Gesundheitslexikon: Azidose (Übersäuerung)

29. November 2018 - 15:46 Uhr

Azidose: So gefährlich ist die Übersäuerung des Blutes

Allzu oft sprechen Menschen davon, sich übersäuert zu fühlen. Zahlreiche Präparate sollen dann zu mehr Wohlbefinden verhelfen. Schulmediziner halten davon wenig. Dass eine Übersäuerung jedoch durchaus pathologisch vorliegen kann, daran gibt es keinen Zweifel. Doch wer tatsächlich unter einer Azidose leidet, also einem Abgleiten des Blutes in den sauren Bereich, der gerät ganz schnell in einen lebensbedrohlichen Zustand, bei dem auch kein Basenpräparat mehr helfen kann. Hinweise auf eine Azidose können Atem- und Kreislaufstörungen oder hohes Fieber sein.

Was ist eine Azidose?

Normalerweise liegt der pH-Wert des menschlichen Blutes in einem Bereich von 7,35 bis 7,45. Dieser Wert ist wichtig, denn er bestimmt den eng gesteckten Rahmen des menschlichen Säure-Basen-Haushaltes. Schon kleinste Abweichungen des sauren oder basischen Charakters führen zu Krankheiten. Dies kann mitunter sehr kurzfristig geschehen und den Patienten überraschen. Fällt nämlich der pH-Wert des Blutes in einen Bereich von unter 7,35, spricht man von einer Azidose. Diese Übersäuerung bezieht sich rein auf den pH-Wert des Blutes. Die Azidose hat also nichts mit der so oft in der Alternativmedizin propagierten Übersäuerung des Gewebes zu tun.

Ursachen

Wesentliche Ursache einer Azidose (Übersäuerung) ist zumeist ein Sauerstoffmangel aufgrund eines vorangegangenen Herzstillstands, schwerer Durchblutungsstörungen oder eines diabetischen Komas. Kann hingegen zu wenig Kohlenstoffdioxid abgeatmet werden, spricht man von einer "respiratorischen Azidose". Bei dieser Form der Übersäuerung zeigt der Patient blaue Lippen und weitere Anzeichen von Atemnot. Als Ursache können eine Störung der Atmungskette, eine Schwäche der Atemmuskulatur oder eine Lungenfunktionsstörung vorliegen. Bei der metabolischen Azidose wiederum übersäuert das Blut, wenn eine Stoffwechselerkrankung besteht. Deshalb können auch ein Insulinmangel oder eine Niereninsuffizienz zur Übersäuerung führen.

Mögliche Folgen

Die Folgen der Übersäuerung sind weitreichend und müssen umgehend notfallmedizinisch behandelt werden. Der Patient hat das Gefühl, nicht mehr genügend Luft zu bekommen oder gar innerlich zu ersticken. Er neigt zum Hyperventilieren. Augenscheinlichstes Merkmal können bläulich verfärbte Lippen und eine blasse Gesichtsfarbe sowie spontaner Schweißaustritt sein. Im weiteren Verlauf zeigen sich als Folge einer Azidose ein niedriger Blutdruck, Rhythmusstörungen des Herzens und damit einhergehend eine später eintretende Bewusstlosigkeit. Es muss sofort gehandelt und der Notarzt verständigt werden. Eine Azidose lässt sich über eine Blutgasanalyse sicher feststellen.

Vorbeugung

Patienten, die chronische Erkrankungen wie Diabetes, koronare Herzerkrankungen oder sonstige Beeinträchtigungen haben, sollten den pH-Wert ihres Blutes regelmäßig untersuchen lassen. Gleichwohl kann es spontan zu einem Abfall der Blutwerte in den gefährlich sauren Bereich kommen. Hilfreich kann es sein, wenn Patienten, die eine Azidose an sich vermuten, eine bestimmte Atemtechnik praktizieren. Mit ihr kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrückt werden. Bei der sogenannten "Kußmaul-Atmung", auch "Azidoseausgleichsatmung" genannt, wird eine Atemfrequenz mit einer gleichmäßig langen und tiefen Ein- und Ausatmung angestrebt. So soll einerseits die Sauerstoffzufuhr erhöht, andererseits der Kohlenstoffdioxidwert im Blut vermindert werden können.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.