Zweilappiges Organ im lymphatischen System

Gesundheitslexikon: Thymus (Bries)

Im Thymus lernen unsere weißen Blutkörperchen, fremde Zellen zu erkennen und zu zerstören
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29. Januar 2020 - 14:23 Uhr

Der Thymus - ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems

Der Thymus ist ein sogenanntes "lymphoepitheliales Organ". In ihm reifen Thymozyten zu T-Lymphozyten heran und kommen schließlich bei der Immunabwehr zum Einsatz. Der Thymus wird bereits im Kindesalter vollständig ausgebildet und schließlich mehr und mehr abgebaut. Erkrankungen am Thymus führen in nahezu allen Fällen zu Problemen mit dem Immunsystem.

Was ist der Thymus?

Der Thymus ist ein Teil des lymphatischen Systems - er ist somit Bestandteil des menschlichen Immunabwehrsystems. Jedes Wirbeltier verfügt allerdings über einen Thymus, der auch unter dem Namen Bries geläufig ist. Er übernimmt im menschlichen Körper überaus wichtige Aufgaben bei der Immunabwehr. In ihm werden die im Knochenmark entstehenden Thymozyten in T-Lymphozyten umgewandelt. Bei diesen handelt es sich um eine Gruppe der weißen Blutkörperchen. Sie werden im Thymus so lange selektiert, bis sie körpereigene Zellen nicht mehr angreifen und nur noch körperfremde Antigene bekämpfen. So tragen sie maßgeblich zur Abwehr von Krankheiten und zur Gesunderhaltung des Körpers bei. Aus dem Thymus können auch andere Peptide isoliert werden. Einige von ihnen werden heutzutage als Arzneimittel eingesetzt.

Die Anatomie des Thymus

Beim Menschen befindet sich der Thymus zwischen den Lungenflügeln. Er hat einen zweilappigen Aufbau und ist bei Babys fünf Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit. Nachdem er während der Pubertät in seiner Größe unverändert bleibt, wird er durch die sogenannte Involution mit fortschreitendem Alter durch Fettgewebe ersetzt. Er besteht aus Läppchen mit Rinde und Mark und entwickelt sich aus dem Ekto-, dem Meso- und dem Entoderm. Bei anderen Wirbeltieren unterscheiden sich die Form und der Aufbau des Thymus deutlich von jenem des Menschen. Der Thymus des Lammes und des Kalbs ist übrigens als Lamm- beziehungsweise Kalbsbries als kulinarische Spezialität verbreitet.

Funktionsweisen des Thymus

Seine Hauptfunktion erfüllt der Thymus bei der Entwicklung der T-Lymphozyten. Deren Vorläufer, die Thymozyten, wandern über die Blutbahn aus dem Knochenmark in die Läppchenrinde, durchlaufen den Bries also von außen nach innen. Durch Rekombination entstehen schließlich nach der Reifung Lymphozyten, also Abwehrzellen, die gegen alle möglichen - also auch körpereigenen - Moleküle aktiv werden. Durch eine Blut-Thymus-Schranke wird allerdings verhindert, dass diese Schaden anrichten können. Im Bries werden schließlich jene T-Lymphozyten vermehrt, die körpereigene Substanzen nicht angreifen. Diese können dann als voll funktionsfähige Antikörper im Immunsystem ihre Arbeit ausführen und werden in die Blutbahn freigesetzt.

Bedeutende Erkrankungen des Bries

Tumore treten zwar eher selten auf, müssen allerdings stets operativ entfernt werden. Wenn ein Tumor sich bildet, können auch Störungen im Immunsystem auftreten. Die "Mysthemia Gravis" ist eine Autoimmunkrankheit, die die quer gestreiften Muskeln schädigt. In der Medizin wird vermutet, dass der Thymus, der bei dieser Krankheit meist vergrößert ist, mit dieser Krankheit zusammenhängt. Bei der multiplen Sklerose, ebenfalls eine Autoimmunkrankheit, ist der Thymus nicht in der Lage, die T-Zellen zu regulieren - denn diese greifen bei dieser Krankheit auch eigene Zellen an. Beim Di-George-Syndrom, einer genetischen Erkrankung, haben Betroffene gar keinen oder nur einen sehr kleinen Thymus.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.