In der Psychologie auch Platzangst genannt

Gesundheitslexikon: Agoraphobie

3. April 2019 - 14:35 Uhr

Agoraphobie: Wenn Weite beklemmend wirkt

Wenn die weiten Plätze einer Großstadt, Menschenmengen bei einer Großveranstaltung oder Reisen in ferne Länder mit Gefühlen der Angst und Panik assoziiert werden, liegt möglicherweise eine Agoraphobie vor. Erstmals verwendet wurde der Begriff im Jahr 1872 durch den deutschen Psychiater Carl Westphal. Er leitet sich von dem griechischen Begriff agora für Marktplatz ab. In der Psychologie wird auch von Platzangst gesprochen. Dies ist jedoch irreführend, da dieser Begriff im umgangssprachlichen Gebrauch für das genau umgekehrte Phänomen, nämlich für die Klaustrophobie als Angst vor engen Räumen, verwendet wird.

Was ist Agoraphobie?

Die Agoraphobie gehört zur Gruppe der Angststörungen und ist dadurch gekennzeichnet, dass angstauslösende Situationen ganz bewusst gemieden werden. Betroffene sind durch dieses Vermeidungsverhalten häufig in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und – sofern die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen in Begleitung leichter fällt – im Alltag auf andere Menschen angewiesen. Die Angst der Erkrankten bezieht sich auf die Möglichkeit, in einer als bedrohlich empfundenen Situation die Kontrolle zu verlieren, sich zu blamieren oder im Falle einer Massenpanik nicht fliehen zu können. Es werden Szenarien bis hin zur Angst vor dem Verlust des Verstandes oder vor einem plötzlichen Tod erdacht, die mit der Realität meist wenig zu tun haben, von Betroffenen aber dennoch als äußerst bedrohlich empfunden werden.

Traumatische Erlebnisse können eine Ursache sein

Auslöser für eine Agoraphobie kann ein konkretes schlimmes Erlebnis aus der Vergangenheit sein, das an einem Ort geschah, der dem nun gefürchteten ähnelt. Auch andere traumatische Begebenheiten wie der Tod eines Angehörigen, die Trennung vom Partner oder der Verlust des Arbeitsplatzes kommen als auslösende Erlebnisse in Frage. Häufig sind die Ursachen für die Erkrankung jedoch wesentlich abstrakter und lassen sich vor allem dann, wenn sie als Begleiterkrankung oder in Kombination mit anderen Erkrankungen auftritt, schwer eingrenzen. Generell spielt bei Angsterkrankungen meist die Kombination mehrerer Ursachen und Faktoren eine Rolle.

Symptome entsprechen einer Panikattacke

Die in einer angstauslösenden Situation auftretenden körperlichen Symptome entsprechen denen einer Panikattacke. Je nach Intensität der Attacke reichen sie von Mundtrockenheit, einem Engegefühl in Hals und Brust und Bauchschmerzen über einen beschleunigten Puls- und Herzschlag sowie Schwindel- und Benommenheitsgefühle bis hin zu Atemnot und Sehstörungen. Auf psychischer Ebene sieht sich der Betroffene stark mit Gefühlen des Verrücktwerdens, Ohnmachtsgefühlen und sogar Todesängsten konfrontiert. Das Auftreten der Symptome muss sich nicht auf die gefürchtete Situation beschränken, sondern kann bereits durch den Gedanken an diese Situation und die bevorstehende Panikattacke ausgelöst werden. Man spricht in diesem Fall von einer Angst vor der Angst.

Diagnose erfolgt anhand von vier angstauslösenden Situationen

Über kurz oder lang machen sich Agoraphobien im Alltag so stark bemerkbar, dass Betroffene meist von sich aus oder mit Unterstützung ihnen nahe stehender Menschen psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Die Diagnostik der im Diagnosekatalog ICD-10 mit der Ziffer F40 verschlüsselten Erkrankung erfolgt anhand von vier potenziell angstauslösenden Situationen. Sofern zwei der vier Situationen Menschenmengen, öffentliche Plätze, Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause oder Reisen alleine als angstauslösend empfunden werden, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Agoraphobie vor.

Behandlung und Therapie der Krankheit

Sofern die Agoraphobie mit weiteren Erkrankungen einhergeht, empfiehlt sich eine Gesprächstherapie zur Klärung der angstauslösenden Faktoren. Im Falle einer reinen Agoraphobie mit klar abgrenzbaren Angstszenarien, kann eine Verhaltenstherapie in Angriff genommen werden, um sich diesen Szenarien zu stellen. Allein oder in Begleitung eines Therapeuten konfrontieren sich die Betroffenen mit ihrer Angst, unternehmen Reisen oder besuchen Veranstaltungen. Unterscheiden lässt sich bei Verhaltens- bzw. Expositionstherapien zwischen dem so genannten Flooding, also einer sofortigen Reizüberflutung mit der Angst, sowie der systematischen Desensibilisierung bei der schrittweisen, sanften Konfrontationstherapie.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.