Gesundheitslexikon: Protrusion

29. November 2018 - 15:54 Uhr

Protrusionen treten nicht nur an der Bandscheibe auf

Der allgemeine Begriff "Protrusion" bezeichnet ein Vorschieben oder Vortreiben eines Körpergewebes oder Körperteils aus seiner normalen Lage. Dabei wird das entsprechende Gewebematerial aus seiner Körperhöhle herausgedrängt und nach außen verlagert. Die Bezeichnung Protrusion wird im täglichen Sprachgebrauch meistens als Synonym für eine Erkrankung der Wirbelsäule, die Bandscheibenprotrusion, verwendet. Tatsächlich existieren noch weitere Formen der Gewebeverlagerung. Folgende Arten unterscheidet die Medizin:

- Vorwölbung der Bandscheibe (Bandscheibenprotrusion oder inkompletter Bandscheibenvorfall)

- Verlagerung der Hüftgelenkspfanne (Protrusio acetabuli)

- Heraustreten des Augapfels aus der Augenhöhle (Exophtalmus, im Volksmund auch Glubschaugen genannt)

- Zahnfehlstellung (Lutschprotrusion, lutschoffener Biss)

Ursachen

Bei einer Vorwölbung drücken die umgebenden Strukturen stark auf ein Körpergewebe oder ein Körperteil. Bei einer Bandscheibenprotrusion ist es hoher Druck bei Sport, Unfall oder schwerem Heben, der den knorpeligen Bandscheibenring in Richtung des Wirbelkanals verschiebt. Die Vorwölbung der Hüftgelenkspfanne entsteht durch Vererbung oder häufiger infolge einiger Vorerkrankungen (chronische rheumatische Gelenkentzündung, Knochenerweichung, Tumore). Als ursächliche Erkrankungen einer krankhaften Augapfelvorwölbung kommen Schilddrüsenerkrankungen, entzündliche Augenkrankheiten und Gefäßmissbildungen im Auge in Betracht. Auslöser einer Bissfehlstellung sind ein hoher Zungendruck durch häufiges Lutschen am Daumen oder an Schnullern sowie schlechte Angewohnheiten wie Fingernägelkauen und Lippenbeißen, aber auch Fehlfunktionen durch eine Mundatmung.

Symptome

Der Druck des knorpeligen Rings der Bandscheibe auf die vorgelagerte Nervenwurzel verursacht unterschiedliche Beschwerden – von dumpfen Rückenschmerzen bis hin zu ausstrahlenden Schmerzen in Arme oder Beine. Bei der Hüftgelenksprotrusion sinkt der Hüftkopf verstärkt in die Hüftgelenkpfanne ein: Umfangreiche Bewegungseinschränkungen sowie eine Beinverkürzung können die Folge sein. Betroffene mit einem Exophtalmus leiden je nach Schweregrad unter verschiedenen Symptomen wie dem Sehen von Doppelbildern sowie einer Austrocknung und Entzündung der Hornhaut bis hin zum völligen Sehverlust. Anzeichen einer Protrusion des Kiefers sind sichtbar vorgeschobene Zähne, Zahnfleischschwund sowie eine gestörte Aussprache.

Diagnose

Eine eingehende ärztliche Untersuchung in Verbindung mit einer Befragung zum Beschwerdeverlauf, der Anamneseerhebung, ist bei jeder Form der Protrusion die erste Maßnahme. Bei Verdacht auf eine Bandscheibenprotrusion erfolgt bei vielen Patienten ein MRT. Ein Röntgenbild gibt Aufschluss über Art und Ausmaß einer vermuteten Beckenveränderung im Sinne einer Hüftgelenksprotrusion. Die Ausdehnung der Protrusion des Augapfels lässt sich mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren sowie spezieller Messinstrumente beurteilen. Ist ein Teil des Ober- und/oder Oberkiefers so aufgebogen und vorgeschoben, dass die Zähne zur Lippe hin kippen, fächern sich die Zahnreihen dabei charakteristisch auf. Zusätzliche Röntgenaufnahmen dokumentieren das Stadium der Kieferverschiebung.

Therapie

Die Behandlung eines nach außen verschobenen Gewebes oder Körperteils richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Dementsprechend unterschiedlich sind die Möglichkeiten. Die Protrusion der Bandscheibe sowie des Hüftgelenks erfordert eine gezielte Physio- und Schmerztherapie, die bei der Kräftigung der stützenden Muskulatur hilft. Bei Bedarf empfiehlt sich eine Operation. Da der Exophtalmus kein eigenständiges Krankheitsbild ist, sondern das Symptom einer Grundkrankheit darstellt, bezieht sich die medikamentöse oder chirurgische Therapie immer auf die Grunderkrankung. Eine kieferorthopädische Behandlung kann bei einem vorgeschobenen Ober- oder Unterkiefer Abhilfe schaffen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.