Heilen mit Spritzen

Gesundheitslexikon: Neuraltherapie

© picture-alliance / Klaus Rose, Klaus Rose, rose sv

23. Oktober 2019 - 10:52 Uhr

Die Neuraltherapie gegen chronische Schmerzzustände

Üblicherweise wird ein Schmerz dort behandelt, wo er sich körperlich bemerkbar macht. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Neuraltherapie. Sie macht sich das ausgeklügelte neuronale System des Körpers zu Nutze, um den Schmerz effektiv zu lindern.

Was ist die Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie geht, ganz im Sinne der Alternativmedizin, von einem ganzheitlichen Körperverständnis aus. Im Mittelpunkt dieser These steht das vegetative Nervensystem. Der Arzt betäubt bei der Neuraltherapie ganz bestimmte Nervenfasern, um die Schmerzübertragung an anderen Stellen im Körper zu unterbinden. Entwickelt wurde die Neuraltherapie in den 1930er Jahren. Damals entdeckte man, dass ein quälendes Problem nicht immer zwangsläufig dort behandelt werden muss, wo es am Körper auftritt. So könnte die Ursache von Kopfschmerzen beispielsweise auch ein entzündetes Fuß- oder Handgelenk sein.

Bei welchen Beschwerden kann eine Neuraltherapie helfen?

Meist wird der Behandlungsansatz von den Ärzten gewählt, wenn der Patient als austherapiert gilt, gleichwohl er noch unter (chronischen) Schmerzen leidet. Man geht davon aus, dass manche andauernden Krankheiten einen regelrechten Erinnerungsschmerz im Körper hinterlassen, der auf herkömmlichem Wege nicht mehr weiter zu kurieren ist. Dann soll über die gezielte Injektion dem Nerv eine Art Neustart ermöglicht werden. Typische Erkrankungen sind Rücken- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne, chronische Entzündungen, Verdauungsstörungen mit Durchfällen, Verstopfungen und Krämpfen, Neuralgien oder eine unspezifische Erschöpfungsdepression.

Wie läuft eine Behandlung mittels Neuraltherapie ab?

Es gleicht einer Detektivarbeit, den wirklichen Schmerzauslöser im Körper aufzuspüren. Ärzte stützen sich dabei auf drei ineinandergreifende Ansätze. Die "Segmenttherapie" basiert auf den Head'schen Zonen. Diese Hautareale liegen am Rücken verteilt und stellen eine Verbindung zu allen Organen her. Schmerzt eines der Organe, so betäubt der Arzt die zugewiesene Stelle am Rücken des Patienten mit einem Lokalanästhetikum. Ist eine Entzündung der Schmerzauslöser, wird zur "Störfeldtherapie" übergegangen. Häufige Störfelder liegen im Bereich von Narben, den Nasennebenhöhlen oder der Schilddrüse. Hilft auch jener Ansatz nicht, kann die "Therapeutische Lokalanästhesie" zum Einsatz kommen. Dabei wird die Betäubung in die Lendenwirbelsäule gespritzt.

Was sollte man bei der Neuraltherapie beachten?

Bei der Neuraltherapie kommt in jedem Fall eine Betäubungsspritze zum Einsatz. Wer also unter einer ausgeprägten Angst vor Spritzen leidet, sollte dies seinem behandelnden Arzt mitteilen und gegebenenfalls um eine leichte Beruhigung vorab bitten. Die Injektionen in die Nerven gelten jedoch als sicher. Allerdings kann es beim Wirkstoff (meist Procain) zur Unverträglichkeit kommen. Seltene Procain-Nebenwirkungen sind beispielsweise örtliche allergische Reaktionen wie Juckreiz und Pustel-Bildung. In diesem Fall kann auf ein alternatives Präparat ausgewichen werden. Ebenso kann sich an der Einstichstelle ein Bluterguss entwickeln.

So finden Sie den richtigen Therapeuten für eine Neuraltherapie

Ziel der Neuraltherapie ist es, das Schmerzgedächtnis des Nervs zu löschen. Obwohl die Maßnahme also streng genommen eine naturheilkundliche Krankheitsbehandlung ist und die Kernaspekte der Akupunktur nachbildet, fällt sie in den Bereich der Schulmedizin. In Deutschland darf sie aus diesem Grund nur von entsprechend weitergebildeten Ärzten praktiziert werden. Eine gute Orientierung bietet die IGNH (Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke). Heilpraktikern ist es seit einigen Jahren lediglich erlaubt, mit Verdünnungen des Wirkstoffs zu arbeiten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.