Gesundheitslexikon: Syringomyelie

29. November 2018 - 15:51 Uhr

Syringomyelie – Höhlen im Rückenmark

Die Wirbelsäule birgt in ihrem Inneren das Rückenmark mit all den Nervenfasern und -zellen des zentralen Nervensystems. In der Mitte des Rückenmarks fließt in einem Zentralkanal das Gehirnwasser ("Liquor"). Bei der Syringomyelie bilden sich im Rückenmark Hohlräume, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und zahlreiche Beschwerden verursachen können.

Was ist eine Syringomyelie?

Der Begriff Syringomyelie leitet sich ab von den griechischen Wörtern "syrinx" = Rohr und "myelon" = Mark. Er bezeichnet eine seltene Rückenmarkserkrankung, bei der sich röhrenförmige, flüssigkeitsgefüllte Höhlen in der grauen Substanz des Rückenmarks bilden. Nur etwa sechs bis neun von 100.000 Menschen erkranken daran, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Durch diese Höhlenbildung wird nicht nur Nervengewebe gequetscht, sondern auch die Zirkulation des Gehirnwassers behindert. Das führt zu Ausfallerscheinungen in den von den betroffenen Nerven versorgten Körperregionen und zu Schmerzen.

Ursachen

Man unterscheidet zwischen angeborener und erworbener Syringomyelie. Bei der angeborenen Form ist die Ursache meist eine Fehlbildung des Knochens am Hinterkopf, die sogenannte Arnold-Chiari-Malformation ("ACM"). Durch diese knöchernen Veränderungen haben bestimmte Hirnanteile nicht genügend Platz. Deswegen schieben sie sich in den Wirbelkanal und führen zu der Höhlenbildung. Die erworbene Syringomyelie kann sich wegen eines Tumors oder nach einer Rückenmarksverletzung entwickeln. Auch sich wiederholende Mikrotraumen des Rückenmarks können zu der Höhlenbildung führen. Eine weitere mögliche Ursache sind Verklebungen in einem Raum zwischen den Hirnhäuten, dem "Arachnoidalraum".

Symptome

Die Symptome einer Syringomyelie treten meist erst nach Jahren auf. Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Beschwerden, je nachdem, wo in der Wirbelsäule sich die Höhle gebildet hat. Häufig kommt es zu Schmerzen in Armen und Schultern sowie am Kopf. Es können Empfindungsstörungen auftreten, sodass Wärme, Kälte und Schmerz nicht mehr wahrgenommen werden. Auch Taubheitsgefühle sind möglich. Weiterhin kann der Lagesinn gestört sein, wodurch man nicht mehr weiß, wo sich Arme und Beine befinden. Weitere mögliche Symptome sind Sprach-, Seh-, Hör- und Schluckstörungen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Krämpfe oder unruhige Beine.

Diagnose

Die Diagnosestellung der Syringomyelie ist nicht einfach, da ihre Symptome auch bei anderen Erkrankungen wie multipler Sklerose oder Myelitis auftreten. Zudem kommt die Krankheit nur selten vor und es fehlt oft an Erfahrung, um sie zu diagnostizieren. Wichtig sind die Erfassung der Krankheitsgeschichte und eine gründliche neurologische Untersuchung. Bei einem Verdacht auf Syringomyelie kann man mit der Magnetresonanztomografie ("MRT") den Wirbelkanal und die angrenzenden Hirnareale bildlich darstellen. Vorhandene Höhlen sind darauf deutlich sichtbar. Eine Liquorflussmessung bringt Aufschluss über Zirkulationsstörungen des Gehirnwassers und kann Verklebungen identifizieren.

Behandlung

Die Erkrankung ist nicht heilbar, aber es ist möglich, die Symptome zu verringern und schwere Störungen zu mildern. Des Weiteren kann man das Fortschreiten verhindern. Im Vordergrund steht zunächst eine angemessene Schmerztherapie. Auch Physiotherapie und eine umfassende Beratung des Patienten sind Teil der Behandlung. Bei Fällen mit sehr ausgeprägten Symptomen werden in einem neurochirurgischen Eingriff Verklebungen entfernt oder Engstellen geweitet, damit das Gehirnwasser wieder ungehindert fließen kann. War die Ursache der Höhlenbildung ein Tumor, genügt es meist, diesen zu entfernen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.