Zufällige Entdeckung könnte Antworten liefern

Grund für Geruchsverlust? Corona-Antikörper docken falsch an

Einige Corona-Antikörper wissen Forschern zufolge nicht, wo sie andocken sollen. Das könnte der Grund für neurologische Folgen bei Covid-19-Patienten sein. (Symbolbild)
Einige Corona-Antikörper wissen Forschern zufolge nicht, wo sie andocken sollen. Das könnte der Grund für neurologische Folgen bei Covid-19-Patienten sein. (Symbolbild)
© iStockphoto

15. Oktober 2020 - 10:20 Uhr

Grund für neurologische Störungen bei Covid-19-Patienten?

Vier von fünf Covid-19-Patienten leiden auch unter neurologischen Symptomen – und damit viel mehr als zu Beginn der Pandemie gedacht. Nur, wie kommt es zu diesem speziellen Krankheitszeichen? Forscher auf der ganzen Welt gehen dieser Frage derzeit nach. Nun könnten Tests mit Nagern eine plausible Erklärung liefern.

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4 von 5 Corona-Patienten klagen über Kopfschmerzen, Schwindel oder Geruchsverlust

Bei der Frage, wie neurologische Symptome und Schädigungen bei einer Covid-19-Erkrankung entstehen, gibt es bisher mehrere Erklärungsansätze, die von einer "stillen" Infektion bis hin zu einer Folgeerscheinung der Sars-CoV-2-Infektion reichen. Klar scheint den meisten Forschern hingegen zu sein, dass sich Sars-CoV-2 nicht so verhält wie viele andere Viren.

Einerseits sind direkte Virusschäden des Gehirns bei Covid-19-Patienten eher selten. Andererseits klagen vier von fünf Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, über neurologische Symptome wie Muskel- und Kopfschmerzen oder Schwindel. Auch Riech- und Geschmacksstörungen sind unter Covid-19-Infizierten verbreitet. Dazu kommt eine Reihe schwer erkrankter Covid-19-Patienten, bei denen eine sogenannte Enzephalopathie, also eine krankhafte Veränderung des Gehirns, auftritt.

Erklärung zufällig entdeckt

Forschende des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Charité-Universitätsmedizin Berlin könnten diesbezüglich nun einen Erklärungsansatz liefern, den sie zufällig entdeckt haben. Ursprünglich hatten sich die Teams um Jakob Kreye auf die Suche nach wirksamen Antikörpern gemacht, mit denen eine passive Immunisierung erreicht werden kann. Dafür wurden fast 600 verschiedene Antikörper aus dem Blutplasma von zehn Covid-19-Patienten isoliert und schließlich Hamstern injiziert.

Auf diese Weise wollten die Forscher herausfinden, welche Antikörper den größten heilenden oder schützenden Effekt zeigen. Die Forscherinnen und Forscher konnten so nicht nur zehn sehr erfolgversprechende Antikörper identifizieren, sie sahen auch einen weiteren Effekt, wie sie in einer wissenschaftlichen Arbeit, die im Fachjournal Cell veröffentlicht wurde, schreiben.

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Problem: Antikörper wissen nicht, wohin

Um die Wirkung der zahlreichen Antikörper weiter zu untersuchen, wurden zusätzliche Tests an Gewebeproben von Mäusen durchgeführt. Die Forschenden sahen dabei, dass sich einige Antikörper nicht nur direkt an das Virus binden, um es auszuschalten, sondern auch an körpereigene Strukturen wie dem Herzmuskel oder den Blutgefäßen. Es gab auch unspezifische Antikörper, die sich an Gewebe im Gehirn ansetzten. Diese eher unreifen Antikörper könnten die Ursache für neurologische Störungen bei Covid-19-Patienten sein.

Alle Antikörper, die diese Eigenschaften zeigten, wurden von den Wissenschaftlern bei der Entwicklung der passiven Immunisierung ausgeschlossen. In weiteren Forschungen müsse man nun prüfen, ob die zugehörigen Gewebe damit möglicherweise Ziele von Angriffen des eigenen Immunsystems werden könnten, erklärt Harald Prüß, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat.

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Quelle: ntv.de/RTL.de