haftbefehl vorliege. Deshalb ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft nun gegen "Unbekannt."

Verschwörungsideologe Attila Hildmann wohl in der Türkei

Der ehemals vegane Fernsehkoch besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft und ist offenbar in der Türkei untergetaucht. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Ende März. Ob die Warnung eine Haftvollstreckung verhindert hat, ist aber unwahrscheinlich. Martin Steltner von der Berliner Staatsanwaltschaft sagt: "Nach unseren Erkenntnissen hatte sich Herr Hildmann schon vorher ins Ausland abgesetzt."

Offenbar hielt sich der selbsternannte "Verschwörungsprediger" schon seit Dezember nicht mehr in seinem Haus im Brandenburgischen Wandlitz auf.

Hildmann hatte auf mehreren Corona-Demos gesprochen und war schon dort wegen der Aufforderung zu Straftaten vorübergehend festgenommen worden. Auch auf seinem Telegram-Kanal verbreitete er immer wieder Hetzbotschaften.

(ntv.de / mch)

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