Gesundheitslexikon: Phobie

29. November 2018 - 15:50 Uhr

Phobie – wenn Angst zur Krankheit wird

Angst entspricht einem Gefahrenmeldesystem, das beim Überleben hilft. Sich mulmig im Fahrstuhl zu fühlen, sich nicht gerne in menschenvollen Räumen aufzuhalten oder im Flugzeug ein flaues Gefühl in der Magengegend zu verspüren: ängstliche Gefühle allein machen einen Menschen noch nicht zum Phobiker. Menschen mit Phobien befinden sich permanent auf der Flucht vor den angstauslösenden Reizen. Neben Spinnenangst zählen Zahnarztphobie, Flugangst, Platzangst sowie soziale Ängste zu den bekanntesten phobischen Störungen.

Was ist eine Phobie und was sind ihre Ursachen?

Phobien sind Angststörungen, die sich auf bestimmte Situationen, Orte, Lebewesen oder Dinge beziehen. Psychologen sprechen erst von Angststörungen oder Phobien, welche der Gruppe der "Neurosen" zugeordnet werden, wenn die Betroffenen auf eine Situation mit unangemessenen Ängsten reagieren, ausgedrückt in Beeinträchtigungen auf psychischer und physischer Basis. Ein Ursachenfaktor für eine Phobie ist die erlernte Angst durch anerzogenes bzw. vorgelebtes Fehlverhalten oder sogar Kindheitstraumata. Die Furcht vor Schlangen oder anderen Gefahrentieren ist aus evolutionsbiologischer Sicht teils in den Genen verankert. Auch familiäre Veranlagung oder ein gestörter Hirnstoffwechsel können eine Phobie begünstigen. Tiefenpsychologen halten Phobien für einen Ausdruck ungelöster Konflikte. Viele Phobiker konnten durch ihr Vermeidungsverhalten ihre schlechten Erfahrungen nicht durch positive Folgeerfahrungen bereinigen, wodurch sich die ursprünglichen Ängste intensiviert haben.

Symptome

Die angstauslösenden Reize lassen bei Phobikern körperliche Paniksymptome wie bspw. Herzrasen, flache Atmung, Blutdruckveränderungen, Belastungskopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindelanfälle entstehen. Auch Magendarmbeschwerden, Verhaltensauffälligkeiten und Panikattacken bis hin zur Ohnmacht können eine phobische Reaktion auszeichnen. Im Gegensatz zu normalen Angstzuständen sind phobische Ängste dem Gefahrenpotenzial einer bestimmten Situation in ihrer Dauer und Intensität nicht angemessen. Während gesunde Ängste ein sinnvolles Alarmsystem darstellen, nehmen krankhafte Angstzustände im Rahmen von Angststörungen den Betroffenen die Reaktionsfähigkeit und wirken teils sogar lähmend auf Körper und Geist.

Diagnose einer Phobie

Die Schwelle zwischen normaler Angst und krankhaften Phobien ist schwer definierbar. Empfundene Beeinträchtigungen und Vermeidungsverhalten sprechen für phobische Störungen. Manche Patienten erleben die phobischen Reaktionen nicht als Angstempfindung, sondern nehmen ausschließlich körperliche Paniksymptome wahr. Falls sich Betroffene mit diesen Beschwerden an den Hausarzt wenden, schließt der Mediziner organische Erkrankungen wie Herzleiden oder Stoffwechselstörungen aus. Beim Psychologen entscheidet ein persönliches Gespräch zusammen mit einem Fragebogen über die Diagnose. Als "Differentialdiagnosen" kommen alle psychischen Erkrankungen in Betracht, die ähnliche Symptome auslösen, etwa Alkoholsucht, Depressionen und Zwangsstörungen.

Behandlung und Vorbeugung

Phobische Erkrankungen behandelt der Psychologe mit psychotherapeutischen Maßnahmen wie Gesprächen, in denen er dem Patienten ungelöste Konflikte vor Augen führt. Für viele Phobien eignet sich die kognitive Verhaltenstherapie als psychotherapeutischer Ansatz, da der Betroffene hierbei seine Einstellung zu bestimmten Situationen neu zu bewerten lernt. Bei der Konfrontationstherapie geraten Patienten mit den angstauslösenden Reizen in Berührung und machen so positive Erfahrungen mit der bisher vermiedenen Situation. Bei starken Symptomen finden zusätzlich oft Antidepressiva Verwendung. Als vorbeugende Maßnahme gilt es, sich furchtbesetzten Situationen regelmäßig zu stellen, statt sie zu meiden. Die Angst nimmt mit jeder positiven Erfahrung ab und das Phobierisiko sinkt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.