Sportverein in der Dauerkrise

Erst Corona - und jetzt zerstört auch noch die kalte Dusche das "Wir-Gefühl" im Amateurfußball

Erst Corona - und jetzt auch noch die kalte Dusche! Fußballer in der Dauerkrise
02:31 min
Fußballer in der Dauerkrise
Erst Corona - und jetzt auch noch die kalte Dusche!

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Vereine haben’s in den letzten Jahren wirklich nicht leicht gehabt: Lockdown und Hygieneregeln während der Pandemie brachten viele Sportvereine bundesweit zum Einknicken. Und gerade schien alles besser zu werden – doch jetzt kommt der neuste Hammer in Großenlüder (Hessen): Die von der Kommune genutzten Duschen bleiben wegen der Energiekrise kalt – und das „Wir-Gefühl“ bröckelt erneut. Mehr über die Sorgen der frierenden Fußballer gibt’s im Video.

Frierende Fußballer

Wir sparen Energie und schalten das warme Wasser ab, kündigte der Landkreis Fulda bereits im Juli an. Und auch zum Winter folgte der Kreis weiterhin wie viele andere dem Aufruf von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Gas zu sparen, wo es geht. Was im Sommer erst einmal so hingenommen wurde, wird jetzt aber zum echten Problem: Eine kalte Dusche nach dem Sport ist im November nicht wirklich erfrischend: „Was am Anfang noch ganz witzig war, ist mittlerweile zum Problem geworden. Wir haben jetzt November und es wird natürlich nicht besser. Also, wenn ich jetzt an Januar/Februar denke, wenn die Vorbereitung wieder losgeht und hier dann die Minusgrade sind, dann ist das nicht nur unangenehm, sondern vielleicht auch gesundheitlich schon bedenklich,“ sorgt sich Jonas Wenzel, Vorstandsmitglied vom SV Teutonia 08 e.V. Großenlüder.

Lese-Tipp: Beim Wasser und Heizen sparen? Wer diese Fehler macht, wird krank!

Trotz Energiekrise: Sind Sie ein Warmduscher?

Die Ergebnisse dieser Umfrage sind nicht repräsentativ.

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Bei Teutonia Großenlüder outen sich die Warmduscher

Das ist selbst für die harten Fußballer-Jungs aus Großenlüder ZU hart: Die meisten verabschieden sich nach Training und Spielen an der frischen Luft – momentan nahezu am Gefrierpunkt – so schnell es geht und stellen sich unter die warme Dusche zuhause. Heißt, der Plan geht eigentlich nach hinten los: In den eigenen vier Wänden wird somit mehr Energie verbraucht als sonst – und vor allem leidet die Gemeinschaft innerhalb der Mannschaft unter den Sparmaßnahmen. Gemeinsames Duschen, das anschließende Bierchen schaffen einen Zusammenhalt im Amateurfußball – und das alles fällt nun weg.

Für einige Vereinsmitglieder in Großenlüder ist das sogar Grund zu gehen: "Diese Unzufriedenheit ist einfach da. Einige kommen dann auch dann nicht mehr. Der Amateurfußball lebt halt ein bisschen von der Gemeinschaft. Und das macht uns schon ein bisschen zu schaffen, das muss man schon sagen", schildert Trainer Francisco Martinez im RTL-Interview die Lage.

Auf dem Platz sind die Kicker vom 1. SV Teutonia 08 e.V. Großenlüder alle gleich - die Unterschiede zeigen sich beim Duschen. Wer hält die 17 Grad Wassertemperatur aus?
Auf dem Platz sind die Kicker vom 1. SV Teutonia 08 e.V. Großenlüder alle gleich - die Unterschiede zeigen sich beim Duschen. Wer hält die 17 Grad Wassertemperatur aus?
RTL

Landkreis sieht keine andere Möglichkeit

Von 20 Männern tun sich gerade mal höchstens fünf das kalte Wasser unter der Dusche an. Da trennen sich die Warmduscher vom harten Kern. Doch auch der ist alles andere als begeistert: „Training ist schon anstrengend, die Dusche danach ist auch kein Highlight“ und „Ich versuch’s halt schnell zu machen.“ So klingen die Stimmen der einsamen Kaltduscher in der Umkleidekabine in Großenlüder.

Lese-Tipp: Ganz nebenbei: Drei starke Tipps zum Energiesparen

Vereine leiden also, weil Kommunen sparen? Ganz so einfach ist es natürlich auch nicht: Dem Landkreis Fulda „ist bewusst, dass es durch diese Maßnahme zu Unbequemlichkeiten im Rahmen des Vereinssports kommt (...) Er hält diese Maßnahme jedoch für erforderlich, um den von der Bundesregierung vorgegebenen Energiesparzielen gerade bei Erdgas gerecht zu werden“, so heißt es auf RTL-Anfrage. Eine Zeit voller Entbehrungen, in der wir doch irgendwie alle Verständnis haben müssen und zusammenhalten müssen – das haben wir schließlich während des Lockdowns ja schon einmal geschafft… (gmö)