Jeder dritte Deutsche leidet an krankhafter Flugangst

Gesundheitslexikon: Flugangst (Aviophobie)

6. September 2019 - 11:35 Uhr

Flugangst: Bekommen Sie im Flugzeug Panik?

Trotz Urlaubsfreude spüren Sie ein flaues Gefühl im Magen, sobald Sie das Flugzeug besteigen? Nicht immer deutet ein flauer Magen im Flieger gleich auf Flugangst (Aviophobie) hin. Jeder dritte Deutsche jedoch leidet an krankhafter Flugangst. Sie kann den Betroffenen die Reise in ferne Länder erschweren oder sogar unmöglich machen.

Was ist Flugangst?

Menschen, die unter einer Aviophobie leiden, haben panische Angst vor dem Fliegen. Es handelt sich dabei um eine Angststörung, die unter den Oberbegriff der "Neurosen" fällt und durch übermäßige Angstreaktionen gekennzeichnet ist. Als enge Verwandte von Phobien wie etwa der Spinnenangst zählt die Aviophobie zu den isolierten Ängsten oder spezifischen Phobien. Alle spezifischen Phobien basieren auf unangemessenen Angstreaktionen im Hinblick auf ganz bestimmte Bedrohungsquellen und ziehen intensive Angstzustände mit seelischen oder körperlichen Beeinträchtigungen nach sich.

Ursachen

Der Aviophobie kann verschiedenen anderen Ängsten zugrunde liegen. Dazu gehören beispielsweise die Platzangst, soziale Phobie, Höhenangst, Kontrollzwang oder eine Kombination aus diesen Ängsten. Zu den gedanklichen Auslösern von Flugangst zählen Beengungsgedanken, Zweifel an der Technik und den Fähigkeiten der Piloten, Gefangenheitsgedanken oder Erinnerungen an Horrorschlagzeilen von Abstürzen oder Entführungen von Flugzeugen. In Einzelfällen können auch schlechte Flugerfahrungen in der Vergangenheit in eine Flugangst münden. Je mehr gute Erfahrungen Sie im Flugzeug sammeln, desto weniger Angst verspüren Sie zukünftig in der Luft.

Symptome

Oft manifestieren sich die ersten Symptome, die auf eine Aviophobie hindeuten, bereits mehrere Tage vor der Flugreise, in Einzelfällen sogar schon während der Buchung. Bei anderen Menschen zeigt sich krankhafte Flugangst erst am Flugsteig, im Flugzeug, beim Abheben oder beim Landen. Die Beschwerden reichen von schweißnassen Händen, Herzrasen und flacher Atmung bis hin zu Magen- und Darmkrämpfen, Schwindelattacken, Belastungskopfschmerz, Übelkeit oder sogar Erbrechen. Betroffene berichten von Panikattacken, die ihrem Körper die Reaktionsfähigkeit nehmen. Auch Weinkrämpfe oder Ohnmachtsanfälle kommen häufig vor.

Diagnose

Die Diagnose krankhafter Flugangst basiert auf der Erfassung etwaiger Ursachenfaktoren. Nicht jedes Unwohlsein im Flieger mündet gleich in die Diagnosestellung. Ausschlaggebend ist das Ausmaß der empfundenen Beeinträchtigung. Wer beispielsweise Vermeidungsverhalten entwickelt und sich überhaupt nicht mehr an Bord traut, ist in seiner Urlaubswahl beeinträchtigt und kann nicht in weit entfernte Länder reisen. Auch körperliche Beschwerden vor oder während eines Flugs können abhängig von ihrer Intensität für die Flugangstdiagnose sprechen. Dasselbe gilt für bereits bekannte Höhenangst mit zusätzlichem Kontrollzwang oder Platzangst.

Therapie und Vorbeugung

Bei der Flugangstbehandlung stellen sich Betroffene den angstauslösenden Situationen und lernen, ihre Ängste als unbegründet zu erkennen. Es gibt auch Versuche, Patienten in einer virtuellen Realität mit der Angstsituation zu konfrontieren. Auch die Teilnahme an Flugangstseminaren mit flugtechnischen Informationen und Hintergrundinformationen zu Angstmechanismen kann helfen. In schweren Fällen ist die Einnahme von Beruhigungsmitteln sinnvoll. Um das Risiko für turbulente Flugerlebnisse zu minimieren, buchen Sie am besten Plätze über den Tragflächen, fliegen am Morgen und vermeiden zusätzlichen Stress am Flugtag. Leiden Sie an Höhenangst, Kontrollzwang oder Platzangst, hilft die psychologische Aufarbeitung bei der Verminderung Ihrer Flugangst.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.