Wichtiger Vitalstoff im Organismus

Gesundheitslexikon: Histidin

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17. Oktober 2019 - 10:56 Uhr

Histidin - eine Aminosäure mit vielfältigen Funktionen

Proteinogene Alphaaminosäuren spielen im Organismus eine wichtige Rolle als Eiweißbausteine. Histidin gehört zu den rund 20 verschiedenen Aminosäuren, die am Aufbau von Proteinen beteiligt sind. Innerhalb vieler Enzyme ist Histidin zusammen mit den Aminosäuren Serin und Asparaginsäure verantwortlich für deren Funktion. Auch sonst übernimmt Histidin lebenswichtige Aufgaben. Wir erklären, was Histidin ist, wo es häufig vorkommt, welche Funktionen es im Organismus übernimmt und welche Beschwerden bei einem Mangel oder Überschuss auftreten können.

Was ist Histidin?

Histidin stellt eine semiessenzielle proteinogene Aminosäure dar. Der Körper kann es nicht in ausreichendem Maße selbst synthetisieren. Um einen Mangel zu vermeiden, müssen besonders Kinder, aber auch Erwachsene, Histidin mit der Nahrung aufnehmen. Histidin gehört sowohl zu den aromatischen als auch zu den basischen Alphaaminosäuren mit einer ganz besonderen Struktur. Diese Struktur führt dazu, dass Histidin sowohl Protonen aufnehmen (Protonenakzeptor) als auch abgeben (Protonendonator) kann. Aufgrund dieser Fähigkeiten ist diese Aminosäure für den Organismus so wichtig.

Wo kommt Histidin vor?

Histidin ist als Aminosäure in fast allen Proteinen vorhanden. Es gehört zu den Aminosäuren, die für die Aktivität mehrerer Enzyme verantwortlich sind. Das gilt unter anderem für die Enzyme, die Proteine aufspalten. Dort bildet es zusammen mit den Aminosäuren Serin und Asparaginsäure deren aktive Zentren. Besonders viel Histidin befindet sich auch im Hämoglobin. Hier ist es für die Bindung von Eisen und damit auch für den Sauerstofftransport verantwortlich. Das Gleiche gilt auch für das Myoglobin in der Muskulatur.

Folgende Lebensmittel enthalten viel Histidin:

  • alle Fleischsorten
  • Geflügel
  • Lachs
  • Hühnereier
  • Kuhmilch
  • Walnüsse
  • ungeschälter Reis
  • Weizenvollkorn- und Maismehl
  • getrocknete Weizenkeime
  • getrocknete Sojabohnen
  • getrocknete Erbsen.

Welche Bedeutung hat Histidin für den Organismus?

Wie alle proteinogenen Aminosäuren ist Histidin am Aufbau fast aller Proteine beteiligt. Des Weiteren ist es zusammen mit Serin und Asparaginsäure ein essenzieller Bestandteil von Enzymen, die für den Eiweißabbau verantwortlich sind. Außerdem hält es im Blut den pH-Wert konstant. Seine guten Komplexbildungseigenschaften ermöglichen die Bindung von Eisen- und anderen Metallkationen. Daher ist es im Hämoglobin und Myoglobin für den Sauerstofftransport und die Sauerstoffübertragung verantwortlich. Histidin ist auch Ausgangsstoff für die Bildung von Histamin. Histamin erzeugt Entzündungsreaktionen zur Abwehr von Krankheitserregern und zur Zerstörung von krankhaften Zellen im Körper.

Was passiert bei einem Mangel oder Überschuss an Histidin?

Ein Mangel an Histidin kommt selten vor, weil es in der Nahrung ausreichend vorhanden ist. Des Weiteren wird es auch in geringem Maße im Körper selbst gebildet. Symptome eines Histidinmangels können aber bei Erwachsenen zu Rheumatismus und Blutarmut führen. Bei Kindern würde es sich störend auf das Wachstum auswirken. Wenn allerdings zu viel Histidin eingenommen wird, kann es zu neurologischen Erkrankungen wie Angststörungen oder Schizophrenie kommen. Auch bei Stress werden im Blut sehr hohe Histidinkonzentrationen gefunden. Histidin wird in Infusionslösungen bei künstlicher Ernährung, zur Behandlung von Gelenkrheumatismus oder bei bestimmten Anämieformen eingesetzt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.