Auch als „nervöser Magen“ bekannt

Gesundheitslexikon: Reizmagen (Funktionelle Dyspepsie)

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25. November 2019 - 10:46 Uhr

Nervöse Magenbeschwerden? Das steckt hinter einem Reizdarm

Ein Reizmagen verursacht eine Reihe von Verdauungsbeschwerden, die auf keine organische Ursache zurückzuführen sind. Die Erkrankung wird daher auch als "funktionelle Dyspepsie" bezeichnet, im Volksmund ist sie auch als "nervöser Magen" bekannt.

Was ist ein Reizmagen?

Mediziner sprechen von einem Reizmagen, wenn trotz eines eindeutigen Beschwerdebildes keine nachweisbare Erkrankung des Magens vorliegt. In Deutschland leidet etwa ein Viertel aller Menschen zumindest einmal im Leben an einer funktionellen Dyspepsie, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung kann einmalig über einen längeren Zeitraum auftreten, aber auch über Jahre bestehen - oft geht sie mit anderen Störungen der Verdauungsorgane wie einem Reizdarm oder der Refluxkrankheit einher. Ein Reizmagen ist nicht gefährlich, in hoher Intensität auftretende Beschwerden können den Alltag aber stark beeinträchtigen.

Ursachen

Die Ursachen eines Reizmagens sind noch nicht eindeutig geklärt. Eine Störung der Beweglichkeit des Magens kommt als Auslöser ebenso infrage wie eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit im oberen Verdauungstrakt. Psychische Belastungen und permanenter Stress ohne ausreichende Erholungsphasen können sich ebenfalls auf den Magen auswirken und zum Auftreten eines Reizmagens beitragen. Auch eine unausgewogene Ernährung, starkes Rauchen oder eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln verursacht bei empfindlichen Personen möglicherweise eine funktionelle Dyspepsie. Darüber hinaus könnten genetische Faktoren oder ein vorangegangener Infekt eine Rolle spielen.

Symptome

Die Symptome des Reizmagens sind vielfältig und ähneln oft denen des Reizdarms. Häufig macht sich die funktionelle Dyspepsie durch Schmerzen im Oberbauch und ein unangenehmes Druckgefühl in der Magengegend bemerkbar. Dazu kommen oft Völlegefühl, Sodbrennen, Übelkeit und Erbrechen, in vielen Fällen besteht Appetitlosigkeit oder eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel. Die Beschwerden treten meist während oder nach dem Essen, selten nachts auf. Da die Verdauungsorgane eng mit dem vegetativen Nervensystem verbunden sind, kann die Erkrankung auch mit unspezifischen Beschwerden wie Herzrasen, Kreislaufproblemen oder verstärktem Schwitzen einhergehen.

Diagnose

Um eine organische Ursache der Verdauungsbeschwerden auszuschließen, wird der Arzt eine Blutuntersuchung und eine Ultraschalluntersuchung der Oberbauchorgane durchführen - im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann eine Gewebeprobe des Magens zum Ausschluss eines Geschwürs oder Tumors entnommen werden. Ein ausführliches Gespräch über Vorerkrankungen, Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil und eventuell vorhandene psychische Belastungen kann dem Arzt weitere Hinweise geben. Die Diagnosestellung erfolgt im Ausschlussverfahren - liefern die Untersuchungen keinen Anhaltspunkt für eine organische Ursache und halten die Verdauungsbeschwerden über drei Monate an, liegt der Verdacht auf einen Reizmagen nahe.

Behandlung/Vorbeugung

Die Behandlung des Reizmagens richtet sich nach dem Beschwerdebild. Bei leichten Beschwerden reicht oft schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und ausreichenden Erholungsphasen aus, um eine Besserung zu erreichen. Stärkere Beschwerden werden medikamentös behandelt: Säurehemmer vermindern die Bildung von Magensäure und lindern Sodbrennen und Magenschmerzen, sogenannte Prokinetika wirken sich positiv auf die Magenbeweglichkeit aus. Liegen die Ursachen der funktionellen Dyspepsie überwiegend im psychischen Bereich, kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Eine Vorbeugung gegen die Erkrankung ist nicht möglich - eine schnelle Abklärung unklarer Verdauungsbeschwerden erspart aber oftmals einen langen Leidensweg.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.