Experte findet "Heal Hitler" geschmacklos

Groteskes Video-Spiel: Gamer sollen Hitler therapieren und den Holocaust verhindern

Adolf Hitler bei einer Rede im Jahr 1925.
Adolf Hitler bei einer Rede im Jahr 1925.
© picture-alliance / IMAGNO/Thomas Sessler Verlag | Anonym, picture-alliance / IMAGNO, Thomas Sessler Verlag | Anonym

28. Juli 2021 - 6:26 Uhr

Holocaust-Experte spricht Klartext: "Unglaublich geschmackloses Spiel"

Dieses Spiel erhitzt die Gemüter, denn es wirft eine provokante Frage auf: Hätten Hitlers Massenmord an Juden und der von ihm angezettelte Weltkrieg durch psychologische Behandlung verhindert werden können? Genau darum geht es im Videospiel "Heal Hitler" (zu deutsch: "Heile Hitler"), das auf einer Internet-Plattform veröffentlicht wurde. Sogar der Name ist eine Provokation: Er ist eine offene Anspielung auf die Nazi-Parole "Heil Hitler". Experten sind entsetzt. In Deutschland ist das Spiel nicht erhältlich.

"Lösen Sie Hitlers Trauma auf und verhindern Sie eine Katastrophe durch Therapie und Psychologie"

Der Inhalt des umstrittenen Spiels: Als Psychotherapeut oder Psychotherapeutin mit dem "neuen Klienten" Adolf Hitler sprechen, wie es in der Beschreibung heißt. Man schreibt das Jahr 1925. Historisch betrachtet hat Hitler zu diesem Zeitpunkt bereits einen Putschversuch auf die Weimarer Republik unternommen. Er schreibt an seinem Hetzbuch "Mein Kampf", in dem er seine menschenverachtende, zerstörerische Gedankenwelt darlegt.

In dem etwa einstündigen Spiel geht es darum, ihn in drei Therapiesitzungen zu heilen. Der Psychologe spreche mit Hitler, zu jeder Sitzung gebe es mehrere Entscheidungsmöglichkeiten, aus denen der Spieler wählen könne, berichtet "Daily Mail". In der Beschreibung heißt es: "Lösen Sie Hitlers Trauma auf und verhindern Sie eine Katastrophe durch Therapie und Psychologie. Haben Sie Erfolg und vermeiden Sie den Krieg und den Holocaust."

Holocaust-Experte: Bewusst konzipiert, um Anstoß zu erregen

Geschmacklos oder gelungen? Der tschechische Entwickler des Spiels behauptet: Er habe Hitlers Geschichte genau studiert und Berichte von Psychologen sowie Erkenntnisse aus Psychologie und Psychotherapie berücksichtigt.

Ganz anders sieht das Holocaust-Experte Daniel Kennedy. Er sagte der britischen Zeitung "Daily Mai", das Spiel sei "unglaublich geschmacklos". Es verharmlose die Ermordung von sechs Millionen Juden. Er vermutet, "Heal Hitler" sei bewusst so konzipiert worden, dass es Anstoß errege. (uvo, Jerusalem Post)