Gericht entscheidet: Bußgeld in Höhe von 300 Euro

Mutter und Tochter lebten mit 111 Katzen unter einem Dach

111 Katzen wurden aus dem Haus gerettet und ins Tierheim gebracht. Viele waren verletzt oder krank.
111 Katzen wurden aus dem Haus gerettet und ins Tierheim gebracht. Viele waren verletzt oder krank.
© Tierschutz Ahrensburg-Großhansdorf e. V.

13. Januar 2022 - 17:24 Uhr

Man kann sich kaum vorstellen, wie es in diesem Haus in Großhansdorf (Schleswig-Holstein) ausgesehen haben muss: Eine 78-jährige Mutter und ihre 55 Jahre alte Tochter sollen 2019 mehr als 111 Katzen zu Hause gehalten haben. Dafür stehen sie seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Ahrensburg, Schleswig-Holstein.

Tierheim-Mitarbeiterin: So etwas habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt

Das Grundstück des Mutter-Tochter-Duos in Großhansdorf ist verwahrlost.
Das Grundstück des Mutter-Tochter-Duos in Großhansdorf ist verwahrlost.
© Tierschutz Ahrensburg-Großhansdorf e. V.

Im September 2019 hatten die Behörden gemeinsam mit Mitarbeitern mehrerer Tierheime die zum Teil kranken und verletzten Katzen von dem verwahrlosten Grundstück gerettet. Das Tierheim in Großhansdorf war als erstes bei der Rettungsaktion vor Ort. "Ich habe in 30 Jahren schon vieles erlebt", erzählt Monika Ehlers vom Tierheim Großhanstorf im RTL Nord-Interview, "aber so etwas habe ich noch nicht gesehen. Es war ganz schrecklich. Das war ein ungeheurer Gestank. Bei nur einer Katzentoilette im Haus müssen die ja zwangsläufig irgendwo hingemacht haben."

Einige Katzen waren unterernährt, andere waren krank oder hatten wunde Stellen am Körper. Bei einer Katze musste das Auge operiert werden, so heruntergekommen war das Tier. Monika Ehlers mutmaßt: "Die Katzen müssen sich irgendwann selbst attackiert haben."

Angeklagte ist sich keiner Schuld bewusst

Zwei Frauen stehen müssen sich wegen Tierquälerei vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten.
Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz müssen sich eine 78 Jahre alte Mutter und ihre 55-jährige Tochter vor dem Amtsgericht Ahrensburg verantworten. Sie sollen in ihrem Haus 111 Katzen gehalten und vernachlässigt haben.
© RTL, RTL Nord

Die Anklage wirft Mutter und Tochter Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor. Die beiden Frauen sollen die Tiere immer wieder eingesperrt, nicht tierärztlich behandelt und kaum versorgt haben. Doch die 55-jährige Angeklagte zeigt keine Reue. Im Gegenteil: Im Gericht kritisiert sie lauthals die Tierrettungsaktion: "Wir sind keine Straftäter, die Tiere waren nicht gequält. Wir wollen sie wiederhaben, damit wir sie verschenken können. Das ist unser Eigentum und ich muss wissen, wo meine Tiere sind, das ist seelische Grausamkeit."

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Angeklagte: Ich nehme die Strafe nicht an!

Am Ende des Prozesstages spricht sich die Staatsanwaltschaft dafür aus, dass das Verfahren gegen eine Geldbuße eingestellt wird. Aber auch das will die 55-Jährige nicht hinnehmen. "Geld zahle ich nicht", sagt die Angeklagte zum Vorschlag der Staatsanwaltschaft. Nach einem kurzen Gespräch mit der Mutter, dem Verteidiger und dem Staatsanwalt vor der Tür, lassen sich die 55-Jährige und ihre Mutter dann doch auf ein Bußgeld in Höhe vom 300 Euro ein.

Tierpflegerin: „Was ist denn das für ein Tierschutz?“

Tierheim-Mitarbeiterin Monika Ehlers und ihre Kollegin Anne Soltau sind bei dem Prozess dabei. Die Tierfreundinnen können nicht glauben, dass die Angeklagten so glimpflich davonkommen. "Was ist denn das für ein Tierschutz?" regt sich Anne Soltau auf. "300 Euro für Katzen, die wirklich in Scheiße geboren sind. Das rechtfertigt das nicht. Das macht den Job irgendwie auch so traurig gerade."

Immerhin: Alle 111 Katzen der Angeklagten sind inzwischen in Sicherheit. Und die Katzen, die das Tierheim in Großhansdorf aufgepäppelt hat, haben bereits ein neues, liebevolles Zuhause gefunden. (ljo/lve/mtu)