Gesundheitslexikon: Säure-Basen-Haushalt (Säure-Basen-Gleichgewicht)

29. November 2018 - 15:48 Uhr

Der Säure-Basen-Haushalt – lebensnotwendiges Gleichgewicht im Körper

Unter dem Begriff "Säure-Basen-Haushalt" versteht sich ein Regelkreislauf, der den pH-Wert des Blutes konstant hält.

Was ist der Säure-Basen-Haushalt?

Hinsichtlich des pH-Wertes gilt Folgendes: Der Normbereich des Menschen liegt zwischen 7,35 und 7,45. Unter diesem Wert spricht man von einer Azidose, einer Übersäuerung. Ein pH-Wert über 7,45 bezeichnet eine Alkalose, eine Untersäuerung. Der Normbereich zeigt deshalb kaum Variabilität, da sich der Säure-Basen-Haushalt auf verschiedenste Körperfunktionen auswirkt und eine Verschiebung leichte bis hochgradig schwere Krankheitssymptome verursachen kann. Normalerweise geben wir respiratorisch über die Atmung und renal über die Urinausscheidung Säure ab und regulieren dadurch den pH-Wert. Fällt jedoch mehr Säure an, als wir über diese beiden Hauptregulatoren verstoffwechseln können oder geben wir zu viel Basen ab, springen Puffersysteme an.

Was sind Puffersysteme?

Mit 75 Prozent ist der Kohlensäure-Hydrogencarbonat-Puffer des Blutes der wichtigste. Der pH-Wert reguliert die Atemtiefe. Bei einer Azidose wird im Gehirn ein starker Atemreiz ausgelöst. Die vertiefte Atmung senkt dabei den CO2-Partialdruck und somit die Kohlensäurekonzentration, was zu einer Anhebung des pH-Wertes führt. Zugleich gibt die Niere bei der Urinbildung mehr Hydrogencarbonat ins Blut zurück, was ebenfalls zu einer Erhöhung des pH-Wertes führt. Etwa 25 Prozent der Puffersysteme macht der Proteinpuffer aus. Am Hämoglobin hängt ein Protein namens Histidin. Dieses kann freie H+-Protonen binden und somit saures Milieu bis zu einem gewissen Grad mit abpuffern.

Wie kommt es zur Übersäuerung?

Eine respiratorische Azidose liegt vor, wenn die Lungen nicht mehr ausreichend belüftet werden und die Atemtiefe sinkt. Ursachen dafür können zum Beispiel Schlafapnoe, Lungenerkrankungen, Rippenbrüche und Schädigungen des Atemzentrums im Gehirn sein. Die metabolische Azidose ist jedoch der Ausdruck einer zu hohen Konzentration saurer Stoffwechselprodukte im Blut, die weder respiratorisch und renal noch über die Puffersysteme kompensiert werden können. Ursachen für diese Situation, die durchaus lebensbedrohlich sein kann, sind zum Beispiel diabetische Entgleisungen des Blutzuckers, Alkoholmissbrauch, Vergiftungen, Nierenversagen oder langer Durchfall.

Was führt zur Untersäuerung?

Eine respiratorische Alkalose entsteht infolge einer übersteigerten Atmung und einem dadurch verbundenen sinkenden CO2-Partialdruck. Dies folgt beispielsweise häufig auf Hyperventilation bei emotionaler Belastung, Aufenthalte in Höhen über 3.500 Metern oder auf bestimmte Herz- oder Lungenkrankheiten. Die metabolische Alkalose ist entweder eine Folge von Bicarbonat-Erhöhung oder eines Wasserstoff-Ionen-Verlustes. Das bedeutet, es werden dem Körper entweder zu viel basische Produkte wie Laktat, Citrat oder Natriumbicarbonat zugeführt oder Wasserstoff-Ionen werden ausgeschieden und der pH-Wert steigt dann zum Beispiel durch chronisches Erbrechen, Diuretika oder Leberversagen.

Warum ist dieses Gleichgewicht so wichtig?

Eine Verschiebung des Säure-Basen-Haushaltes geht in den meisten Fällen mit unspezifischen Beschwerden einher, zu denen folgende gehören:

– Muskelkrämpfe

– Müdigkeit

– Infektanfälligkeit

– Kopfschmerzen

– Sodbrennen

– Hautprobleme

Ebenso begünstigt beispielsweise eine chronische Übersäuerung die Entstehung verschiedener Krankheiten wie Allergien, Osteoporose, Migräne, Gicht oder Neurodermitis.

Was vielen nicht bewusst ist: Der Säure-Basen-Haushalt wirkt sich auch auf Stoffe wie Chlorid, Natrium oder Kalium aus. Die Entgleisung dieser Elektrolyte kann im schlimmsten Fall zu einem medizinischen Notfall werden, da beispielsweise Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern entsteht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.